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Berlin Manfred Prasser: Palastbauer mit Fantasie
Nachrichten Berlin Manfred Prasser: Palastbauer mit Fantasie
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20:37 25.03.2018
Manfred Prasser war beim Bau des Palastes der Republik für den großen Saal im Inneren verantwortlich. Quelle: Ulli Winkler
Berlin

Viele großartige Gebäude in Berlin tragen seine Handschrift: Manfred Prasser. Der Architekt starb am vergangenen Dienstag im Alter von 85 Jahren in einem Krankenhaus, wie sein Sohn sagte. Prasser, der gelernte Zimmermann und studierte Bauingenieur aus Kuhschnappel bei Chemnitz, ist in der heutigen Architektenwelt längst nicht so bekannt wie seine Kollegen aus dem Westen. In der DDR galt er jedoch als einer der ideen- und einflussreichsten Architekten; für seine Projekte wurde er mehrfach ausgezeichnet, so auch mit dem Nationalpreis der DDR. Zuletzt lebte er in Oranienburg.

Er baute das Konzerthaus am Gendarmenmarkt im Schinkelschen Sinne mit um, rekonstruierte den Französischen Dom, entwarf Luxus-Hotels und kreierte den Friedrichstadtpalast als moderne Musicalbühne. Dafür hatte ihn eine Dienstreise zum Bühnenstudium sogar bis nach Paris geführt. In einem Gespräch mit der MAZ erzählte Prasser als 82-Jähriger, dass er damals trotz Leibesfülle im Pariser Nachtleben einen Can-Can in Strohröckchen und Federbusch auf das Parkett des legendären Folies Bergère zu legen.

Die Eindrücke vom Pariser Nachtleben schlugen sich in seiner Arbeiter nieder. Quasi als Reiseandenken erhielt der Friedrichstadtpalast seine berühmte Wechselmanege für Zirkus-, Wasser- oder Eisshows sowie die größte Theaterbühne der Welt. „Wenn du so was machen darfst, dann mit Fantasie”, sagte Prasser. Sein Meisterwerk war jedoch der große Saal im Palast der Republik – sechseckig, mit verschiebbaren Wänden und ausgeklügelter Bühnentechnik.

Von 1973 bis 1976 erbaut, war der Palast ein riesiger Veranstaltungs- und Vergnügungstempel für die Ost-Berliner. Auch die Volkskammer hatte ihren Sitz im Palast der Republik. Vor dem 2006 begonnenen Abriss des Palastes schwärmte der leidenschaftliche und einfallsreiche Architekt von den technischen Finessen. „Es ist ein Haus, das Menschen gebaut haben und nicht Erich Honecker“, sagte er damals: „Ich bin stolz auf meine Arbeit.“ 2015 kritisierte Prasser in einem Interview von Zeit Online den Abriss des asbestverseuchten Gebäudes als überflüssig. „Das war knallharter Kommunistenhass. Was die DDR gebaut hatte, musste weg. Wie bei Ulbricht – der ließ das Schloss abreißen, weil er den Kaiser hasste. Die Deutschen lassen ihren Hass immer an Steinen aus. Sie beseitigen nicht den Geist, sondern die Bauwerke, die Symbole“, erklärte er.

Er war froh darüber, nie Chefarchitekt von Berlin geworden zu sein

Prasser hatte nichts gegen den Wiederaufbau des Berliner Hohenzollern-Schlosses, für den der Palast auch weichen musste. Doch der Entwurf seines italienischen Kollegen Franco Stella fand keine Gnade vor seinen Augen. „Ich habe nichts gegen Architekten, die etwas Neues bauen wollen. Aber man kann keine Potemkinsche Fassade errichten und dahinter ein Stahlbeton-Skelett. Ein solches Schloss ist gesellschaftspolitisch und historisch, Entschuldigung, Scheiße. Wenn historisch, dann richtig“, forderte der damals 82-Jährige. Prasser war auch am Bau des Grand Hotels an der Friedrichstraße (heute Westin Grand Hotel) und am Dom-Hotel (heute Hilton Berlin) beteiligt.

Manfred Prasser wuchs im sächsischen Kuhschnappel auf – von der Großmutter behütet, während die Eltern im Reformhaus oder in der Brotfabrik des Onkels arbeiteten. Nach dem Studium wurde er Bauamtsleiter in Görlitz. Aber er hatte Größeres vor. „Als man mich fragte, ob ich was von Flugplätzen verstehe, sagte ich, klar, das ist doch meine Spezialstrecke“, sagte er in einem MAZ-Gespräch. „Und so entwarf ich mit Kuhschnappler Bauernschläue geheime Flughäfen, Atombunker und landete schließlich in Berlin.“ Trotz seiner Verdienste war er nie Chefarchitekt von Berlin. Prasser war froh darüber. „Dazu war ich viel zu liederlich angezogen“, meinte er verschmitzt lächelnd. Der Architekt lebte seit einigen Jahren in Zehlendorf, einem Ortsteil von Oranienburg. Dort hatte er sich ein lichtdurchflutetes Haus mit viel Glas und Holz gebaut. Im Kreis Oberhavel wurden nach seinen Plänen das Ringhotel Sommerfeld, der Grüne Turm Hohen Neuendorf sowie neue Kitas gebaut.

Von Kirsten Baukhage, Christian Thiele und Ulrike Gawande

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