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„Yoga ist fantastisch für Senioren“

Heilkräfte aktivieren „Yoga ist fantastisch für Senioren“

Wer auf der Suche nach einem guten Yoga-Lehrer ist, muss sich zunächst mit sich selber beschäftigten und sich fragen, was er erreichen möchte und welcher Typ er ist. Das empfiehlt Yogalehrerin Franziska Grundwald. Im Interview gibt sie Tipps für Einsteiger und redet über Trends wie Bieryoga und über die größten Sünden auf der Matte.

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Yogalehrerin Franziska Grunwald.

Quelle: Jacqueline Steiner

Brandenburg/Havel. Franziska Grunwald, 31, ist Yogalehrerin und Physiotherapeutin im Anahata Yogastudio Brandenburg an der Havel.

Können Sie uns kurz die wichtigsten Yoga-Formen erklären?

Es gibt sehr viele Stilrichtungen, aber im Wesentlichen unterscheidet man einen dynamischen von einem ruhigen Stil. Vinyasa ist ein dynamischer Yogastil, in dem sich Bewegung und Atmung verbinden. Bei den ruhigen Stilen geht es eher darum, die Yoga-Übungen möglichst lange zu halten.

Dürfen alle auf die Matte oder gibt es Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen besser auf Yoga verzichten sollten?

Bei manchen Erkrankungen, wie einem akuten Bandscheibenvorfall, rate ich dringend ab, Yoga zu praktizieren. Bei künstlichen Gelenken, vor allem der Hüfte, rät man auch eher vom Yoga ab. Auch bei hormonellen Erkrankungen etwa der Schilddrüse sollte man vorsichtig sein. Starke Rückbeugen der Halswirbelsäule könnten die Schilddrüse zusätzlich anregen. Gegen einen ruhigen Yogastil ist nichts einzuwenden, das sollte aber mit dem Arzt abgestimmt sein.

Ist Yoga für Senioren empfehlenswert?

Yoga ist fantastisch für Senioren, weil es die Beweglichkeit verbessert und Haltungsschäden ausgleicht. Viele verbessern ihr Atemvolumen. Ich gebe selber zwei Kurse, in denen die Männer und Frauen zwischen 65 und 82 Jahre alt sind. Weil die Teilnehmer seit vielen Jahren einmal die Woche Yoga praktizieren, sind sie fitter als manche, die 25 Jahre jünger sind.

Viele DVDs sind im Umlauf, die zum Yoga auf der Wohnzimmermatte einladen. Können Sie das empfehlen?

Anfängern rate ich von Yoga-DVDs ab, weil man zu Hause kein Feedback bekommt, ob man es korrekt macht. Gerade Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sollte der Yoga-Lehrer alternative Übungen vorschlagen, wenn eine Yoga-Stellung nicht angenehm ist. Wenn jemand schon Yoga praktiziert, ist gegen eine DVD zur Begleitung nichts einzuwenden.

Was sind die größten Yoga-Sünden?

Eine große Sünde ist es, unachtsam zu sein, was die Atmung betrifft. Kontraproduktiv ist auch, dass manche zu viel wollen und über Grenzen hinausgehen. Zwei wichtige Grundsätze im Yoga heißen: „Sich nicht verletzen.“ und „Das richtige Maß finden“. Ein leistungsorientierter Mensch bekommt aber schnell ein Gefühl dafür, dass er sich beim Yoga nicht von seinem Ego antreiben lassen muss. Man lernt sich selber gut kennen auf der Matte.

Mit welcher Form von Yoga sollten Einsteiger beginnen?

Wer wenig oder noch keine Erfahrung hat, sollte mit einem sanften Yogastil starten. Ich empfehle Hatha-Yoga für Anfänger. Als Unsportlicher sollte man eher nicht mit Bikram-Yoga ab 38 Grad Celsius oder Ashtanga-Yoga mit vielen Sprüngen beginnen.

Was sollten Yoga-Einsteiger noch beachten?

Bei der Suche nach einem Kurs empfiehlt es sich, nach der eigenen Persönlichkeit zu gehen. Einem hibbeligen Menschen, der schlecht zur Ruhe kommt und ein eher unruhiger Geist ist, empfehle ich als Ausgleich einen ruhigen Yoga-Stil. Umgekehrt findet jemand, der ein ruhigeres Naturell hat, Schwung beim dynamischen Yoga.

Woran erkennt man einen guten Yoga-Lehrer?

Wer auf der Suche nach einem guten Yoga-Lehrer ist, muss sich zunächst mit sich selber beschäftigten: Was möchte ich erreichen? Was für ein Typ bin ich? Habe ich gesundheitliche Vorbelastungen? Fachlich sollte man schauen, dass der Yoga-Lehrer einige Weiterbildungen gemacht hat und nicht nur den Yoga-Grundkurs vorweisen kann. Eine Probestunde kann hilfreich sein. Teilnehmer können beobachten, ob der Lehrer die Schüler korrigiert, ob er gut durch die Stunde führt, selber liebevoll und ausgeglichen ist und ob seine Stimme angenehm ist. Schließlich wird man sie 90 Minuten lang hören.

Was sind die neuesten Trends der Yogis?

Das ist sehr stark abhängig davon, in welcher Region man lebt. Die Amerikaner machen Yoga als eine Art „Bodyforming“. Sie sehen es als Trainingsart, die den Körper formt und ihn schlank macht. Wir Europäer nutzen Yoga, um zur Ruhe und Entspannung zu kommen. Ich würde sagen, dass ein gesundheitsorientiertes Yoga hierzulande im Trend liegt. Das geht sogar so weit, dass mit Osteopathen zusammengearbeitet wird, um die Qualität der Ausführungen zu verbessern.

Wie können wir mit Yoga die Heilkraft unseres Körpers aktivieren?

Auf vielen Ebenen kann die Heilkraft unseres Körpers aktiviert werden: Zum einen kann Yoga das Bindegewebe lockern und die Lymphe anregen, so dass Schlacken abgebaut werden können. Auch die Organe des Körpers werden durch Yoga angeregt, etwa der Verdauungstrakt. Eine dritte Ebene ist, dass der Körper beim Yoga gemessen an der Hirnfrequenz einen Bereich erreicht wie bei der tiefen Meditation. Dem Körper fällt es so leichter, sich zu regenerieren und zu heilen.

Warum kann Yoga für Schwangere gut sein?

Yoga ist für Schwangere hilfreich, weil sie lernen, ihre Aufmerksamkeit nach innen zu zentrieren und loszulassen. Für die Geburt kann es helfen, sich besser zu entspannen und zu bewusst zu atmen. Bin ich selber ruhig, ist auch der Herzschlag des Kindes ruhiger.

Inzwischen gibt es Angebote wie Bier-Yoga und Surf-Yoga. Können Sie uns erklären, was dahintersteckt?

Beim Bieryoga werden während der Yogastunde ein bis zwei Bier getrunken, und in lockerer Atmosphäre Yoga geübt. Ich selber habe bisher nur davon gelesen. Es gibt so einige interessante Ideen, wie man Yoga praktizieren könnte, damit es dem ein oder anderen noch mehr Spaß macht. Über Surfyoga weiß ich nur, dass am Strand geübt wird, um das Gleichgewicht zu trainieren, und Ängste für das Surfen abzubauen. Wenn ich Surfen könnte, würde ich das aus Spaß selber bestimmt auch mal ausprobieren.

Von Diana Bade

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