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Berlin Acht Schüsse auf libanesischen Intensivtäter – Rache, Rivalität?
Nachrichten Berlin Acht Schüsse auf libanesischen Intensivtäter – Rache, Rivalität?
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09:55 11.09.2018
Die Polizei steht im Fall des erschossenen Straftäters Nidal R. nach eigenen Aussagen noch am Anfang. Das Tatmotiv ist weiterhin unklar. Quelle: dpa
Berlin

Nach tödlichen Schüssen auf einen polizeibekannten Straftäter aus einer arabischstämmigen Großfamilie will die Hauptstadt-Polizei Racheakte verhindern. Berlin habe „exzellente Szenekenntnisse“, doch Gewaltexzesse ließen sich nicht immer verhindern, sagte der Leiter der Abteilung Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt, Sebastian Laudan, am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. In dem Fall stünden die Ermittlungen erst am Anfang. „Wir müssen Licht ins Dunkel bringen.“ Das Tatmotiv war noch unklar – zu hören waren aber Spekulationen über Rivalitäten konkurrierender Familien und persönliche Rache.

Eskalation befürchtet

Indes befürchten Sicherheitsexperten eine Eskalation zwischen kriminellen Mitgliedern arabischer Großfamilien. „Wer die Szene halbwegs beobachtet, weiß, dass die tödliche Attacke am Sonntag ein klares Ausrufezeichen war, das bei allen Clans verstanden und garantiert nicht ungesühnt bleiben wird“, sagte Norbert Cioma, Berliner Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der „Berliner Morgenpost“ am Dienstag. „Dass sie ihre Auseinandersetzungen gewalttätig und ohne Skrupel auf Berlins Straßen austragen, ist die Folge dessen, dass sie jahrzehntelang keinen durchsetzungsstarken Rechtsstaat gespürt haben.“

Nidal R. war am Sonntag gegen 17.40 Uhr auf der Oderstraße in Neukölln niedergeschossen worden, wo er mit seiner Familie unterwegs war. Anschließend flüchteten laut Polizei mehrere Menschen mit einem Auto vom Tatort. Zeugen alarmierten Polizei und Rettungskräfte. Der Angeschossene wurde am Tatort nahe dem Tempelhofer Feld reanimiert und in ein Krankenhaus in Steglitz gebracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag.

Obduktionsbericht liegt vor

Von der Polizei hieß es zur Identität des Opfers nur, der Mann sei im Libanon geboren. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Martin Steltner dementierte jedoch den Namen des Opfers am Montag nicht. Vier Menschen kamen demnach auf den 36-Jährigen zu, dann fielen acht Schüsse, wie der Sprecher mitteilte. Die Obduktion habe ergeben, dass das Opfer innerlich verblutete. Vier Schüsse hatten innere Organe verletzt.

Zwischenzeitlich hätten die Ermittler einen Mann unter Verdacht gehabt, dieser habe sich aber nicht erhärtet, so der Sprecher. Jetzt werden laut Staatsanwaltschaft auch Bilder vom Geschehen unmittelbar vor den Schüssen ausgewertet.

Eine heiße Spur zum Täter gibt es noch nicht. Die kurz nach der Tat zunächst getwitterte Information, es sei ein Verdächtiger festgenommen worden, war laut Polizei falsch.

Vor dem Krankenhaus, in das der angeschossene Mann gebracht worden war, hatte sich am Sonntagabend eine aufgebrachte Menge versammelt. Mit einem Großaufgebot bewachte die Polizei das Gebäude in Steglitz. Es wurde aber nicht beschädigt, es seien auch keine Steine in Fenster geworfen worden.

Dutzende Ermittlungsverfahren gegen Nidal R.

Nidal R. soll bereits im Alter von zehn Jahren Straftaten verübt haben. Seit seinem 15. Lebensjahr stand er immer wieder vor Gericht – aus Jugendschutzgründen wurde unter dem Namen „Mahmoud“ über ihn berichtet. Anklagen lauteten auf Körperverletzung, Raub, Bedrohung, Nötigung, Drogendelikte, Fahren ohne Führerschein, Gefährdung des Straßenverkehrs, Unfallflucht. Im Fall des Intensivtäters gab es Dutzende Ermittlungsverfahren. Diese kriminelle Karriere war auch Auslöser für die Staatsanwaltschaft, eine Spezialabteilung für jugendliche Intensivtäter zu gründen.

Eine Abschiebung in den Libanon scheiterte 2004 wegen ungeklärter Staatsbürgerschaft. Der kräftige Mann verbrachte viele Jahre hinter Gittern. Zuletzt wurde er im Mai 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft wegen mehrerer Verkehrsdelikte verurteilt. Schon 2010 war auf den damals 28-Jährigen in Neukölln geschossen worden, kurz nach einer Haftentlassung. Er war damals nur leicht verletzt worden.

Experte Laudan vom Landeskriminalamt verwies im Innenausschuss auf zahlreiche Aktionen gegen kriminelle Mitglieder von arabischstämmigen Clans wie Durchsuchungen, Beschlagnahmungen von Immobilien und Autos in den vergangenen Wochen. Zugleich betonte Laudan: „Wir ermitteln nicht gegen Familien, sondern gegen Straftäter.“ Den Clan-Begriff verwende die Polizei nicht, er sei stigmatisierend.

Arabische Liga“ im Visier der Ermittler

Zur sogenannten arabischen Liga zählt das LKA demnach etwa 138 000 Einwohner, davon seien 36 Prozent deutsche Staatsbürger. 13 Ermittlungskomplexe wie Eigentumsdelikte, Rauschgifthandel und Schmuggel bezogen sich auf diese Personengruppe. Zunehmend hätten es die Ermittler mit „multifunktionalen Tätern“ zu tun, zunehmend würden über das Internet lukrative Geschäftsfelder erschlossen. Zudem formiere sich die Rapperszene neu und wachse. Es gehe um sehr viel Geld, Macht und Einfluss, sagte Laudan. Mit Sorge werde eine Tendenz zur Bewaffnung beobachtet.

36 Prozent der in Berlin in arabischen Clans organisierten Kriminellen sind laut Schätzungen der Polizei deutsche Staatsbürger.

Von MAZonline

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