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Beinahe-Kollision zwischen Drohne und Airbus: Neue Hinweise

Notfälle Beinahe-Kollision zwischen Drohne und Airbus: Neue Hinweise

Schrecksekunde in 1700 Metern Höhe: Beim Landeanflug eines Lufthansa-Airbus auf den Münchner Flughafen hat der Pilot eine Drohne in Flugzeugnähe erspäht. Luftfahrt-Experten schlagen nach dem Zwischenfall Alarm.

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Eine Drohne fliegt in einem Garten, in weiter Entfernung ist ein Flugzeug zu sehen.

Quelle: Julian Stratenschulte

Schwabhausen. Nach der Beinahe-Kollision eines Lufthansa-Airbus mit einer Drohne beim Anflug auf den Münchner Flughafen fordern Luftfahrt-Experten Konsequenzen.

"Man stelle sich vor, die Drohne wäre ins Triebwerk geraten oder ins Cockpit eingeschlagen - da wären im schlimmsten Fall Menschenleben in Gefahr gewesen", sagte Markus Wahl von der Piloten-Gewerkschaft Cockpit der Deutschen Presse-Agentur. Der Pilot des mit mehr als 110 Menschen besetzten Passagierflugzeugs hatte in 1700 Metern Höhe plötzlich das Fluggerät bemerkt.

Der schwere Zwischenfall hatte sich am Donnerstagabend gegen 19.00 Uhr über der Gemeinde Schwabhausen bei Dachau ereignet. Der Airbus A 321 kam nach Angaben eines Lufthansa-Sprechers aus Frankfurt am Main, an Bord waren demnach 108 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder.

Die mit vier Rotoren ausgestattete Drohne sei nur etwa zehn Meter neben der rechten Flügelspitze des Airbus unterwegs gewesen, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Nach Angaben des Piloten habe die Drohne einen Durchmesser von etwa 50 Zentimetern gehabt. Im Falle einer Kollision wäre die Sicherheit der Passagiere erheblich gefährdet gewesen, betonte die Polizei unter Berufung auf die Airbus-Crew. Eine Annäherung an Luftfahrzeuge aller Art sei "nicht nur überaus gefährlich, sondern auch verboten".

Drohnen können nach Expertenmeinung ein Triebwerk im schlimmsten Fall in Brand setzen. "Drohnen sind gefährlicher als Vögel", sagte Axel Raab, der die Pressestelle der Deutschen Flugsicherung leitet. Eine Drohne sei aus Kunststoff und Metall und könne daher unter Umständen einen größeren Schaden im Triebwerk anrichten. "Das Flugzeug kann zwar auch mit einem Triebwerk weiterfliegen, aber es hat nicht umsonst zwei Triebwerke. Das ist auf jeden Fall sicherer."

Auch der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg schätzt die Gefahr für Flugzeuge durch zu hoch fliegende Drohnen als groß ein. "Drohnen gehören nicht in solche Höhen, die Drohnenbesitzer gefährden Menschenleben", sagte er am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Gewisse Teile von Drohnen seien hart genug, um Triebwerke, Cockpit, Tragflächen und andere Teile von Flugzeugen zu beschädigen. Auch könnten herabfallende Teile bei Start und Landung Menschen auf dem Boden verletzen.

Wer für den Flug der Drohne verantwortlich ist, war auch am Sonntag laut Polizei noch unklar. Es gebe aber inzwischen mehrere Hinweise aus der Bevölkerung, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Die Beamten setzen bei ihren Ermittlungen nun vor allem auf mögliche Zeugen, die den Drohnenlenker zur Tatzeit beobachtet haben könnten: "Wir hoffen, dass jemand in dem Bereich etwas bemerkt hat", sagte der Polizeisprecher. Auf den Unbekannten warten Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Auch in Deutschland benutzen immer mehr Menschen die kleinen, ständig billiger werdenden Drohnen. Allerdings muss ein Drohnenpilot sein Fluggerät jederzeit ohne Hilfsmittel sehen können - also ohne Fernglas oder Nachtsichtgerät. Die maximale Flughöhe darf 100 Meter nicht übersteigen. Bemannten Luftfahrzeugen muss ein Drohnenpilot stets ausweichen.

Erst Ende Juni hatte die Deutsche Flugsicherung eine Registrierung von Drohnen angemahnt. Dies sollte in der geplanten Neufassung der Luftverkehrsordnung festgeschrieben werden, sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle. Für die DFS gehe es darum, auch bei einer wachsenden Zahl von Drohnen die Sicherheit im deutschen Luftraum zu gewährleisten.

Scheurle schlug auch vor, eine Chipkarte für Drohnenbesitzer einzuführen. Ähnlich wie bei der SIM-Karte fürs Mobiltelefon müsste jeder Drohnenpilot die Karte in seinem Fluggerät aktivieren, bevor ein Start möglich ist. Dadurch lasse sich etwa bei einem Unfall oder bei Missbrauch nachvollziehen, wer die Drohne gesteuert habe.

Mitte Juni hatte eine Drohne sogar zur Schließung des Flughafens in Dubai geführt. "Unberechtigte Drohnen-Aktivität" sei für 69 Minuten der Grund für die Schließung des Luftraums über dem Drehkreuz für den internationalen Flugverkehr gewesen, teilten Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit.

dpa

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