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Fidget Spinner: Was ist dran am Hype?

Spielzeugbranche Fidget Spinner: Was ist dran am Hype?

Nach Pokémon und Co. begeistert im Sommer 2017 der Fidget Spinner junge Schüler. Während sich die Spielzeugbranche über diesen Trend freut, sind in vielen Klassenzimmern die Lehrkräfte genervt. Was ist dran an dem Hype und könnte das Spielzeug vielleicht sogar pädagogisch wertvoll sein?

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Kreiselt, leuchtet und begeistert: Der Fidget Spinner unterhält nicht nur Menschen, die ihre Finger kaum still halten können.
 

Quelle: Foto: dpa

Hannover. Ein kleiner Schubs mit dem Finger genügt. Dann drehen sich die drei Spitzen des Fidget Spinners so schnell im Kreis, dass seine Form vor dem Auge verschwimmt. Die Bewegung wirkt meditativ und zieht bundesweit vor allem junge Schüler in seinen Bann. Aber auch manch Erwachsener lässt das dreieckige Gerät zwischen den Fingern kreiseln.

Inzwischen gibt es das Spielzeug sogar mit bunten LED-Lampen, auch die Zahl der Kugellager variiert je nach Modell. Seine Nutzer versuchen sich an Tricks, lassen den Handkreisel auf einem Finger drehen oder sogar auf der Nase des eigenen Hundes. Und wer darin noch keine Herausforderung gefunden hat, wirft das Spielzeug zwischen den Beinen hindurch in die Luft und versucht es hinterrücks wieder aufzufangen. Im Internet gibt es bereits eine Vielzahl von Videos, in denen die akrobatischen Grenzen im Umgang mit dem Gerät getestet werden.

Schulen diskutieren Verbot

Während sich die Spielzeugbranche über diesen Trend freut, sind in vielen Klassenzimmern die Lehrkräfte genervt. Denn anstatt auf den Unterricht zu achten, schenken die Schüler dem Spielzeug ihre Aufmerksamkeit. Der Deutsche Philologenverband ist vom Fidget Spinner dementsprechend wenig begeistert. Im Unterricht habe das angesagte Spielzeug nichts verloren, sagt der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Ablenkendes Spielgerät sei im Klassenzimmer generell tabu. Lediglich in den Pausen sehe das anders aus – da dürfe im Einzelfall auch mal „gespinnt“ werden, sagt Meidinger. Zudem kreiselten überwiegend Schüler in der Unterstufe, ältere Schüler lasse der Hype demnach eher kalt.

Die Idee des Fidget Spinners kommt von der US-Amerikanerin Catherine A. Hettinger. Sie hat 1997 ein Patent für ein ähnliches Spielzeug angemeldet, das Stress abbauen sollte. 2005 fehlten Hettinger jedoch die rund 400 Dollar, um den Schutz ihrer eingetragenen Idee verlängern zu lassen, sodass diese neu aufgegriffen werden konnte. Zwei amerikanische Schüler entwickelten im vergangenen Jahr den Fidget Spinner in seiner aktuellen Form und lösten so einen weltweiten Trend aus.

Konzentration soll sich verbessern

Die handlichen Geräte haben meistens vier Kugellager – eines in der Mitte und drei drum herum. Dabei ähnelt der Kreisel in seiner Form einem Wurfstern, verfolgt jedoch einen ganz anderen Zweck. Die Entwickler des Fidget Spinners versprechen dem Nutzer Entspannung, aber auch eine verbesserte Konzentration oder Linderung bei Nervosität oder Erkrankungen wie ADHS und Autismus. Bewiesen ist das alles nicht, hört sich aber in der Werbung gut an.

Macht durchaus süchtig

Macht durchaus süchtig: Den Fidget Spinner gibt es in den unterschiedlichsten Ausführunge.

Quelle: Getty

Ob es nun heilsam ist oder einfach nur Spaß macht – die Nachfrage nach dem Spielzeug ist enorm. „Ware, die der Spielwarenfacheinzelhandel erhält, ist in der Regel schnell ausverkauft, auch wenn es sich um mehrere Tausend Handkreisel gehandelt hat“, sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverbands Technik (BVT). Nach ersten Schätzungen des Verbands habe der Einzelhandel in diesem Jahr bereits einen Umsatz von rund einer Million Euro gemacht.

Neue Produkte kommen bald

Um das Geschäft weiter anzufeuern, nimmt der Fidget Spinner inzwischen andere Formen an. Gemeint ist mit dem Fidget Stick zum Beispiel ein Stab, der besonders schwungvolle Bewegungen verspricht. Auch an den Hebeln, Knöpfen und Rollen des Fidget Cubes kann nach Herzenslust herumgefummelt werden. Der Handelsverband rechnet damit, dass sich auch die Weiterentwicklungen des Handkreisels gut verkaufen. Vor allem in der Würfelvariante sieht aber der Philologenverband einen starken Störfaktor im Unterricht, da von ihm ständig Geräusche wie etwa ein Klacken ausgingen. „Dieser ist in vielen Schulen Amerikas generell verboten, auch in den Pausen“, sagt der Verbandsvorsitzende Meidinger. Womöglich hat sich der Hype um den Fidget Spinner auch in Deutschland bald erledigt: Drüben in den USA sei der Fingerkreisel bereits kein Trend mehr, sagt Meidinger.

Von Nils Oehlschläger/RND

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