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Berlin Gibt es bald wieder O-Busse in Berlin?
Nachrichten Berlin Gibt es bald wieder O-Busse in Berlin?
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00:19 05.01.2018
Das System der Oberleitungsbusse im brandenburgischen Eberswalde könnte zum Vorbild werden. Quelle: ZB
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Berlin

Die letzten Oberleitungsbusse fuhren 1973 durch Ost-Berlin. Nun könnte das seinerzeit ausgemusterte Transportsystem eine Renaissance erleben: Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben ein internes Konzept dafür entwickelt, wie Linienbusse aus der Luft mit Strom versorgt werden können.

„Unsere Experten schauen sich permanent danach um, welche technischen Fortschritte es auf dem Markt gibt“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Und weiter: „Der Verkehr in der Stadt entwickelt sich schließlich auch ständig weiter. Deswegen gehen wir intern der Frage nach, was an Technik verfügbar und ob das für unseren Einsatz denkbar wäre.“

Aufnahme aus längst vergangenen Zeiten: Ein O-Bus hält 1954 in der Fruchtstraße, Ecke Karl-Marx-Allee. Quelle: CC BY-SA 3.0 de/Bundesarchiv

Während das System der Oberleitungsbusse lange Zeit als Auslaufmodell galt, hielt die Stadt Eberswalde (Barnim) als eine von drei deutschen Städten daran fest – auch aus finanziellen Gründen. Nun ist die Kreisstadt mit ihrem als altmodisch verschrienen System plötzlich zum Vorbild geworden, da in allen Kommunen – nicht zuletzt wegen des Dieselskandals und drohender Fahrverbote – über eine Elektrifizierung der städtischen Flotte nachgedacht wird. Derzeit gibt es in Deutschland noch in Solingen (Nordrhein-Westfalen) und Esslingen (Baden-Württemberg) O-Bus-Verkehr.

Teilstrecken sollen die Busse ohne direkte Stromversorgung fahren

Das Berliner Konzept will die Oberleitungsbusse aber von der Leine lassen. Die Fahrzeuge sollen mit Batterien ausgestattet sein, so dass sie Teilstrecken ohne direkte Stromversorgung absolvieren können. Dann könnten etwa Kreuzungsbereiche frei bleiben. Auch Unfälle oder andere Verkehrshindernisse könnten leichter umfahren werden. Medienberichte, wonach die Busse durch Spandau fahren könnten, bestätigte die BVG nicht.

Ein O-Bus hält auf dem Alexanderplatz Quelle: Bundesarchiv/Peter Heinz Junge

Überhaupt reagieren die Berliner Verkehrsbetriebe auf das Thema sehr zurückhaltend. Bei dem O-Bus-Szenario handele es sich eher um ein „internes Ideenkonzept“, das nicht mit dem Berliner Senat abgestimmt ist. Konkrete Planungen zur Umsetzung gebe es noch nicht, hieß es. So oder so: Die Zukunft soll in Berlins öffentlichem Nahverkehr dem Elektrobus gehören. Der Aufsichtsrat der BVG machte jetzt Mittel in „zweistelliger Millionenhöhe“ frei, um die Anschaffung von zunächst 45 Elektrobussen samt zugehöriger Ladeinfrastruktur zu finanzieren. Davon sollen 30 normale Eindeckbusse und 15 große Gelenkbusse sein. Das Vergabeverfahren wurde bereits eingeleitet. Nach dem aktuellen Zeitplan sollen die ersten 12 Meter langen E-Eindecker samt Lade- und Werkstattinfrastruktur in diesem Jahr beschafft werden. Ab 2019 soll dann der erste Gelenkbus (18 Meter) eingekauft sein.

Die BVG schicken Tag für Tag 1300 Busse auf die Straßen

Derzeit schicken die BVG täglich rund 1300 Busse auf die Straße. Davon haben nur vier einen Elektroantrieb. Allerdings seien mit U-Bahnen, Straßenbahnen und Fähren schon jetzt zwei Drittel der jährlich über einer Milliarde Fahrgäste der BVG elektrisch unterwegs, sagt die Aufsichtsratsvorsitzende und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Berlin steht vor einem historischen Wandel im Nahverkehr“, sagt sie. „Ich erwarte, dass die Bushersteller ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennen und im Rahmen des Vergabeverfahrens serienreife Fahrzeuge zu marktgerechten Konditionen anbieten können.“ Denn serienreife Busse gibt es derzeit noch von keinem deutschen Hersteller. Die vier E-Busse in Berlin sind teure Spezialanfertigungen. 900 000 Euro kostete davon ein Exemplar – fast dreimal so teuer wie ein vergleichbarer Dieselbus.

Von Torsten Gellner

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