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Mehr „Die Mid-Life-Crisis der Männer ist deutlich gravierender“
Mehr „Die Mid-Life-Crisis der Männer ist deutlich gravierender“
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00:20 13.03.2018
Die Gynäkologin Karolin Fahlke berät in der Potsdamer Gemeinschaftspraxis „Frauenärzte am Sterncenter“ auch Patientinnen mit Wechseljahresbeschwerden. Quelle: Julian Stähle
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Potsdam

Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme: In der zweiten Lebenshälfte müssen Frauen mehr erdulden als Männer. Wie sie die Wechseljahre bewältigen, erklärt die Potsdamer Frauenärztin Karolin Fahlke.

Frau Fahlke, lassen Sie uns zunächst über das Positive sprechen: Welches Potenzial bringen die Wechseljahre für Frauen mit sich?

Ehrlich gesagt bringen die Wechseljahre nicht viele Vorteile. Denn wer will schon alt werden? Alle wissen, dass es in den Wechseljahren Beschwerden gibt, die keiner haben will. Umso schöner ist es, wenn es Frauen gelingt, mit den Jahren bestimmte Dinge zu akzeptieren. Es ist wichtig, mit dem Alter seinen Frieden mit sich zu machen. Und viele schaffen es zum Glück, diesen Wechsel zu meistern. Da ist die Mid-Life-Crisis der Männer deutlich gravierender. Frauen beschäftigen sich früher und intensiver mit dem Altern.

Warum sind die Wechseljahre noch immer so ein großes Tabuthema, über das kaum eine Frau gern spricht?

Frauen unterhalten sich untereinander natürlich schon über ihre Wechseljahre und die damit verbundenen Probleme. Aber grundsätzlich ist es richtig, es handelt sich noch immer um ein großes Tabuthema. Für viele sind die Wechseljahre mit dem vermeintlichen Makel verbunden, dass sie keine Kinder mehr bekommen können. Hinzu kommt, dass wir eine Gesellschaft sind, die nach außen glänzt. Keine Frau will mit ihrem Kollegen am Arbeitsplatz darüber sprechen, dass sie die Nacht schlecht geschlafen hat, weil sie an Hitzewallungen leidet.

„Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch können schlecht in sich ruhen“

Sie sind seit 22 Jahren als Frauenärztin tätig, erst in der Klinik und seit 2005 als niedergelassene Ärztin. Welche Beobachtungen haben sie in Ihrer Praxis gemacht: Welche Frauen kommen gut durch die Wechseljahre und welche haben mit sich zu kämpfen?

Frauen kommen gut durch die Wechseljahre, wenn sie realisieren, dass sie in ihrem Leben an einen Punkt gekommen sind, an dem sie etwas erreicht haben: Ihre Familie ist an einem stabilen Punkt, sie haben einen festen Freundeskreis und fühlen sich im Beruf angekommen und akzeptiert. Was Frauen nicht gut tut in den Wechseljahren, ist wenn sie noch drei andere Baustellen gleichzeitig haben: Ärger im Job, eine Trennung und Sorgen mit den Kindern. Auch sind die Wechseljahre für Frauen ein großes Problem, wenn sie sich Kinder gewünscht haben, dieser Wunsch sich aber nicht erfüllt hat. Diese Frauen können sehr schlecht in sich ruhen.

Die Gynäkologin Karolin Fahlke arbeitet in der Potsdamer Gemeinschaftspraxis „Frauenärzte am Sterncenter“. Quelle: Julian Stähle

In welchem Alter erleben Frauen ihre Wechseljahre?

Die Phase hat sich etwas nach hinten verschoben. Früher gingen die Wechseljahre bei Frauen ab 40 Jahren los. Heutzutage beginnen die Wechseljahre bei den meisten Frauen ab Mitte 40. Wenn die Menopause zu früh beginnt und die Frauen jünger als 40 sind, spricht man von frühzeitigen Wechseljahren.

„Ein Drittel aller Frauen kommt gut damit zurecht.“

Wie erkennen Frauen die Anzeichen der Wechseljahre?

