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„Er ist kein Serientäter, kein Terrorist“

Kindermörder Magnus Gäfgen „Er ist kein Serientäter, kein Terrorist“

Die Autorin Adrienne Lochte hat den Kindermörder Magnus Gäfgen genau beobachtet, sein Umfeld studiert. Darüber hat sie ein Buch geschrieben. Über einen Täter, der keine Gelegenheit auslässt, sich in der Öffentlichkeit darzustellen.

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Adrienne Lochte hat das Buch „Sie werden dich nicht finden: Der Fall Jakob von Metzler“ geschrieben.

Quelle: Foto. Ulla Deppe

Hannover. Im September 2003 entführte der Student Magnus Gäfgen den Sohn der Bankiersfamilie von Metzler, um Lösegeld zu erpressen. Das Kind brachte er um. Die Autorin Adrienne Lochte sprach mit dem Kindermörder für ihr neues Buch „Sie werden dich nicht finden: Der Fall Jakob von Metzler“.

Sie haben über den Fall Jakob von Metzler ein Sachbuch geschrieben. Ist es Ihnen gelungen, herauszufinden, wer Magnus Gäfgen wirklich ist?

Ich habe versucht, mich ihm so weit wie möglich anzunähern. Ich habe in seinem Umfeld recherchiert, mit Menschen gesprochen, die er kannte, und ich habe ihn im Prozess erlebt. Aber ich würde nie behaupten, irgendeinem Menschen bis auf den Grund der Seele schauen zu können.

Magnus Gäfgen hat jetzt den Antrag gestellt, auf Bewährung freizukommen. Denken Sie, der Antrag wird erfolgreich sein?

Das glaube ich nicht. Im Prozess wurde damals die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Das heißt ja gerade, dass er nach 15 Jahren nicht freikommen soll. Als ich davon gehört habe, dass er den Antrag gestellt hat, war ich schockiert. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass die Eltern von Jakob von Metzler dann in einer Welt leben würden, in der auch der Mörder ihres Sohnes frei herumläuft. Das Schlimme ist: Eines Tages wird es so sein.

Die Ermordung des elfjährigen Jakob von Metzler erschien vielen als monströses Verbrechen. Sind Sie einem Monster begegnet?

Nein. Magnus Gäfgen ist ja kein Serientäter oder Terrorist, bei dem man von einer Dauerbedrohung der Gesellschaft ausgehen könnte. Ich habe mich bei der Arbeit an dem Buch natürlich immer wieder gefragt, wie es sein kann, dass jemand, der Jura studiert hat und in der Kirchengemeinde aktiv war, so eine furchtbare Tat begehen konnte.

Magnus Gäfgen ist im Gefängnis immer wieder juristisch tätig geworden. Wegen der Folterandrohung hat er auf Schmerzensgeld und Schadensersatz geklagt. Reiht sich der neue Antrag nur in eine Kette juristischer Maßnahmen ein?

Ja. Ich denke, er lässt keine Gelegenheit aus, sich juristisch herauszuarbeiten. Und auch, sich in die Öffentlichkeit zu bringen – am besten als Opfer.

Von Ronald Meyer-Arlt/RND

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