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Nesthüpfer – eine aktive Kita

Kids in Bewegung Nesthüpfer – eine aktive Kita

Von den ersten wackeligen Schritten bis ins Kita-Alter: Kinder sollten sich ausreichend bewegen. Gute Voraussetzungen dafür bieten bewegungs- und gesundheitsorientierte Kitas im Land Brandenburg wie die „Nesthüpfer“ in Falkensee. Die Trägerschaft hat der Landessportbund übernommen.

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Bei den „Nesthüpfern“ ist immer was los.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Taps, taps, taps. 20 nackte Kinderfüße trippeln über blaue Turnmatten, stellen sich hintereinander auf und balancieren über eine Bank. Sarah (4) greift nach einem Seil und schwingt sich von einem Kasten zum nächsten. Die Übung, so scheint es, fällt dem Mädchen kinderleicht und genau das gehört zum Konzept in der Bewegungskindertagesstätte „Nesthüpfer“ in Falkensee (Havelland).

„Die Kinder lernen bei uns viel, ohne groß darüber nachzudenken“, sagt Kita-Leiterin Ewelina Jenczewski. Ihre Einrichtung ist eine von neun bewegungs- und gesundheitsorientierten Kitas im Land Brandenburg, in der der Landessportbund (LSB) die Trägerschaft übernommen hat. Ob laufen, springen, krabbeln oder klettern – für die 180 Mädchen und Jungen in Falkensee ist Bewegung aus dem Kita-Alltag ebenso wenig wegzudenken wie andernorts der klassische Morgenkreis.

„Bewegung und gemeinschaftliches Aktivsein sollten zum Lebensalltag eines jeden Kindes gehören“, erklärt LSB-Sprecher Fabian Klein. Und das am besten so früh wie möglich. Denn einer aktuellen EU-Studie zufolge schafft es nicht einmal ein Drittel der europäischen Kinder, sich eine Stunde am Tag zu bewegen, so wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt. Auch Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kommen in ihrem 13. Ernährungsbericht zum Schluss, dass zu viele Kinder in Deutschland zu dick sind, je nach Bundesland zwischen 8,2 und 12 Prozent. Kinder, die aktiv sind, hingegen trainieren ihr Herz-Kreislauf-System und beugen Haltungsstörungen und Übergewicht vor, so der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.

„Mathematik lernt man beim Klettern“

„Wer sich viel bewegt, hat die besten Voraussetzungen, um später in der Schule gute Leistungen zu bringen“, sagt Ewelina Jenczewski. Demnach steigert Bewegung die Durchblutung des Gehirns, begünstigt die Bildung von neuen Verknüpfungen und festigt bestehendes Wissen. „Mathematik lernt man beim Klettern, nicht am Schreibtisch“, bestätigt auch Semra Köksal, Ernährungsberaterin bei der AOK Nordost. Bewegung spielt deshalb in der Kita in Falkensee nicht nur einmal in der Woche beim Sport eine Rolle, sondern wird in den Kita-Alltag integriert. Impulse geben die 22 Erzieher bereits im Morgenkreis, wenn die Kinder hüpfen und tanzen. Weiter geht es nach dem Frühstück: „Unsere Kinder putzen ihre Zähne auch auf einem Bein, um den Gleichgewichtssinn zu trainieren“, erzählt die Kita-Leiterin. Nur eines von vielen Beispielen.

Bewegung macht Spaß

Bewegung macht Spaß.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Vor allem eines beobachtet die Pädagogin immer wieder bei ihrer Arbeit mit den Ein- bis Sechsjährigen: „Bewegung macht Kinder glücklich.“ Der Spaß reiche bis in die späten Nachmittagsstunden hinein, wenn die Eltern bei einer Mitmachstunde „ins Boot“ geholt würden. Eltern, die selbst Freude an Bewegung haben, geben dieses Verhalten an ihre Kinder weiter, wissen Experten.

Die Kinder entspannen sich in der Infrarotsauna

Damit sich das Aktivsein mit der Entspannung die Waage hält, können sich die Mädchen und Jungen in der Infrarotsauna der Kita bei 44 Grad erholen. „Da ist es schön warm“, erzählt der fünfjährige Jan, der an diesem Vormittag gemeinsam mit vier anderen Jungs und der Erzieherin Konstanze Grell ein paar Schweißperlen auf den Holzbänken verliert. „Ruhepausen sind wichtig, damit die Kinder ihre Eindrücke verarbeiten“, erklärt die Kita-Leiterin. Kneippen würde die Abwehrkräfte stärken und das Element Wasser sei wichtig. „Die Kinder sollen eben mit allen Sinnen die Umgebung erfahren und erleben.“

Dass dies bereits im Babyalter losgeht, weiß auch Annika Seiler, leitende Koordinatorin beim Netzwerk „Gesunde Kinder“ in Teltow-Fläming. 19 dieser Netzwerke gibt es in Brandenburg, sie alle sind beim Land angesiedelt und machen Angebote für Eltern mit Kindern ab der Geburt bis zum dritten Lebensjahr.

Kinder sollen sich austesten können

In Teltow-Fläming können sich Netzwerkmitglieder Spielgeräte wie Wippen, Kletterinseln und Krabbellandschaften für ihr Wohnzimmer ausleihen. „Wir wollen den Eltern bewusst machen, wie leicht sich Bewegung in den Alltag ihres Kindes integrieren lässt“, erklärt Seiler. So gebe es noch vor den ersten wackeligen Schritten eines Kindes Kurse, die die Mobilität fördern: Dazu gehören das Babyschwimmen und -turnen.

Auch wenn einige Eltern Sorge hätten, dass sich ihr Kind beim Sport verletzen könnte, rät die Expertin, loszulassen. „Kinder müssen sich von Anfang an allein austesten können.“ Zwar sollten Mama und Papa ihrem Kind ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, aber zugleich abwägen, in welchen Situationen sie es schützen und wo sie ihm den Freiraum nehmen, Dinge selber auszuprobieren. „Das stärkt das Selbstbewusstsein der Kleinen.“

Von Diana Bade

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