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Amerika blickt entsetzt auf das Attentat in Las Vegas

Bei Musikfestival Amerika blickt entsetzt auf das Attentat in Las Vegas

Ein Country-Konzert endete in Las Vegas in einem Blutbad. Aus einem Hinerhalt feuerte der Attentäter auf die Zuschauermenge. 58 Menschen starben. Das teilte die Polizei in der Glücksspielmetropole mit. Mehr als 515 Menschen seien verletzt worden. Das Motiv des Täters ist unklar.

Polizisten im Zentrum von Las Vegas fordern Passanten auf, sich in Sicherheit zu bringen.

Quelle: AP

Las Vegas. Über fünf Minuten feuert der Täter in die Menge. Die Schüsse aus dem automatischen Sturmgewehr hallen über den hell erleuchteten Platz, und die Konzertbesucher laufen hilfesuchend durcheinander. Erst Stunden nach dem Angriff wird das ganze Ausmaß eines der größten Verbrechens in der amerikanischen Geschichte bekannt: 58 Menschen werden in der Nacht zu Montag in Las Vegas getötet, die Zahl der Verletzten liegt bei mehr als 500.

In den Krankenhäusern werden die Blutkonserven knapp

Es sollte der fröhliche Abschluss des dreitägigen „Route 91 Harvest Festivals“ werden, das von fast 30 000 Country-Musik-Liebhaber besucht wurde. Mit Cowboyhut und Gitarre in der Hand betritt gerade der populäre Sänger Jason Aldean die Bühne, als die ersten Schüsse durch die Menge peitschen. Ivetta Saladana steht in den vordersten Reihe, als die ersten Opfer zu Boden gehen. „Es war ein reiner Horror. Die Menschen liefen zuerst durcheinander, dann warfen sie sich schutzsuchend zu Boden“, sagte die junge Frau später gegenüber der örtlichen Zeitung „Las Vegas Review-Journal“.

Die meisten Opfer werden offenbar durch die ersten Gewehrsalven getroffen, da viele Zuschauer das dumpfe Knattern und Knallen nicht richtig zuordnen können, das von der Musik fast übertönt wird. Es scheint, als wenn so manche Touristen in diesem Moment ein buntes Feuerwerk erwarten, bis die ersten entsetzten Schreie zu hören sind. Sekunden später rennen die Menschen hektisch auseinander, „Deckung, geht in Deckung!“ brüllen mehrere Stimmen.

Einige legen sich geistesgegenwärtig flach auf den Boden, andere suchen unter Stühlen und Tischen Sicherheit. Doch immer und immer wieder geht das todbringende Feuer auf die Menge ein - unterbrochen nur von den Momenten, in denen der Schütze sein Magazin wechselt, um anschließend weiter zu schießen.

Den Rettungskräften, die kurz darauf am Unglücksort antreffen, bietet sich ein Bild des Grauens. Zunächst gehen sie von 50 Verletzten aus, dann von 100, und Stunden später von 500. Selbst in einer Millionenmetropole wie Las Vegas gehen die Blutkonserven zur Neige, und mehrere Krankenhäuser geraten an ihre Kapazitätsgrenzen.

Der IS beansprucht das Massaker für sich

Sheriff Joseph Lombardo gibt am frühen Montagmorgen (Ortszeit) den Namen des Schützen bekannt, der sich offenbar selbst erschoss, als die Polizei gerade in Begriff war, sein Hotelzimmer zu stürmen: Stephen Paddock hatte sich im Mandalay Bay Hotel postiert, das sich neben der Freilichtanlage erhebt, und vom 32. Stock wahllos in die Menge geschossen. Die Polizei findet später neun Gewehre und eine Unmenge an Munition. Lombardo, der an diesem Montag alle zwei Stunden vor die Presse tritt, beschreibt den 64-Jährigen als „einsamen Wolf“, der allem Anschein nach allein handelte und wie ein Scharfschütze in die Menschenmenge geschossen habe.

Mit Zurückhaltung nehmen die Behörden eine Nachricht aus Kairo auf, wonach die Milizen des „Islamischen Staates“ den Massenmord für sich reklamieren. Vorsorglich mahnen sie, dass sich die Propagandaabteilung der Extremisten schon mehrfach zu Taten bekannte, die offensichtlich keine Verbindung zum IS besaßen.

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Es passierte während eines Konzerts des Countrysängers Jason Aldean am weltberühmten Strip in Las Vegas (Nevada): Plötzlich peitschten Salven aus einem Sturmgewehr durch die Nacht. Die Menschen rannten um ihr Leben.

