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Berlin Illegaler Welpenhandel: Wenn Tiere zur Ware werden
Nachrichten Berlin Illegaler Welpenhandel: Wenn Tiere zur Ware werden
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00:21 03.05.2018
Der Hund Matteo stammt aus dem illegalen Welpenhandel. Quelle: Julian Stähle
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Berlin

Kaum knipst eine Mitarbeiterin des Berliner Tierheims die Leine von Matteos Halsband ab, tobt er los. Der Berner Sennenhund stupst seine Kumpanin, eine kaukasische Herdenschutzhündin, dann läuft er ein paar Meter hin und wieder zurück, als würde er jeden Grashalm einzeln grüßen. Er strotzt vor Neugier, wie Welpen halt so sind. Was Matteo und die Hündin namens Wawaba von anderen unterscheidet: Im Alter von zehn bis elf Wochen wurden sie behördlich beschlagnahmt, sie stammen aus dem illegalen Welpenhandel – er vermutlich aus Polen, sie aus Serbien.

Keine Impfungen, kaum Hygiene

Könnten solche Hunde ihre Geschichten erzählen, wären das Dramen und Krimis mit meist offenem Ende. Die Welpen kommen in kleinen Wohnungen, Kellerräumen und abgelegenen Höfen zur Welt. Die mafiös organisierten Händler trennen die Neugeborenen früh vom Muttertier, obwohl sie weiterhin gesäugt werden müssten. Sie vernachlässigen die Hygiene, verzichten auf Impfungen und fahren sie in teils überladenen Transportern quer durch Europa zu den neuen Besitzern. Zuletzt erregte eine Meldung aus Stuttgart bundesweit Aufmerksamkeit. Polizisten befreiten 114 Hunde- und Katzenbabys aus ihren bis zur Decke gestapelten Käfigen eines Lastwagens auf der Fahrt von Osteuropa nach Spanien. Auch Berlin hat sich zum begehrten Ziel der Verkäufer entwickelt.

Matteos Geschichte hat ein Happy End. Quelle: Julian Stähle

Beschlagnahmte Hunde und Fundtiere

„Das ist ein Riesenproblem für uns, das in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist“, sagt Tierheim-Sprecherin Annette Rost. Zu den dort untergebrachten Tieren gehören neben den von den Behörden beschlagnahmten Hunden – und zum Teil auch Katzen – aber auch Fundtiere. Am Tag vor Heiligabend sei zum Beispiel ein Welpe mitten in der Stadt ausgesetzt worden, sagt Rost. Dazu kommen Hunde, die infolge der miserablen Bedingungen der Geburt und des Aufwachsens erkranken. „Den neuen Besitzern fällt das erst beim Tierarzt auf, sie können oder wollen die hohen Kosten der Behandlung nicht zahlen und geben die Tiere bei uns ab.“

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Ein paar Meter von Matteo entfernt bellen und hecheln Hundewelpen hinter Glastüren in voneinander getrennten Räumen. Sie haben nicht das Glück, gemeinsam ins Tierheim gelangt zu sein und miteinander spielen zu dürfen. Die häufig mit Wurmbefall eingelieferten Welpen werden entwurmt und geimpft. Ist ein Tier jünger als 12 Wochen, bleibt es in Quarantäne, bis die Tierheim-Ärzte es gegen Tollwut impfen können.

Nur Sichtkontakt zu Hunden und Menschen

Damit nicht genug der rechtlich vorgeschriebenen Isolation der an sich so sozialen Rudeltiere: Hundewelpen aus EU-Ländern bleiben 21 Tage unter Tollwut-Beobachtung, die aus Serbien stammende Wawaba und andere Welpen aus Nicht-EU-Ländern sogar drei Monate. Mehr als Sichtkontakt zu anderen Hunden ist nicht drin, der Kontakt zu Menschen beschränkt sich in dieser so prägenden Zeit auf die gegen Tollwut geimpften Mitarbeiter.

Die Berliner Tierschutzbeauftragte Diana Plange lobt die „tolle Arbeit“ des Tierheim-Teams und betont zugleich die schwer in den Griff zu bekommenden psychischen Folgen des illegalen Welpenhandels. Spricht die ehemalige Amtstierärztin von ihren Begegnungen mit den Tierhandel-Mafiosi, klingt das, als berichte ein „Tatort“-Kommissar.

