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Berlin Palast der Republik ersteht neu – im Westen
Nachrichten Berlin Palast der Republik ersteht neu – im Westen
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14:43 05.03.2019
Hier hing einst das Symbol der DDR-Fahne aus Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Abriss des Palastes der Republik, Februar 2006. Quelle: Foto: MAZ/Michael Hübner
Berlin

Zehn Jahre nach dem Abriss des Palastes der Republik wollen Künstler das DDR-Gebäude wieder auferstehen lassen – zumindest symbolisch und diesmal im Westen der Hauptstadt. Das Haus der Berliner Festspiele in Wilmersdorf soll sich am Wochenende verwandeln.

Auf den Fensterscheiben kleben bereits Bronzefolien. „Unser ganzes Gebäude wird Las-Vegas-mäßig umgetauft, aber es ist keine Doublette“, sagt Intendant Thomas Oberender. „Unser Projekt ist nicht von Nostalgie geprägt. Sondern ein Anlass, über die Geschichte zu sprechen, über Ost und West und eine Reformagenda von heute.“

Debatten mit Bernhard Schlink und Yanis Varoufakis

Geplant sind eine Diskussion mit Autor Bernhard Schlink („Der Vorleser“), ein Gespräch mit der französischen Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy oder eine „parlamentarische Anhörung“ mit dem früheren griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis.

Der Palast der Republik, ein Prestigebau des Ostens, stand auf der Berliner Spreeinsel. Die DDR-Führung hatte dort 1950 das alte Stadtschloss sprengen lassen, das vom Krieg beschädigt war. Stattdessen wurde in den 70ern der Palast der Republik gebaut. Er war Sitz der Volkskammer, es gab Restaurants, eine Bowlingbahn, Konzerte und andere Großveranstaltungen.

Nach dem Mauerfall wurde der Palast zunächst wegen Asbestbelastung geschlossen und schließlich abgerissen, was viele als politische Abrechnung werteten. Heute entsteht dort das Humboldt Forum als weitgehende Rekonstruktion des alten Schlosses. Das hatte eine Debatte ausgelöst, wie man mit Architektur und Geschichte umgeht.

„Ich finde falsch, dass das alte Preußenschloss abgerissen wurde. Und ich finde auch falsch, dass später der Palast der Republik abgerissen wurde“, sagte Intendant Oberender. „Heute wäre er im Stadtzentrum von Berlin ein Gebäude, das eine schwierige Geschichte wach halten könnte.“ Er selbst habe als Schüler eine Klassenfahrt aus Thüringen dorthin gemacht und sei als Student dort immatrikuliert worden. „Der Palast der Republik war ein Ort, an dem ein Fake-Parlament getagt hat, aber auch ein Ort, an dem die DDR weniger spießig und verschlossen war.“

Es geht um die Langzeitfolgen des Einheitsvertrages

Für ihr Kunstprojekt wollen die Berliner Festspiele nun Musik, Lesungen, Performances und auch politische Diskussionen verbinden. Den Veranstaltern geht es darum, eine Gegensicht auf die bisherige Geschichtsschreibung zu zeigen. „Wir müssen anfangen, die Sicht der Ostdeutschen ernst zu nehmen“, sagte Oberender. „Es geht nicht darum, die DDR oder Helmut Kohl zu verklären, sondern ein realistischeres Bild der Revolution und der Langzeitfolgen des Einheitsvertrages für die Ostdeutschen zu zeigen.“ Nötig sei ein „Empowerment Ost“. 30 Jahre nach der Maueröffnung fühle es sich so an, „als ob die Gesellschaft auseinanderdrifte statt zusammenzuwachsen“, sagte Oberender. Das mache er etwa an den AfD-Ergebnissen im Osten oder der niedrigen Zahl von Ostdeutschen in Führungspositionen fest.

Damals seien im Osten Gewerkschaften, Parteien und Zeitungen gegründet worden. „An diese Selbstermächtigung sollten wir uns erinnern und an sie anknüpfen“, sagte Oberender, „denn die Art des Beitritts, die Politik der Treuhand und der westliche Elitentransfer haben viele im Osten sehr gekränkt“.

Von Julia Kilian

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