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Berlin Knapp vier Jahre Haft für Babysitterin
Nachrichten Berlin Knapp vier Jahre Haft für Babysitterin
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21:19 15.08.2018
Die Frau wurde vor einem Berliner Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt. Quelle: Britta Pedersen/dpa (Symbolfoto)
Berlin

Eine Babysitterin ist nach dem Tod eines 15 Monate alten Jungen in einer Wohnung in Berlin-Marzahn zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach die 42-Jährige am Mittwoch der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Sie habe das Kind im Juni 2017 so massiv geschüttelt, dass es drei Tage später an seinen Kopfverletzungen gestorben sei, so die Richter. Sie gingen von einer Tat aus einer „Überforderungssituation“ heraus aus. 

„Irgendwie sind ihr die Nerven durchgegangen“

Die aus Vietnam stammende Angeklagte sei damals bei Landsleuten als Haushalts- und Erziehungshilfe angestellt gewesen und habe bei der Familie des Jungen gelebt, hieß es weiter im Urteil. „Sie kümmerte sich bis dahin fürsorglich und liebevoll um das Kind.“ Warum es zu dem Angriff gegen den hilflosen Jungen kam, sei im Prozess offen geblieben. „Irgendwie sind ihr die Nerven durchgegangen“, zeigten sich die Richter nach dem siebenmonatigem Prozess überzeugt. Es sei ein „spontanes Fehlverhalten“ gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte auf einen Schuldspruch wegen Totschlags plädiert und eine Strafe von sechseinhalb Jahren Haft verlangt. Die Frau habe mit bedingtem Tötungsvorsatz gehandelt. Der Verteidiger hatte Freispruch oder eine Bewährungsstrafe gefordert. Die Angeklagte hatte monatelang geschwiegen. Gegen Ende des Prozesses habe sie ihr Bedauern über die Geschehnisse ausgedrückt, so das Gericht.

Seit 13 Monaten in U-Haft

„Wir konnten nicht genau klären, was in der Wohnung geschah“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Obduktion habe später zu der „sicheren Annahme“ geführt, dass der Junge massiv und mit hektischen Bewegungen geschüttelt worden sei. Die Angeklagte habe das Kind nach Überzeugung des Gerichts vorsätzlich verletzt, allerdings nicht töten wollen.

Zu einer Überforderung sei es vermutlich gekommen, weil die 42-Jährige von ihrer eigenen Familie getrennt gelebt habe, hieß es weiter im Urteil. „Sie wollte eigentlich zurück in ihre Heimat zu ihren Kindern, doch sie blieb aus ökonomischen Gründen.“ Die Frau befindet sich seit 13 Monaten in Untersuchungshaft. Der Richterspruch ist noch nicht rechtskräftig.

Von dpa/MAZOnline