Tierschützerin in geheimer Mission

Einmal sei sie auf der Autobahn einem auffälligen Transporter auf einen Parkplatz gefolgt, habe einen auf naiv gemacht und den Fahrer freundlich angesprochen. Um Luft hineinzulassen, waren die Türen geöffnet. „Da stand ein Häufchen Futter, die Hunderassen waren wild zusammengewürfelt und die Tiere schon mehrere Tage unterwegs. Das sah man ihnen auch an.“ Plange spielte weiter die Ahnungslose – von wegen, wie süß die Hündchen seien und ob ein Verkauf denn legal sei.

Der Fahrer ahnte nichts Böses, zeigte Impfpässe, die nach dem Eindruck der Tierschützerin in geheimer Mission nicht zu den Tieren passten. Plange dankte fürs Gespräch. Dann rief sie die Mitarbeiter des zuständigen Veterinäramtes an. Die fuhren zu dem ebenfalls im Gespräch genannten Übergabe-Ort und beschlagnahmten die Tiere.

Hintermänner sind nur schwer zu erwischen

Die illegalen Händler versuchen dem Eingreifen der Behörden zu entgehen, indem sie die Handynummern ständig austauschen, die Übergabe-Orte in letzter Sekunde wechseln und heimlich nach unerwünschten Begleitern der Käufer Ausschau halten. „Dann trifft man sich am U-Bahnhof oder einem abgelegenen Parkplatz und schickt einen Jugendlichen mit dem Hund zur Übergabe. Die Hintermänner sind nur schwer zu erwischen.“ Gelingt es doch, kommen die Verkäufer ohne Erlaubnis zum gewerblichen Handel in vielen Fällen mit einem Ordnungsgeld davon.

Illegaler Welpenhandel sei kein strafrechtlich definierter Begriff, sagt die Polizeisprecherin Kerstin Ziesmer. „Wenn zum Beispiel ein Hund vor der achten Woche dem Muttertier entzogen wurde, ist diese Handlung eine Ordnungswidrigkeit, die beim zuständigen Ordnungsamt bearbeitet wird.“ Anders verhält es sich aber zum Beispiel mit nachweisbaren Betrugsfällen.

Matteo hilft das Wirrwarr aus Straf- und Zivilrecht wenig. Und doch endet zumindest diese traurig begonnene Hundegeschichte mit einem vorläufigen Happy End. Er hat den Quarantäne-Bereich verlassen, eine Familie mit einem anderen Hund und einer Katze hat ihn bei sich aufgenommen.

Welpenhandel via Internet

Viele der illegal gehandelten Welpen werden auf Internet-Plattformen, wie zum Beispiel „Ebay-Kleinanzeigen“, angeboten. Die Berliner Tierschutzbeauftragte Diana Plange fordert die Online-Börsen auf, freiwillig darauf zu verzichten, den Handel mit lebenden Tieren durch kostenlose Anzeigen zu unterstützen. „Stattdessen sollten sie den Tierheimen die Möglichkeit bieten, deren Tiere auf der Plattform vorzustellen. Das bringt genauso viele Klicks und damit Werbeeinnahmen.“

Anbieter auf Online-Plattformen unterliegen für den Verkauf und Tausch von Tieren bislang nicht der behördlichen Erlaubnispflicht. Es wurde eine Petition an den Bundestag gestellt, um die entsprechende Stelle des Tierschutzgesetzes um das Wort „Onlinebörsen“ zu ergänzen.

Um unseriöse Online-Anzeigen zu erkennen, sollte man unter anderem darauf achten, wie sie verfasst sind. Neben vielen Rechtschreibfehlern und einander sehr ähnlichen Texten, sind vergleichsweise niedrige Preise ein Indiz. Während seriöse Züchter mit den entsprechenden Dokumenten für Rassehunde meist 1000 bis 2000 Euro und mitunter auch mehr verlangen, bieten illegale Händler die Welpen häufig für mehrere hundert Euro an. Allerdings ist allein der Preis kein Erkennungszeichen, weil manche Händler sich an die hohen Preise angepasst haben. Anonyme Übergabe-Orte, etwa ein Parkplatz oder ein Bahnhof, sind genauso unseriös wie ständig wechselnde Handynummern und Kontaktpersonen.

Von Maurice Wojach

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