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Berlin Rollen bald wieder Züge auf der Siemensbahn?
Nachrichten Berlin Rollen bald wieder Züge auf der Siemensbahn?
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18:42 28.11.2018
In der historischen Berliner Siemensstadt investiert Siemens in den kommenden Jahren rund 600 Millionen Euro. Auch die ehemalige Siemensbahn soll davon profitieren. Quelle: Jürgen Heinrich/Imago
Siemensstadt

Die seit 1980 nicht mehr genutzte Siemensbahnstrecke in Berlin-Spandau soll reaktiviert werden. Das bestätigte der Berliner Bahnbevollmächtigte Alexander Kaczmarek gegenüber der MAZ.

Der S-Bahnhof Wernerwerk ist derzeit ein trauriger Anblick, mit Löchern in den Böden und Dächern der Bahnsteige, Schäden durch Vandalismus und vor allem jede Menge Wildwuchs im Gleisbett. Dennoch liegt nahe, den über 50 Jahre währenden Bahnbetrieb als Zubringer zur Siemensstadt wieder aufzunehmen.

Hauptauslöser für das Wiederbeleben der Bahntrasse war die Meldung von Siemens von Ende Oktober: Der Technologiekonzern will in der Berliner Siemensstadt einen neuen Innovationscampus errichten und Start-up-Firmen, Forschungslabore und Produktionsstätten an einem Industriestandort bündeln.

Die Strecke der ehemaligen Siemensbahn im Überblick. Quelle: Detlev Scheerbarth

ÖPNV reicht nicht mehr aus

„Das Land Berlin hat uns gebeten, die Reaktivierung der Strecke zu prüfen, was wir gerne tun. Durch die verkehrspolitische Bedeutung des Siemens-Campus erscheint das realistischer als in allen Jahren zuvor“, sagt Kaczmarek.

Siemens plant Investitionen von bis zu 600 Millionen Euro – auch für eine bessere Anbindung. „Wir wollen internationale Fachkräfte und Experten für den Campus gewinnen. Dafür ist eine attraktive Anbindung an den Berliner Hauptbahnhof und an den zukünftigen Flughafen BER absolut notwendig“, sagt Yashar Azad, Unternehmenssprecher von Siemens.

 

Für die Mobilität am Innovationscampus, der 2030 öffnen soll, reiche seiner Meinung nach der jetzige ÖPNV in der Siemensstadt mit Bussen und der U-Bahnlinie 7 nicht aus: „Ein Ausbau des Zugverkehrs ist auch deshalb von Bedeutung, da Verkehrskonzepte wie Carsharing hier bisher nicht funktionieren und sich auch der Ausbau der Elektromobilität in Grenzen hält.“

Bahn untersucht gesamte Trasse der Siemensbahn

Nun will die Deutsche Bahn im Auftrag des Berliner Senats prüfen, ob, wann und wie der rund fünf Kilometer lange Abschnitt wiederbelebt werden kann.

Erste Gespräche mit Vertretern des Eisenbahn-Bundesamts sowie des Denkmalschutzes habe es bereits gegeben. Von beiden hängt der Neustart der Siemensbahn maßgeblich ab, da der Bundesbahn mehrere Teile der Trasse gehören. Außerdem stehen Brücken und Bahnhöfe zum Teil unter Denkmalschutz.

1980 passierten die letzten S-Bahn-Züge die Strecke der Siemensbahn. Nun könnte sie im nächsten Jahrzehnt ihr Comeback feiern. Quelle: imago stock&people

Die Deutsche Bahn hat Fachleute beauftragt, die den Zustand der gesamten Trasse untersuchen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die Brücken ohne zusätzliche Maßnahmen wieder in Betrieb nehmen kann“, vermutet Helmut Kleebank, Bezirksbürgermeister von Spandau.

Neue Wohnungen machen ÖPNV-Ausbau nötig

Er fragt sich auch, ob der Bahndamm noch geeignet sei und ob er den heutigen Sicherheitsstandards genüge. Außerdem mahnt er ein Lärmkonzept an, wenn die Bahn in Gartenfeld mitten durch ein Wohngebiet fahre.

Laut Siemens stellen die Investitionen in den Innovationscampus die größte Einzelinvestition in der Geschichte von Siemens in Berlin dar.

Neben innovativen Arbeitsplätzen sollen auch Wohnungen entstehen. „Allein in Hakenfelde, Haselhorst und Siemenstadt entstehen gerade mehr als 10 000 neue Wohnungen. Zusammen mit dem Siemens-Campus ist nun der Punkt erreicht, wo die Möglichkeiten der U-Bahnlinie 7 weitgehend ausgeschöpft sind“, urteilt Bezirksbürgermeister Kleebank.

Auch Regionalzüge auf Siemensbahn denkbar?

Bis Ende 2019 soll Klarheit darüber bestehen, was mit der ehemaligen Bahntrasse in der Siemensstadt passiert und ob dort wieder S-Bahnen rollen – oder Regionalzüge.

Bis Ende 2019 prüft die Deutsche Bahn, in welchem Zustand sich die Siemensbahn befindet, um dann die Weichen für das weitere Vorgehen zu legen. Quelle: imago stock&people

Dafür plädiert Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband IGEB: „Eine S-Bahn-Verbindung ist dort nicht zwingend notwendig. Viel sinnvoller erscheint eine Regionalzugverbindung, die in Gartenfeld startet und über den Potsdamer Platz, Hauptbahnhof und Flughafen BER in Richtung Cottbus fährt.“

Seiner Auffassung nach sei dies die beste Möglichkeit, um einerseits die Anbindung in der Siemensstadt zu verbessern und andererseits eine schnelle Verbindung in Richtung Lausitz zu schaffen.

Streik stoppte Verkehr auf Siemensbahn

Spandaus Bezirksbürgermeister Kleebank kann sich auch passend zum Innovationscampus eine ganz andere Nutzungsform vorstellen: eine Magnetschwebebahn: „Das wäre neben dem Einrichten einer Versuchsstrecke für autonomes Fahren durchaus auch eine Option, um die Mobilität in der Siemensstadt zu erhöhen.“

Die Siemensbahn wurde zwischen 1927 und 1929 als Hochbahn für die Siemensmitarbeiter am damaligen Produktionsstandort in Berlin-Spandau errichtet. So fuhren S-Bahnen bis 1980 zwischen Berlin-Gesundbrunnen, Jungfernheide, Wernerwerk, Siemensstadt und der Insel Gartenfeld.

Nach dem Reichsbahnstreik im September 1980 haben über 200 Eisenbahnmitarbeiter ihren Job verloren. Gleichzeitig wurden mehrere S-Bahn-Linien nicht mehr bedient, zum Beispiel zwischen Zehlendorf und Düppel, aber auch die Siemensbahn.

Von Fabian Lamster

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