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Bluttat von San Bernardino heizt Waffendebatte in USA an

Kriminalität Bluttat von San Bernardino heizt Waffendebatte in USA an

Was trieb ein Paar in Kalifornien dazu, in Kampfmontur eine Feier zu stürmen und mindestens 14 Menschen zu töten? Während Ermittler nach Antworten suchen, wird auf politischer Ebene ein alter Streit neu entfacht. Präsident Obama schließt Terrorismus als Motiv nicht aus.

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Auf 100 US-Bürger kommen im Schnitt 89 Waffen.

Quelle: Jim Lo Scalzo/Archiv

San Bernardino. Nach der Bluttat in einer Sozialeinrichtung in Kalifornien mit insgesamt 16 Toten hat sich die Debatte um ein strengeres US-Waffenrecht verschärft.

Präsident Barack Obama, ranghohe Demokraten und Bewerber im Rennen um das Weiße Haus forderten umgehend strengere Gesetze und Kontrollen. Für die Tat kommt nach Worten Obamas sowohl ein terroristischer Hintergrund als auch ein Streit am Arbeitsplatz infrage. Ein Bezug zu Terrorismus sei möglich, aber das wüssten die Ermittler noch nicht, sagte der Präsident am Donnerstag nach einem Treffen mit hochrangigen Sicherheitsvertretern.

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Auf 100 US-Bürger kommen im Schnitt 89 Waffen.

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An der Einrichtung hatte ein Paar 14 Menschen erschossen und 17 verletzt. Der Mann und die Frau wurden von der Polizei getötet. Laut "Washington Post" ist die Attacke in San Bernardino die 355. Schießerei in den USA in diesem Jahr, bei der vier oder mehr Menschen, darunter auch der jeweilige Schütze, mit Waffen getötet oder verletzt wurden.

Maskiert, in Schutzkleidung und schwer bewaffnet hatten der 28-jährige Syed Farook und seine 27 Jahre alte Frau Tashfeen Malik im Inland Regional Center, das die Betreuung von Menschen mit Entwicklungsverzögerungen koordiniert, das Feuer eröffnet. Auslöser war offenbar ein Streit Farooks mit seinen Kollegen der örtlichen Gesundheitsbehörde, die in der Einrichtung einen Raum für eine Feier gemietet hatte. Der Mann und die Frau starben später im Schusswechsel nach einer Verfolgungsjagd mit der Polizei. Einen terroristischen Hintergrund schloss auch das FBI zunächst nicht aus.

Es gebe Hinweise, dass der Bluttat "eine gewisse Planung" vorausgegangen sei, sagte der Polizeichef der östlich von Los Angeles gelegenen Stadt, Jarrod Burguan. Farook und Malik, die Angehörigen zufolge seit zwei Jahren verheiratet waren und eine sechs Monate alte Tochter hatten, seien "vorbereitet" für eine "Mission" gewesen, zitierten US-Medien den Polizeichef. Farook habe die Feier wütend verlassen und sei dann mit der Frau zurückgekehrt - ausgerüstet mit Sturmgewehren und Schutzkleidung.

Die Gesetzgeber im Kongress rief Obama erneut auf, sich zu strengeren Waffengesetzen durchzuringen. Den Todesschützen dürften ihre blutigen Taten nicht so einfach gemacht werden. "So viele Amerikaner haben manchmal das Gefühl, dass wir nichts dagegen unternehmen können." Die Gesellschaft müsse in sich gehen und sicherstellen, dass die nötigen Schritte unternommen werden, damit potenzielle Schützen nicht so leicht an Waffen kommen.

Dianne Feinstein, demokratische Senatorin im Staat Kalifornien, kritisierte den Kongress. Dieser habe eine "lähmende Angst, die Waffenlobby zu verärgern". Nicht einmal zu Sicherheitsüberprüfungen bei Waffenkäufen könnten sich die Politiker durchringen, obwohl die Mehrheit der Amerikaner solch einen Schritt unterstützen würde.

Nirgendwo in der Welt komme es so häufig zu Gewalttaten mit Schusswaffen wie in den USA, sagte Obama gegenüber CBS. Nahezu alle Präsidentschaftsbewerber bezogen Stellung. Die meisten Republikaner wehren sich gegen strengere Waffengesetze.

Der blutigen Attacke folgte eine dramatische Verfolgungsjagd. Während Malik am Steuer eines schwarzen Geländewagens saß, soll Farook nach Darstellung von US-Medien aus dem Auto heraus auf die etwa 20 Polizisten geschossen haben. Im Kugelhagel der Verfolger starben beide.

Farook wurde als US-Bürger mit muslimischen Hintergrund beschrieben, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf Polizeiangaben. Laut "Los Angeles Times" kehrte er von einer Reise nach Saudi-Arabien mit seiner Frau zurück. Die amerikanisch-islamische Organisation CAIR sprach den Opferfamilien auf einer Pressekonferenz ihr Beileid aus und unterstrich, dass der Islam eine friedliebende Religion sei.

Zunächst war von möglicherweise drei Tätern die Rede gewesen. Polizeichef Burguan sagte, es sei eine dritte Person festgenommen worden, deren Rolle aber unklar sei. Es sei davon auszugehen, dass nur das Paar geschossen habe.

In der nahen Ortschaft Redlands untersuchten Polizisten mit Spezialgerät ein Wohnhaus, in dem der 28-jährige Mann gewohnt haben soll. Dort wurde Sprengstoff vermutet. Ein Roboter wurde in das Haus geschickt, um nach möglichem explosiven Material zu suchen.

"Unsere Gemeinde hat heute einen schweren Verlust und schweren Schock erlebt", teilte Bürgermeister Carey Davis mit. Die Attacke habe San Bernardino im Herzen getroffen. Später sprach er von einem "schockierenden Ereignis" und kündigte eine Mahnwache an.

dpa

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