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Der Tauchsieder als Speicher

Clusterwoche in Brandenburg Der Tauchsieder als Speicher

Im Osten Deutschlands gibt es jede Menge Wind – aber nicht genug Leitungen, um die aus ihm gewonnene elektrische Energie zu transportieren. Ein Lösungsansatz dafür heißt „Windnode“.

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Das Öko-Heizkraftwerk Hennigsdorf.

Quelle: privat

Hennigsdorf. Windenergie gibt es in Brandenburg und anderen Ost-Bundesländern im Überfluss, die Leitungskapazitäten aber, um den Strom zu weit entfernten Verbrauchern zu transportieren, sind knapp und ihr Ausbau ist am Ort teils umstritten. Deshalb müssen Windräder oft abgeregelt werden, wie es in der Fachsprache heißt ,und die Netzentgelte sind besonders hoch. Hier setzt das Projekt Windnode an, mit dem Lösungsansätze zur Systemintegration der erneuerbaren Energien entwickelt werden sollen. „Es geht darum, die zweite Phase der Energiewende vorzudenken“, erklärt Projektleiter Markus Graebig vom Verbundkoordinator 50 Hertz. Die Idee: Durch Einsatz von Speichertechnologien und eine flexible Steuerung von Stromverbrauch ist es möglich, den Netzausbau möglichst gering zu halten und trotzdem einen weiter steigenden Anteil von erneuerbaren Energien ins System zu integrieren.

Projektgebiet des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Projekts Windnode, das ein Volumen von knapp 70 Millionen Euro hat, ist der gesamte Nordosten Deutschlands von Thüringen bis Mecklenburg-Vorpommern. Beteiligt sind 50 Partner, darunter Energieversorger, Netzbetreiber, Universitäten und Forschungsinstitute und Unternehmen. Eingebunden ist das bei der Wirtschaftsförderung (WFBB) angesiedelte Clustermanagement Energietechnik. Clustermanager Jürgen Vogler ist sich sicher: „Windnode kann dazu beitragen, Brandenburg als Modellregion für erneuerbare Energien voranzubringen.“

Wirtschaftsförderung (WFBB) – Partner der Cluster

„Stärken stärken“ – das ist die Leitidee der Brandenburger Wirtschaftsförderpolitik. Das Land konzentriert sich auf neun starke Wachstumscluster, fünf davon gemeinsam mit Berlin. Ziel ist es Wirtschaft und Wissenschaft zu vernetzen, Wachstum und Innovation zu fördern und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken. Unterstützt werden diese durch Clustermanagements. Die Managements von acht Clustern sind in der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB) angesiedelt. Die WFBB unterstützt die Akteure in den Clustern von der Entwicklung der Masterpläne bis zur konkreten Vernetzung und Initiierung von Verbundprojekten.

Das Clustermanagement ist in der Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH (WFBB) angesiedelt.
www.wfbb.de

Clustermanager für das Cluster Energietechnik ist Jürgen Vogler

Telefon: 0331 73061-425

E-Mail: juergen.vogler@wfbb.de

In Brandenburg werden im Rahmen von Windnode sechs Projekte durchgeführt, darunter das Vorhaben „Power to heat“ in der Stadt Hennigsdorf (Oberhavel). In Hennigsdorf werden 80 Prozent der Haushalte mit Fernwärme beliefert. In Zukunft könnte die Wärme immer öfter mit Windstrom erzeugt werden. Kernstück sind zwei Warmwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von mehreren Tausend Kubikmetern, von denen nach derzeitigem Planungsstand einer am Heizwerk Zentrum, der andere am Stahlwerk Hennigsdorf errichtet wird, sagt Gerd Bartsch vom Planungsbüro Ruppin Consult, das die Projektsteuerung im Auftrag der Stadtwerke Hennigsdorf durchführt.

Es geht zum einen darum, industrielle Abwärme des Elektro-Stahlwerks der Riva-Gruppe in die Wärmeversorgung zu integrieren. Da die Abwärme aufgrund des Produktionsprofils starken Schwankungen unterliegt und teilweise zu anderen Zeiten anfällt, als sie im Wärmenetz benötigt wird, sind die großen Wärmespeicher notwendig. Zweites Element sind elektrische Wärmeerzeuger an einem der Speicher – sozusagen große Tauchsieder mit einer Leistung von zusammen zehn Megawatt. Sie können immer dann anspringen, wenn Windenergie bereitsteht, für die es gerade keine Abnehmer gibt. „Durch die Speicher wird das Hennigsdorfer Fernwärmenetz zu einem sicheren Abnehmer für diesen Überschuss-Strom“, sagt Bartsch. Durch das große Fassungsvermögen und die effiziente Wärmeisolierung können Energieüberschüsse auch über Wochen gespeichert werden.

Schon jetzt stammt die Energie zur Wärmeerzeugung in Hennigsdorf zur Hälfte aus regenerativen Quellen. Dafür sorgen ein Kraftwerk, das mit Holzhackschnitzeln befeuert wird, und ein Bioerdgas-Blockheizkraftwerk. In Zukunft soll durch die Projekte der Anteil der Erneuerbaren auf bis zu 80 Prozent steigen, erläutert Bartsch. Langfristig sei sogar eine zu 100 Prozent klimaneutrale Wärmeerzeugung machbar. Es handele sich bei „Power to heat „um ein Demonstrationsobjekt, das die Machbarkeit der Technik unter Beweis stellen soll. Derzeit sind die Rahmenbedingungen für eine Wirtschaftlichkeit der Anlage allerdings noch nicht gegeben, räumt er ein. Das Problem: Auch der regenerative Überschuss-Strom wird bisher mit Steuern und Abgaben belastet, vor allem Stromsteuer und EEG-Umlage. Damit ist die Wärmeerzeugung aber nicht rentabel. Die Forderung nach einer Nachbesserung steht bereits seit einiger Zeit im Raum, da schon an verschiedenen Stellen solche Stromspeicher nach dem Tauchsieder-Prinzip gebaut oder projektiert sind. In Berlin etwa will der Strom- und Wärmeversorger Vattenfall eine „Power-to-heat-Anlage“ in deutlich größerer Dimension bauen.

Von Ulrich Nettelstroth

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