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33-Jähriger nach Überfall auf Juwelier vor Gericht

Prozesse 33-Jähriger nach Überfall auf Juwelier vor Gericht

Skrupellos bedrohen Juwelenräuber eine gekidnappte Angestellte, um an Schlüssel und Sicherheitscode zu kommen. Weil ein Alarm auslöst, rückt die Polizei an und fasst einen der Täter. Nun gesteht er vor Gericht. Gehört er zur "Pink-Panther"-Diebesbande?

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Ein Justizbeamter nimmt dem Angeklagten im Landgericht in Hannover Handschellen ab.

Quelle: Julian Stratenschulte

Hannover. Die vier Juwelenräuber hatten ihren Coup in Hannover minuziös geplant und kannten keine Skrupel: Zunächst entführten sie Ende Februar eine Angestellte des Juweliers, um von ihr unter Gewaltandrohung Zugangscode und Schlüssel für den Laden zu erpressen.

Im Geschäft mitten in der City wurden die Räuber dann von der Polizei überrascht. Mit einer am Tresor gefundenen Waffe feuerte einer auf die Beamten, nach kurzer Flucht wurde er gefasst. Wegen versuchten Mordes steht der Mann nun seit Montag vor dem Landgericht Hannover. Seine Komplizen entkamen - ohne Beute.

In seinem Geständnis vor Gericht ließ der 33-Jährige erklären, er habe gewusst, dass es sich bei der gefundenen Waffe bloß um eine Schreckschusswaffe handelte. Die Anklage sieht das anders - für das Strafmaß wird dieser Punkt entscheidend sein.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Überfall in Hannover auf das Konto der berüchtigten "Pink-Panther"-Diebesbande geht. Diese Juwelenräuber werden für Hunderte Überfälle auf Schmuckgeschäfte weltweit mit mehreren Hundert Millionen Euro an Beute verantwortlich gemacht. Zu den Hintergründen der Tat wollte der Angeklagte zu Prozessbeginn nichts sagen.

Die 73 Jahre alte Angestellte schilderte als Zeugin, wie sie vor ihrer Wohnung entführt wurde. Der Angeklagte habe sie angesprochen, während zwei Maskierte sie aus einem Kleinbus heraus an Hals und Füßen gepackt und hereingezerrt hätten. Sie sei von dem Überfall völlig überrascht worden, "ich hatte eigentlich schon das Kartoffelkochen im Kopf", sagte sie.

Weil die Täter kein Deutsch sprachen, habe sie zunächst gar nicht begriffen, worum es ging. Von einem Zettel hätten die Täter versucht, etwas abzulesen, das Wort Code begriff sie dann. Die Maskierten drohten mit Pistolen und einem Schraubenzieher und setzten einen Seitenschneider an ihrem kleinen Finger an, damit sie die Zahlenkombination herausrückte.

Damit gelangte der Angeklagte zwar ungehindert in das Geschäft - ein nach Ladenschluss stets aktivierter stiller Alarm aber sorgte dafür, dass die Polizei schnell zur Stelle war. Auf seiner wilden Flucht feuerte der 33-Jährige mehrfach auf die Polizei, die ihrerseits einen Warnschuss in die Luft abgab - verletzt wurde niemand. Beim Versuch, die Fahrertür eines haltenden Autos aufzureißen, wurde der Mann schließlich gefasst. Die Angestellte ließen die Täter gefesselt und geknebelt in dem Kleinbus zurück. Sie konnte sich bald darauf selber befreien und die Polizei alarmieren.

"Der Schock war groß, dass einem das vor der Haustüre passiert", sagte die Angestellte. "Ich bin die nächsten Tage wieder arbeiten gegangen weil ich gedacht habe, wenn man vom Pferd fällt, soll man bald wieder aufsteigen." Trotz ihres gefassten Auftritts, das räumte die Frau ein, mache ihr die Attacke nach wie vor zu schaffen. Für den Schrecken, den sie wegen ihrer Arbeit durchstehen musste, entschädigte sie ihr Chef zumindest gebührend - als Geschenk habe sie eine echte Rolex-Uhr erhalten, sagte die Frau.

dpa

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