Anfangs bekommen viele Frauen ihre Periode unregelmäßiger. Sie schlafen schlechter und schwitzen nachts. Auch Stimmungsschwankungen sind möglich. Alles Anzeichen für die beginnenden Wechseljahre. Ob und wie stark Frauen unter Wechseljahresbeschwerden leiden, ist sehr verschieden. Ein Drittel aller Frauen kommt gut damit zurecht, andere haben keine Beschwerden und die dritte Gruppe leidet massiv.

Was passiert genau im Körper bei den Wechseljahren?

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern ein biologisch normaler Prozess, den wir Frauen durchmachen. Jede Frau hat eine bestimmte Zahl von Eizellen in ihren Eierstöcken, wenn sie geboren wird. Diese Reserve ist irgendwann weg. Der Körper stellt sich darauf mit seiner Hormonproduktion ein. In den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt häufiger aus und die Frau hat keine Periode mehr. Wann genau das passiert, ist sehr individuell und kann niemand beeinflussen. Das gravierende daran ist der Östrogenverlust.

Fünf bis zehn Kilo Gewicht mehr können es werden

Welche Veränderungen bringt die Menopause mit sich?

Fast jede zweite Frau leidet in den Wechseljahren unter Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Viele Frauen nehmen in den Wechseljahren zu. In einer Zeitspanne von zehn Jahren können das fünf bis zehn Kilo sein, vor allem im Bauch- und Brustbereich. Denn mit den Jahren sinkt der Kalorienbedarf und die Muskel- und Knochenmasse verringert sich. Da der Körper nicht mehr so viel Östrogen produziert, werden auch die Haare dünner. Bis auf die ausbleibende Regelblutung, kommt also nicht unbedingt etwas Schönes auf die Frauen zu.

Welche Rolle spielt die Psyche?

Oftmals sind Schlafstörungen der Grund für Stimmungsschwankungen. Sie kennen das selber: Wenn sie schlecht schlafen, sind sie schlecht drauf. Das sind Faktoren, die Sie in dem Moment nicht beeinflussen können. Ich habe in meiner Sprechstunde schon echte Karrierefrauen erlebt, die sonst im Beruf sehr tough sind, aber durch den andauernden Schlafmangel deutlich an ihre Grenzen kommen. Sie fühlen sich reizbar, schnell erschöpft oder auch niedergeschlagen.

Was die Männer tun können

Was können Frauen gegen Weinkrämpfe, Hitzewallungen tun? Wie können sie gegensteuern?

Was definitiv sinnvoll ist, ist Sport und eine gesunde Ernährung. Patientinnen, die sich mindestens dreimal in der Woche aktiv bewegen und ausgewogen essen, hilft es, Hitzewallungen gegenzusteuern und das Gewicht zu halten. Weil mit den Wechseljahren das Osteoporose-Risiko steigt, rate ich zu einer calciumreichen Ernährung mit viel Milch, Käse und Joghurt sowie Gemüse wie Brokkoli.

Ist eine Hormontherapie sinnvoll und welche Risiken gibt es?

Bei der Hormontherapie gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. In meiner Sprechstunde verweise ich zunächst auf pflanzliche Medikamente. Wenn das nicht ausreicht, können Hormone einen positiven Effekt haben, etwa, dass das Schwitzen aufhört. Patientinnen, die schon Brustkrebs hatten, eine Lungenembolie, einen Herzinfarkt oder Thrombose, rate ich von der Hormontherapie ab. Patientinnen, die keine Beschwerden haben und kein hohes Risiko, sollte man Hormone nicht vorenthalten. Was viele nicht wissen: Es handelt sich um eine Kassenleistung.

Was können die Männer tun, um Frauen in dieser Lebensphase zu unterstützen?

Dass Männer Verständnis ihrer Partnerin gegenüber zeigen, ist das wichtigste. Viele Männer können sich nicht vorstellen, dass die Wechseljahre tatsächlich körperliche und psychische Probleme mit sich bringen. Es hilft, wenn sie ihre Partnerin darin unterstützen, aktiv zu bleiben. Und ein liebes Wort tut auch gut: „Ich liebe Dich so wie Du bist und für mich bist Du immer noch schön.“

Von Diana Bade

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