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Bisher besitzt die Polizei jedenfalls keine Erkenntnis zur Weltanschauung des Schützen. Auch in seiner Wohnung, die etwa 100 Kilometer außerhalb von Las Vegas liegt, findet sich nichts Auffälliges. Fest steht lediglich: Der pensionierte Buchhalter wurde unmittelbar vor dem Angriff von einer Frau begleitet, nach der zurzeit gesucht wird. Die Polizei betont aber ausdrücklich, dass nicht nach ihr gefahndet werde. Vielleicht war sie lediglich eine zufällige Begleitung, mit der sich der Täter tarnen wollte.

Zunächst ist aus Behördenkreisen zu hören, dass Paddock bei der Polizei kein Unbekannter und schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten sei. Stunden später räumen die Beamten ein, dass es sich um länger zurückliegende und eher unauffällige Einträge im Verkehrsregister handele.

Erinnerungen an den Anschlag in Orlando werden wach

Schnelle Erklärungen finden sich nicht. Schon gar nicht durch den Ort des Geschehens: Das Mandalay Bay Hotel am berühmte Las Vegas Strip ist für viele Amerikaner ein Inbegriff für Unterhaltung und ausgelassene Feiern. Die Anlage entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Eventzentrum, das täglich mehrere Shows bietet. Waren die Besucher in früheren Jahrzehnten zumeist am Glückspiel interessiert, bemüht sich die Stadt heutzutage um Unterhaltungsprogramme für die gesamte Familie. Ein zunehmend harmloses Umfeld, das über Nacht stillsteht und vergeblich nach Antworten sucht.

Mehrere US-Medien erinnerten am Montag an das Massaker auf einen Diskothek in Orlando im Juni 2016, bei dem 49 Menschen getötet wurden. Damals soll sich der Täter auf den Islamischen Staat bezogen haben. Dagegen betonte die Polizei am Montag, dass die Hintergründe der Tat weiterhin völlig offen seien.

Das Verbrechen sorgt weltweit für Entsetzen: Papst Franziskus rief zum Gebet auf und sprach in einem Schreiben an den örtlichen Erzbischof Joseph Anthony Pepe von einer sinnlosen Tragödie. Neben vielen anderen Staatsoberhäuptern sandte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel Kondolenzschreiben an den amerikanischen Präsidenten.

Der Präsident schweigt zu den laxen Waffengesetzen

Donald Trump lässt sich verhältnismäßig viel Zeit, bis er sich am Montagmittag mit einer zurückhaltenden Rede an das amerikanische Volk wendet. Der 71-Jährige hält sich streng an das vorgegebene Redemanuskript, vermeidet voreilige Schlussfolgerungen und fordert seine Landsleute auf, für die Opfer von Las Vegas zu beten. Um mit den Behörden vor Ort direkt zu sprechen, kündigt er für Mittwoch einen Besuch am Unglücksort an.

Auf die ungemein lockeren Waffengesetze im Bundesstaat Nevada kommt Trump nicht zu sprechen. Ein erneutes Aufflammen der Debatte um einen veränderten Umgang mit Schusswaffen dürfte der Chef des Weißen Hauses damit aber nicht verhindern: In dem „Silver State“ ist das offene Tragen von Pistolen erlaubt, und erst im vergangenen Jahr war eine Initiative gescheitert, Käufer von Waffen schärfer zu kontrollieren.

Besaß der Schütze legal vollautomatische Gewehre?

Wie auf unzähligen Videos der Konzertbesucher zu hören ist, setzte der Täter eine oder mehrere vollautomatische Kriegswaffen mit großen Magazinen ein, die in den meisten Bundesstaaten nicht mehr zum Verkauf stehen. Ein Polizeisprecher in Las Vegas deutete am Montag allerdings an, dass der Schütze diese Waffen dennoch legal besessen haben könnte, da ein entsprechendes Verbot in mehreren Bundesstaaten erst in den neunziger Jahren erlassen wurde - und Altbesitzer von der Gesetzesänderung ausdrücklich ausgeschlossen sind.

Antworten auf diese Debatte bot Trump am Montag nicht. Der Präsident sprach von einem teuflischen Akt, und davon, für die Opfer und deren Angehörigen beten zu wollen. Die Möglichkeit, die Kriegswaffen ein für allemal aus dem Verkehr zu ziehen, zieht er nicht in Erwägung.

Von Stefan Koch/RND

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