So kuschelig war die Furry-Convention in Berlin
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14:41 27.08.2018
Die Furries sind, wie sie selbst sagen, ein großer, verkuschelter Haufen. Quelle: Getty Images/Michele Tantussi
Berlin

Der Dino triumphiert. Mit seinem Kumpel, einem blauen Wolf, hat er es geschafft, neun bunte Topfschwämme auf einem Brett zu balancieren. Von einem Tisch zum anderen – ein paar Schritte für einen Menschen im Alltagsoutfit, eine gewaltige Strecke aber, wenn er ein Tierkostüm trägt. Es beschränkt die Sicht und lässt Krallen wachsen, wo sonst Finger sind.

Das weltweit älteste Treffen, die Eurofurence im Estrel-Hotel in Berlin-Neukölln, bringt jährlich Tausende Kostümträger, Kostümbauer, Zeichner und sonstige Fans vermenschlichter Tiergestalten zusammen.

Nach dem Spiel schlurft der Raubsaurier zu einer Säule und lässt sich im Gewusel quietschbunter Tiergestalten eine uncharmante Frage stellen: „Bist du ein Freak?“ Statt den frechen Fragesteller mit einem Happs zu verschlingen, grübelt der Raptor.

Er trägt schwarzes „Jurassic Park“-Shirt und rot-weiße College-Jacke, nach einigem Überlegen antwortet er. Dabei klappert sein beweglicher Kiefer. „Ich mache das seit 2004 – es ist mir eigentlich egal, was die Leute denken.“ Auch sein Kumpel, der Wolf, lässt sich von den Urteilen der anderen nicht verunsichern. „Ich habe als Furry gelernt, nicht mehr scheu zu sein.“

Furries mit menschlichen Eigenschaften

Furries – das sind Tierfiguren mit menschlichen Eigenschaften. Das weltweit älteste Treffen, die Eurofurence im Estrel-Hotel in Berlin-Neukölln, bringt jährlich Tausende Kostümträger, Kostümbauer, Zeichner und sonstige Fans vermenschlichter Tiergestalten zusammen.

Einfallsreich trotzen die Furries den Regeln der realen Welt. Dort herrscht meist das Gesetz des Stärkeren, bei den Furries aber gilt: weiche Schale, weicher Kern. „Wir sind ein großer, verkuschelter Haufen“, sagt Maximilian Nitzschke-Stockmann, der an der Organisation der bislang größten Eurofurence mit mehr als 3000 Teilnehmern beteiligt ist.

Dass ausgerechnet in einer Zeit, in der harte Kerle à la Trump mit markigen Sprüchen die Welt regieren, eine so friedliche Szene wie die der Tierfiguren Zuwachs erfährt, sei vermutlich kein Zufall, sagt er. Der 36-Jährige trägt den Furry-Namen Sazi, er präsentiert ein Stück Stoff mit Anti-Nazi-Aufschrift an seinem Ausweis. Regenbogen-Farben zieren als Symbol der Schwulen, Lesben und Transgender die Spitze seines schwarzen Wolfsschwanzes.

Die Furries leben in einer Parallelwelt

Wer das Foyer des riesigen Hotels betritt, taucht ein in eine plüschige Parallelwelt. Ganzkörperkostümierte Raubkatzen bieten eine Umarmung an, das Fell riecht parfümiert. Rosenwasser? Andere Furries spazieren ohne Kostüm, aber mit einem Kuscheltier vorbei an zeichnenden Furry-Fans, die sich in comicartige Werke vertiefen. Vor einer Absperrung ist Schluss für alle, die nicht verkleidet sind. Hier beginnt die sogenannte Fursuit-Lounge.

Dorthin ziehen sich die Furries zurück, nehmen die Köpfe ab und kühlen sich runter. Ihnen dorthin zu folgen ist ein Tabu, zu versuchen sie zu demaskieren, ebenfalls. Dröhnende Windmaschinen sind zu hören, die Temperatur im Kostüm liegt bei 35 bis 40 Grad, mitunter darüber. Mitarbeiter achten auf Anzeichen von Kreislaufbeschwerden und erfrischen schwächelnde Teilnehmer mit Handbläsern und Getränken durch Strohhalme in passender Größe.

Furry-Kostüme sind teuer

Furrys leiden nicht nur physisch, sondern auch finanziell. Die meisten Kostüme kosten Tausende Euro, in ihnen stecken Hunderte Arbeitsstunden. Manche sind mit 3D-Augen und Belüftungssystemen ausgestattet, eins mit integrierter Videokamera. Kostenpunkt? So teuer wie ein Kleinwagen.

Mit zaghaften Schritten bewältigt ein Schakal die Treppe zum Innenhof. Er spricht Sächsisch, seine Botschaft ist universell: „Alle Kreaturen kommen zusammen – Katze, Maus, Schakal. Rassismus gibt es hier nicht.“ Erzählt er von der Welt außerhalb der Eurofurence dringt ein Seufzen aus dem Schlund des Schakals. „Der Alltag ist grau und kompliziert, hier ist das Lebensgefühl ganz anders.“ Ein Furry zu sein bedeute auch, zu teilen und sich zu unterstützen, stimmt Sazi zu – und bietet dem Schakal beim Treppensteigen seine Hilfe an.

Von Maurice Wojach

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