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Die intelligente Sohle

Diabetes Die intelligente Sohle

Das Schönefelder Unternehmen Medilogic hat ein spezielles Produkt für Fußdruckmessungen bei Diabetes-Patienten entwickelt. Es entlarvt Problemzonen an den Füßen. Dank dieser Daten können Orthopädie-Techniker entlastende Schuhe für Diabetiker anfertigen.

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Heiko Tober, Chef der T&T medilogic Medizintechnik.

Quelle: K. Grunow

Schönefeld. „Die Sorge um den Fuß muss groß sein!“, betont Heiko Tober, wenn er von Diabetes-Kranken spricht. Durch Überzuckerung können die peripheren Nervenenden absterben. Patienten haben dann kein Gefühl mehr in den Füßen. „Wer davon betroffen ist, hat keine Schmerzen“, weiß Tober, der mit seinem Unternehmen T&T medilogic Medizintechnik GmbH in Schönefeld (Dahme-Spreewald) eine Sohle für spezielle Fußdruckmessungen entwickelt hat, die die Analyse bei Diabetes unterstützen.

„Eine Schnittstelle, an der wir alles sehen“, sagt Tober über die Fußunterseite und verweist auf Newton: „Kraft ist gleich Gegenkraft.“ So simpel ist letztlich die Formel, auf der die Idee zur Medilogic-Sohle beruht. „Wie wir gehen und stehen, ist ein Kontrollmechanismus.“ Neurologische Störungen wie auch psychosomatische Symptome können ebenfalls Einfluss auf den Gang und die Haltung nehmen. Allein in Deutschland, so aktuelle Schätzungen, leben mehr als sieben Millionen Diabetiker. Schwindet bei den Betroffenen allmählich deren Empfindung im Fuß, dann können auch Verletzungen, beispielsweise durch gerissene Hornhaut, übersehen werden. Bakterien dringen ein, der Fuß entzündet sich. Im schlimmsten Fall müssen Amputationen vorgenommen werden. 50 000 Fußamputationen werden pro Jahr in Deutschland aufgrund von Diabetes-Erkrankungen vorgenommen, lauten Schätzungen der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Um frühzeitig Gefahrenstellen zu ermitteln, können Fachärzte mithilfe solcher Sohlen wie der in Schönefeld entwickelten genau untersuchen, wo der Fuß zu stark belastet wird. Denn aufgrund zu heftigen Drucks kann sich zu viel Hornhaut entwickeln, die sich dann entzünden kann.

Patienten müssen wenige Minuten mit der Sohle im Schuh laufen

Nur wenige Minuten müssen die Betroffenen mit der speziellen Sohle im Schuh laufen. Die Erfahrung zeige, dass jeder nach kurzer Zeit in seine typische Gangart verfällt, auch wenn derjenige vielleicht im ersten Moment aufgrund der Testsituation ganz konzentriert losgelaufen ist, erklärt Heiko Tober. „Jeder hat sein individuelles Gehen. Das ist wie ein Passbild.“ Ist der Alltagsrhythmus gefunden, wird gemessen. Auf der Basis der medilogic-Daten kann ein Orthopädie-Techniker dann entlastende Schuhe und Diabetes adaptierte Einlagen anfertigen. Erneut werden die Füße des Patienten einige Wochen später untersucht.

Das Besondere am Schönefelder Produkt: Die Sohle funktionierte bereits in der ersten Generation per Funk. Die Daten werden via Sender an einen Computer geschickt. Da sie nicht aufwendig verkabelt werden müssen, mindert das bei den Betroffenen zusätzlich eine gewisse Aufregung wegen der Untersuchungssituation. Noch dazu sieht die Sohle ganz harmlos aus, ist sogar dünner als eine herkömmliche Leder-Einlegesohle, kann also zum Testen in den eigenen Schuhen verwendet werden.

Medilogic verkauft Produkte in die USA und nach Japan

Schon während seines Studiums in Dresden war der promovierte Medizintechniker Heiko Tober in spezielle Messverfahren involviert, mit denen Stehen und Gang der Menschen analysiert werden konnten. Inwieweit damit auch Krankheitsbilder besser diagnostiziert werden können, interessierte ihn zunehmend. Durch solche Bewegungsmesstechniken konnte schon frühzeitig der Schweregrad von Hüfterkrankungen festgestellt werden. Seit gut 20 Jahren ist das von ihm einst in Berlin mitgegründete Unternehmen in Schönefeld in Flughafennähe angesiedelt. Das ist praktisch, denn immer häufiger werden die verschiedenen Messinstrumente auch international nachgefragt. Medilogic verkauft seine Produkte mittlerweile in die USA oder nach Japan. Wenngleich Tober sagt, dass Deutschland der führende Markt ist – sowohl, was die an einer Hand abzählbaren Hersteller als auch die Kunden angeht. Das liege auch an der Tatsache, dass immer mehr Ärzte mit diabetologischem Schwerpunkt praktizieren – im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ein noch immer außergewöhnliches Angebot. Fußgesundheit, gerade auch bei Diabetes, ist hierzulande längst ein wichtiges Thema.

Von Karen Grunow

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