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Berlin Breiter Widerstand gegen Gen-Untersuchung
Nachrichten Berlin Breiter Widerstand gegen Gen-Untersuchung
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18:31 10.04.2019
Natalie Dedreux: Aktivistin aus Köln mit Down-Syndrom. Quelle: epd
Berlin

Einen Tag vor der Orientierungsdebatte im Bundestag über vorgeburtliche Gen-Tests wird breite Kritik an dem Verfahren laut. Am Mittwoch demonstrierten rund 150 Aktivisten und Menschen mit Behinderung in Berlin für „Inklusion statt Selektion“. Auch Politiker und Verbände sehen eine mögliche Aufnahme des Trisomie-Tests als Kassenleistung kritisch.

Auf der Demonstration sprach auch Natalie Dedreux. Die Kölnerin lebt mit dem Down-Syndrom. 2017 konfrontierte die heute 20-Jährige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der ARD-Wahlarena mit dem Thema Spätabbruch von Föten mit Down-Syndrom. Vor drei Wochen startete sie online die Petition „Menschen mit Down-Syndrom sollen nicht aussortiert werden!“, die bislang von mehr als 14 000 Menschen unterzeichnet wurde. „Mein Leben mit Down-Syndrom ist cool“, sagte sie. In Deutschland müsse es mehr Inklusion geben. Sie berief sich auf Artikel 3 des Grundgesetzes, der eine Diskriminierung aufgrund einer Behinderung verbietet.

Menschen sollen nicht aussortiert werden

An der Demonstration nahmen neben Menschen mit Down-Syndrom auch Menschen mit anderen Beeinträchtigungen teil, darunter Rebecca Maskos. Sie hat eine umgangssprachlich als „Glasknochenkrankheit“ bezeichnete Erbkrankheit. „Ich will diese Tests ganz allgemein nicht“, sagte sie. Heute ließen sich alle möglichen Beeinträchtigungen vor der Geburt erkennen. All diese Menschen könnten durch die Tests „aussortiert“ werden. Es ginge darum, welches Menschenideal die Gesellschaft habe und ob auch hilfsbedürftige Personen akzeptiert werden.

Test muss bislang aus eigener Tasche gezahlt werden

Der Test gibt über die Untersuchung des Blutes der werdenden Mutter mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Auskunft darüber, ob das ungeborene Kind eine Form der Trisomie hat. Darunter fällt beispielsweise das Down-Syndrom, bei dem das 21. Chromosom dreimal statt zweimal vorhanden ist. Bislang muss der ethisch umstrittene Test selbst bezahlt werden.

Befürworter der Kassenleistung argumentieren, der Test dürfe nicht nur denen vorbehalten bleiben, die es sich leisten können. Kritiker, darunter Behindertenverbände, befürchten, dass bei einer Übernahme der Kosten durch die gesetzliche Krankenversicherung der Test zum Standard und kaum noch Kinder mit einer Trisomie geboren würden. Der frühere Bundesminister Christian Schmidt (CSU) warnte vor einem „erheblichen Druck auf werdende Eltern“. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich für eine Kassenfinanzierung ausgesprochen.

Von MAZonline