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Ein anderes Leben und Sterben in Brandenburg

Buddhistisches Zentrum in Bad Saarow eröffnet Ein anderes Leben und Sterben in Brandenburg

Am Scharmützelsee bei Bad Saarow (Oder-Spree) steht Deutschlands erstes Zentrum für spirituelle Begleitung. Sukhavati – der Ort des Wohlbefindens – soll Wohnen, Pflege und Spiritualität verbinden. Das Haus will für alle offen sein – unabhängig von Weltanschauung und Glaubensrichtung.

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Der Gelehrte Sogyal Rinpoche bei der Eröffnungszeremonie.

Quelle: dpa

Bad Saarow. Kinder spielen Fange. Touristen halten ihre Gesichter in die Sonne. Freizeitkapitäne machen am Scharmützelseeufer Kähne startklar. Einige Spaziergänger bestaunen einen Neubau mit auffallend langen Fensterfronten. Die Architektur sticht im Bad Saarower Villengebiet gleich ins Auge. Das bundesweit erstes Zentrum für spirituelle Begleitung würden viele in dem zweigeschossigen Ensemble eher nicht vermuten. Am Mittwoch wurde das buddhistische Zentrum „Sukhavati“ (altindisch: Ort des Wohlbefindens) mit einer feierlichen Segnung des Gelehrten Sogyal Rinpoche eröffnet. Es soll Wohnen, Pflege und Spiritualität vereinen. In Bad Saarow kämen so erstmals Lehre und Anwendung des tibetischen Buddhismus an einem Ort zusammen, wie Projektsprecher Detlef Eberhard erklärt. „Unser Haus steht allen offen – unabhängig von Weltanschauung oder Glaubensrichtung“, sagt der Berliner.

„Sukhavati“ (altindisch

„Sukhavati“ (altindisch: Ort des Wohlbefindens)

Quelle: dpa

Das sogenannte Spiritual Care Zentrum basiert auf drei Säulen: einer Pflegeeinrichtung für Schwerkranke und Sterbende, einer Wohngemeinschaft sowie einem Seminarbereich. Zu den öffentlichen Angeboten des Vorhabens der weltweit agierenden Tertön-Sogyal-Stiftung zählen wöchentliches Meditieren sowie Kurse zu den Themen Heilung, Mitgefühl und Begleitung von Kranken. „Dazu gibt es Fortbildungsprogramme für Mitarbeiter im Gesundheits- und Sozialwesen“, so Dorothea Meixner-Hilsbecher, die im Haus den Veranstaltungsbereich verantwortet.

Rein veganes und vegetarisches Bistro eröffnet

Im Gebäude öffnet parallel ein öffentliches Lokal und Café. „Es ist das erste rein vegane und vegetarische Bistro im Kurort überhaupt“, wirbt Chefkoch Konrad Lenkewitz für die neuen kulinarischen Offerten. Auch mit Hilfe seiner ayurvedischen Kochkünste sollen Hemmschwellen fallen, die Einrichtung am Karl-Marx-Damm zu betreten. Nicht nur Liebe, sondern auch Zuneigung ginge schließlich durch den Magen, lächelt Lenkewitz. Versorgt würden in der Küche aber auch eigene Mitarbeiter sowie Gäste und Bewohner des Hauses.

Dorothea Meixner-Hilsbecher führt über das rund 8000 Quadratmeter große Traumgrundstück am Scharmützelsee. Ein Teil des Gebäudes steht auf Säulen, was Flaneuren von der Kurstraße aus den Blick aufs Gewässer ermöglicht. „Diese einladende Geste symbolisiert Toleranz und die spirituellen Prinzipien von Sukhavati“, erklärt Meixner-Hilsbecher, eine aus Bayern stammende Heilpraktikerin. „Bad Saarow kannte ich vorher aber nicht. Das muss ich gestehen“, schmunzelt die Mit-Fünfzigerin. Doch der See vor der Haustür, auch Märkisches Meer genannt, stünde Gewässern ihrer früheren Heimat in Schönheit und Ausstrahlung in nichts nach.

Fachpersonal übernimmt Pflegeservice

Es geht in den Wohnbereich, in dem sie jetzt selbst lebt. Im Niedrigenergiehaus kann man sich zeitweise oder dauerhaft einmieten. Die 23 Appartements haben alle Seeblick und Größen zwischen 30 und 65 Quadratmetern. Die Mietpreise mag Dorothea Meixner-Hilsbecher öffentlich nicht nennen. Bis 19. Juni kann man zu speziellen Einführungspreisen im Haus übernachten. Dann betritt die Wahl-Brandenburgerin einen der Gebetsräume. Im Raum der Stille steht „Amitabha“, der „Buddha des Mitgefühls“ (auch „Buddha der umfassenden Liebe“), auf einem kleinen Podest. Im größeren „Seminarraum 1“ sollen öffentliche Meditationen stattfinden.

Im Gesundheitsbereich leistet therapeutisches Fachpersonal zukünftig ambulante Kranken- und Altenpflege sowie Palliativ-, Beatmungs- und Intensivpflege. Eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten Helios-Klinikum wird vorbereitet. Die eigenständige Sukhavati Pflege gGmbH ist Vertragspartner der Kranken- und Pflegekassen, erläutert Spiritual-Care-Trainer und Hospizhelfer Robert Hofberger.

Sogyal Rinpoche, tibetischer Meditationsmeister und Lehrer der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus

Sogyal Rinpoche, tibetischer Meditationsmeister und Lehrer der Nyingma-Tradition des tibetischen Buddhismus.

Quelle: dpa

Zentrum zum großen Teil von Privatpersonen finanziert

Seine Entstehung verdankt Sukhavati der großzügigen Schenkung eines anonymen Spenders, wie Projekt-Sprecher Detlef Eberhard mitteilt. Die Kosten für Grundstück und Haus betrugen seinen Angaben nach neun Millionen Euro. Die Finanzierung werde zu 67 Prozent durch Privatpersonen und zu 33 Prozent durch Bankkredite abgedeckt. „Die Betriebskosten werden mittelfristig durch Einnahmen aus der Vermietung der Appartements, den Dienstleistungen sowie durch Seminargebühren erwirtschaftet“, so Eberhard.

Bereits im Vorfeld der Bauplanungen gab es in Bad Saarow mehrere öffentliche Bürgerveranstaltungen. Nennenswerte Vorbehalte von Einheimischen gab es nicht, ist aus dem Amt Scharmützelsee zu hören. Bürgermeisterin Anke Hirschmann (parteilos) bezeichnet das buddhistische Zentrum als Bereicherung für das medizinische Netzwerk im Ort. Ellen Rußig, Chefin des regionalen Tourismusverbands Seenland Oder-Spree, sieht in den Offerten interessante neue Angebote für Gäste.

Von Jens Rümmler

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