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Gefahrenquelle Elektroinstallation

Alte Stromleitungen können bei Überlastung Brände auslösen Gefahrenquelle Elektroinstallation

In über 70 Prozent der Gebäude in Deutschland sind die elektrischen Anlagen älter als 35 Jahre, so die Ergebnisse einer Studie, die der Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) in Auftrag gegeben hat. Das kann gefährlich werden, wenn immer mehr und leistungsstärkere elektrische Geräte an die alten Leitungen angeschlossen werden.

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Vor allem in Mietwohnungen gibt es viel Sanierungsbedarf

Quelle: FH Südwestfalen / ZVEI

Potsdam. Während in deutschen Haushalten immer mehr moderne Elektrogeräte Einzug halten, steckt die Elektroin­stallation noch millionenfach auf dem Stand der Nachkriegszeit fest. Die Anlagen haben aber eine begrenzte Lebensdauer. „Um Brandgefahren vorzubeugen und sich fit für die Energiewende zu machen, müssten in Deutschland Millionen Gebäude elektrotechnisch saniert werden“, erklärt Johannes Hauck, Leiter des Lenkungskreises „Elektro-Modernisierung“ beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI). Leider sei kaum jemandem bewusst, wie hoffnungslos überaltert viele Elektroinstallationen seien.

Besonders gefährlich können alte Zählertafeln in Wohnungen oder in den Kellern von Ein- und Mehrfamilienhäusern sein. Wurden Zähler, Sicherungen und Kabel auf brennbaren Materialien wie Holz montiert, kann es im Fall einer Überlastung leicht zu einer Entzündung kommen. Aber auch eine einzelne Steckdose kann schon der Ausgangspunkt für ein verheerendes Unglück sein.

Wie untauglich der Status der Elektroinstallation in Millionen Gebäuden ist, belegt eine aktuelle Studie der Fachhochschule Südwestfalen und der Leuphana-Universität Lüneburg. Im Auftrag des ZVEI hatten die Forscher den Zustand elektrischer Anlagen in Eigentums- und Mietimmobilien abgefragt – und waren zu niederschmetternden Ergebnissen gekommen. Ein Großteil der untersuchten Neu- wie auch Altbauten erfüllt demnach nicht die heute gültigen Ausstattungsstandards. So ist fast die Hälfte der in den sechziger Jahren errichteten Gebäude nie elektrotechnisch auf Vordermann gebracht worden. Die ZVEI-Bestandserhebung, meint Experte Hauck, „hat unsere schlimmsten Erwartungen noch übertroffen“.

Die wichtigsten Studienergebnisse: 29 Millionen Gebäudeeinheiten in Deutschland sind älter als 35 Jahre, elf Millionen Immobilien sogar mehr als sechs Jahrzehnte alt. In über 70 Prozent der Gebäude befinden sich Elektroleitungen, die älter als 35 Jahre sind. Dabei lässt das Alter des Gebäudes allein keinen Rückschluss auf den Zustand seiner Elektroinstallation zu. Gebäude, die vor 1950 entstanden sind, haben zu einem höheren Anteil die Sanierung bereits hinter sich als Immobilien aus den Wirtschaftswunderjahren. Am schlechtesten sind Gebäude der Baujahre 1950 bis 1979 ausgestattet. Hier herrscht in puncto Ausstattung mit Steckdosen und Lichtschaltern, Zählerplatz-Systemen und Sicherungsinstallationen der größte Nachholbedarf. Eigenheime sind tendenziell besser ausgestattet als Mietimmobilien.

Selbst wenn saniert wird, bleibt es häufig bei einer optischen Auffrischung. In den meisten Fällen werden nur Schalter- und Steckdosen getauscht. Wichtige Schutzschaltgeräte, Verteiler, Elektroleitungen und Klemmen hingegen bleiben unangetastet. Dabei verwandeln sich speziell Leitungsverbindungen im Laufe der Zeit in potenzielle Gefahrenquellen. In mehr als der Hälfte der untersuchten Haushalte wurden die Elektroleitungen noch nie ausgetauscht. Marode Leitungen aber können zu Kabelbränden führen.

„Dem Laien ist kaum bewusst, welchen Belastungen sein hausinternes Stromnetz durch den Einsatz der neuen hochmodernen Elektrogeräte ausgesetzt ist“, konstatieren die Autoren der Studie. Wie schnell eine Belastung zur gefährlichen Überlastung werden kann, zeigt die Analyse von Brandursachen. Nach Zahlen der Versicherungswirtschaft ist ein Drittel aller Brände auf Fehler in der Elektrik zurückzuführen. Unter den vorbeugbaren Brandursachen rangiert die Elektrizität mit 52 Prozent sogar unangefochten auf dem ersten Rang. Mit einer Sanierung der Elektroinstallation lässt sich somit das Brandrisiko spürbar senken.

Für Mieter ist vor einer Sanierung der Elektroinstallation zu klären, ob es sich um eine Instandsetzung handelt oder um eine Modernisierung, deren Kosten der Vermieter auf die Miete umlegen kann. In einer Wohnung sollte es zwei getrennte Stromkreisläufe geben und sie sollten so ausgestattet sein, dass neben dem Betrieb eines Großverbrauchers wie Waschmaschine oder Geschirrspüler weiterer Stromverbrauch möglich ist. Ist das nicht gegeben, muss der Vermieter eine neue Installation vornehmen, damit eine zeitgemäße Wohnnutzung möglich ist.

Von Ulrich Nettelstroth

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