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Fahrdienstleister verursachte Zugunglück

Bad Aibling Fahrdienstleister verursachte Zugunglück

Das Unglück von Bad Aibling mit elf Toten ist auf Fehler zurückzuführen, die der Fahrdienstleiter gemacht hat. Damit haben die Ermittler nun offiziell die Vorabinformationen der MAZ bestätigt. Gegen den 39-Jährigen wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

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Fahrdienstleiter löste Zugunglück von Bad Aibling aus

Die Unglücksstelle in Bad Aibling.

Quelle: dpa

Bad Aibling. Das schwere Zugunglück am 9. Februar bei Bad Aibling (Bayern) ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Das gaben die Staatsanwaltschaft Braunschweig und die Polizei am Dienstagnachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt. Gegen den Fahrdienstleiter habe die Staatsanwaltschaft schon kurz nach dem Unfall Ermittlungen eingeleitet.

Genau eine Woche nach dem Zugunglück mit elf Toten in Bad Aibling (Bayern), bei dem auch ein Mann aus Brandenburgs ums Leben kam, äußerten sich die Ermittler damit erstmals offiziell zur Unfallursache.

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09. Februar 2016: Bei einem der schlimmsten Zugunglücke der vergangenen Jahre sind am Dienstag in Bad Aibling mindestens 10 Menschen ums Leben gekommen. Auf einer eingleisigen Strecke krachten zwei Züge frontal zusammen. Den Helfern boten sich vor Ort schreckliche Bilder. Viele Verletzte mussten mit einem Hubschrauber geborgen werden.

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Fahrdienstleiter hielt sich nicht an Vorschriften

Der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese sprach von „menschlichem Versagen mit katastrophalen Folgen“. Er sagte, der Fahrdienstleiter habe sich nicht an seine Vorschriften gehalten, darum sei es zu dem schweren Unglück gekommen. Gegen ihn werde zum Verdacht der fahrlässigen Tötung, Körperverletzung und wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

Damit bestätigten Ermittler frühere Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), zu dem auch die MAZ gehört, wonach die Ursache für den Zusammenstoß der beiden Regionalzüge menschliches Versagen war. Dort hieß es bereits, das Unglück war auf eine verhängnisvolle Fehlentscheidung des Fahrdienstleiters im Stellwerk von Bad Aibling zurückzuführen.

Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen wurde ein Sondersignal gegeben, das nicht hätte gegeben werden dürfen.

Dem Fahrdienstleiter „geht’s nicht gut“

Der Fahrdienstleiter (39) habe zunächst von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, sei aber diese Woche mit seinen Anwälten für eine Aussage bei der Polizei erschienen, so Giese. Der Mann habe eine mehrjährige Berufserfahrung. Die Aussage sei „in sich plausibel“. Zum Inhalt der Aussage wollten sich die Ermittler jedoch nicht äußern.

Der Mann wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz: „Ihm geht’s nicht gut.“ Er müsse nicht in Untersuchungshaft. „Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt“, sagte Giese. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche.

Polizisten „am Limit“

Die ermittelnden Beamten seien teils bis 16 Stunden am Tag im Einsatz gewesen, so Polizeipräsident Robert Kopp. Die Ermittlungen seien kompliziert gewesen und hätten die Beamten sehr mitgenommen. „Auch Polizisten sind Menschen und keine Maschinen“, so Kopp. Und weiter: „Die Bilder in den Köpfen meiner Kolleginnen und Kollegen sind nur schwer zu verkraften.“ Es sei Dienst „wirklich am Limit“ gewesen.

Die Kriminalpolizei habe zu dem Unglück mit 17 Mitarbeitern rund 1200 Anrufe entgegengenommen, sagte Kopp. 71 Fahrgäste wurden von den Ermittlern bisher als Zeugen vernommen, darunter auch 19 Schwerverletzte.

Fahrdienstleiter setzte noch Notruf ab

Es muss nach Angaben der Ermittler noch geklärt werden, wer wann noch die Möglichkeit hatte, das Unglück zu verhindern. Der Fahrdienstleiter habe, als er seinen Fehler bemerkt habe, noch einen Notruf abgesetzt, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Branz. „Aber der ging ins Leere.“ „Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen“, so Branz.

Alkohol war nicht im Spiel. „Es gibt keine Hinweise auf Alkohol“, sagte Robert Kopp. Eine Atemalkoholanalyse bei dem Fahrdienstleiter habe ein Ergebnis von 0,0 Promille ergeben.

An der Pressekonferenz der Ermittlungsbehörden nahmen der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese aus Traunstein, Rosenheims Polizeipräsident Robert Kopp und weitere Ermittler teil.

Schwerstes Zugunglück seit Eschede

Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridian waren am Dienstag vor einer Woche morgens bei Bad Aibling frontal auf einer eingleisigen Strecke zusammengestoßen.

Elf Menschen starben, mehr als 80 wurden verletzt. Gemessen an der Zahl der Toten ist das Eisenbahnunglück das schwerste in Deutschland seit der ICE-Katastrophe von Eschede im Jahr 1998. Damals kamen 101 Menschen ums Leben.

Technischer Fehler ausgeschlossen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte am Montag bekräftigt, dass es beim Unglück von Bad Aibling weiterhin keine Hinweise auf technisches Versagen gebe. „Tatsache ist, dass nach den Daten, die wir haben, ein technischer Fehler nicht vorgelegen hat.“

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Von dpa

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