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Historische Baustoffe sind im Kommen

Bauen und Wohnen Historische Baustoffe sind im Kommen

Beim Abriss eines Hauses werden üblicherweise große Mengen an Bauteilen verwendet, die eigentlich noch gut weiterverwendet werden könnten. Inzwischen sind die historischen Baustoffe aber beliebt und werden immer öfter weiterverwertet, teilweise auch, um Neubauten einen Antik-Look zu verpassen.

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Zu Schade für den Schutt: Alte, aber intakte Bauteile wie diese Türen.

Quelle: dpa

Potsdam. Eine barocke Holztür aus dem 18. Jahrhundert als Eingang für einen Neubau? Ziegelsteine aus einem alten Bauernhaus als Wandverkleidung? Immer öfter kommen historische Baustoffe zu einem zweiten Einsatz. „Das ist immer noch ein Nischenmarkt, aber einer mit Ausstrahlung und Dynamik“, sagt Christoph Freudenberger, Geschäftsführer des Unternehmerverbands Historische Baustoffe.

Üblicherweise werden beim Abriss eines Hauses große Mengen an intaktem Baumaterial vernichtet, das eigentlich noch gut weiterverwendet werden könnte. Tragende Balken aus einem jahrhundertealten Fachwerkhaus beispielsweise haben nicht an Wert verloren, solange sie vor Feuchtigkeit und Ungeziefer geschützt waren. Alte Fenster und Türen bringen ihren eigenen Charme und Charakter mit. Olaf Elias, Baustoffhändler aus Oberkrämer (Brandenburg) beobachtet, das derzeit auch der Stil-Mix aus alten und neuen Bauteilen gefragt ist. Interieur-Designer und Architekten experimentieren damit. Alte Originalteile seien maschinell gefertigten Repliken durch die Qualität der Handwerksarbeit überlegen.

Von historischen Baustoffen im eigentlichen Sinne wird gesprochen, wenn sie von Gebäuden stammen, die vor 1945 errichtet wurden. Balken und Bretter, Ziegelsteine, Türen, Fenster, Täfelungen oder Beschläge aus geschmiedetem Metall sind besonders interessant, erklärt Freudenberger. In anderen europäischen Staaten wie Großbritannien, Frankreich oder den Benelux-Ländern ist es schon lange üblich, dieses Material wiederzuverwerten. Inzwischen ist die Gebrauchtoptik auch hierzulande im Kommen. „Neue Materialien wirken ja oft steril“, so Freudenberger. Da könne der Einbau alter Materialien für ein Gefühl von Vertrautheit und Wärme sorgen. Sehr beliebt sind historische Baumaterialien auch für Ferienunterkünfte und Gastronomie-Betriebe. Für sie kann der Antiquitäten-Look das gewisse Etwas liefern, das sie aus der Masse abhebt.

Manchmal geht es aber auch darum, die passenden Ersatzteile für die Rekonstruktion von alter Bausubstanz zu bekommen. Müssen beispielsweise in einer alten hölzernen Stube einzelne Balken ausgetauscht werden, so würde man beim Einsatz von frischgeschlagenem Holz den Unterschied zwischen alt und neu ein Leben lang erkennen können. Erst nach Jahrzehnten hätten sich beide Materialien optisch angeglichen. Werden dagegen passende historische Balken eingebaut, ist der Austausch kaum erkennbar.

All das erfordert von den Fachbetrieben eine genaue Kenntnis der Materialien. Die Experten müssen zum Beispiel wissen, wann sich eine Weiterverwendung lohnt und wie die ausgebauten Bauteile gelagert werden. Denn in ihrer neuen Funktion sollen sie schließlich weitere Jahrzehnte überdauern.

Von Ulrich Nettelstroth

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