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Berlin Tempo 30 hilft nicht gegen dreckige Luft
Nachrichten Berlin Tempo 30 hilft nicht gegen dreckige Luft
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18:06 12.06.2018
Seit 9. April gilt auf einem 1200 Meter langen Abschnitt der Leipziger Straße Tempo 30. Quelle: dpa
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Berlin

Die neue Tempo-30-Zone hilft in der Leipziger Straße in Berlin nur bedingt gegen zu hohe Luftverschmutzung. Das ergaben Messungen vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und der Technischen Universität Berlin aus dem ersten Monat des Modellversuchs. Die Hauptstraße im Bezirk Mitte ist seit April die erste mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung in der Hauptstadt. Das Tempolimit soll zur Senkung der erhöhten Stickstoffdioxidwerte beitragen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz misst seit mehreren Jahren die Schadstoffbelastung an verschiedenen Standorten. In der Leipziger Straße wurde der Grenzwert zuletzt deutlich überschritten. Der Jahresmittelwert lag 2017 bei 63 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft; der Grenzwert innerhalb der EU liegt bei 40.

Die Tempo-30-Zone erstreckt sich vom Potsdamer Platz bis zur Markgrafenstraße. Quelle: Detlev Scheerbarth

Wie der RBB berichtet, ist dieser Wert in den ersten 30 Tagen des Modellversuchs nicht gesunken: Im Schnitt wurden 65,9 Mikrogramm in der 30er-Zone gemessen. Der Sender und die TU Berlin arbeiteten dafür mit acht Passivsammlern an mehreren Stellen, die alle innerhalb der neuen Tempo-30-Zone stationiert wurden.

Tempolimit für Gesundheit und gegen Fahrverbote

Auf einem 1200 Meter langen Abschnitt zwischen Potsdamer Platz und Markgrafenstraße testet die Berliner Senatsverwaltung seit dem 9. April die Auswirkungen der Geschwindigkeitsbegrenzung. „Für uns ist es sehr wichtig, die Gesundheit der Anwohnerinnen und Anwohner zu schützen“, betonte Verkehrssenatorin Regine Günther zum Start des Modellversuchs. Ziel sei es daneben auch, Fahrverbote zu verhindern.

Bereits vor Beginn des Modellversuchs hatte die Senatsverwaltung angefangen, die Schadstoffwerte in der Leipziger Straße akribisch aufzunehmen und auszuwerten. Seit Februar übermittelt ein mobiler Messwagen, der am Straßenrand etwa in der Mitte der nun geschwindigkeitsbegrenzten Zone steht, im Stundentakt aktuelle Daten. Gemessen werden neben Stickstoffdioxid unter anderen auch die Feinstaubbelastung, Stickoxide und Kohlenstoffmonoxid.

Das Land Berlin hat andere Werte gemessen

Der Messwagen übermittelt deutlich niedrige Werte als sie RBB und Technische Universität gesammelt haben. Seit Beginn der detaillierten Messungen im Februar sinken die Stickstoffdioxidwerte demnach stetig: Im Februar und März betrug das Monatsmittel 61 beziehungsweise 56 Mikrogramm. Im April und Mai lag der Wert bei 51 beziehungsweise 50 Mikrogramm.

Bezieht man die Daten aus diesem und einem weiteren Messpunkt des Landes in der Leipziger Straße in die Berechnung der ersten 30 Tage Modellversuch ein, ergibt sich ein geringerer Stickstoffdioxidwert von durchschnittlich unter 60 Mikrogramm.

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Tatsache ist: Die Messungen von RBB und TU Berlin zeigen trotz konkreter Werte nur eine Momentaufnahme der Luftverschmutzung in der Leipziger Straße. Die verwendeten Passivsammler sind zwar eine zertifizierte Methode und werden in ähnlicher Form auch von der Stadt selbst genutzt. Der Mittelwert wird jedoch zum Beispiel vom Wetter und von Staus beeinflusst. Je kürzer der Messzeitraum ist, desto stärken wirken sich solche Faktoren auf das Ergebnis aus.

„Es reicht nicht aus, wie der RBB, zwei Wochen lang die NOX-Werte auf der Leipziger Straße zu messen“, teilte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz als Reaktion auf den Medienbericht mit. Um verlässlich beurteilen zu können, ob Tempo 30 die Stickoxidbelastung senkt, misst die Verwaltung ein ganzes Jahr lang. Erst danach sollen aussagekräftige Daten Aufschluss geben können, ob sich die Begrenzung positiv auf die Luftqualität auswirkt.

In der Potsdamer Zeppelinstraße wurde im Juli 2017 die Fahrbahn eingeengt, um die Luftverschmutzung zu senken – mit Erfolg. Quelle: Bernd Gartenschläger

Bis zum Herbst will die Senatsverwaltung außerdem drei weitere Pilotstrecken in Berlin umsetzen: Auf dem Tempelhofer Damm, in der Hauptstraße in Schöneberg und in der Kantstraße wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder die EU-Grenzwerte überschritten.

In Potsdam waren zuletzt deutlich niedrigere Schadstoffwerte in der Zeppelinstraße gemessen worden, nachdem die Fahrbahn auf einem viel befahrenen Abschnitt der Hauptstraße im Juli 2017 eingeengt worden war.

Von Victoria Barnack

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