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Kleinkind in Hamburg gestorben - Verdacht auf Misshandlung

Kriminalität Kleinkind in Hamburg gestorben - Verdacht auf Misshandlung

Der Fall hat Entsetzen in Hamburg ausgelöst: Ein zwölf Monate alter Junge soll so schwer geschüttelt worden sein, dass er an den Folgen starb. Im Verdacht stehen seine Mutter und ihr Lebensgefährte. Das Jugendamt hatte die Familie betreut.

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Eingang des Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg. Hier verstarb ein zwölf Monate alter Junge an den Folgen einer Misshandlung.

Quelle: Axel Heimken/Archiv

Hamburg. Ein zwölf Monate alter Junge aus Hamburg, der schwer misshandelt worden sein soll, ist eine Woche nach seiner Einlieferung in ein Krankenhaus gestorben.

Das Kleinkind namens Tayler aus dem Stadtteil Altona-Nord erlag nach Angaben von Oberstaatsanwalt Carsten Rinio am Samstagabend im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) seinen Verletzungen. Zuvor hatten die Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung und der Sender NDR 90,3 darüber berichtet. "Der Tod des kleinen Tayler erschüttert meine Behörde - und mich persönlich", erklärte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD).

Der Leichnam des Kindes sollte am Sonntagabend im Institut für Rechtsmedizin untersucht werden, sagte Rinio der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ergebnisse würden frühestens für Montag erwartet. Tayler wurde nach Rinios Angaben vermutlich durch Schütteln erheblich verletzt. Ermittelt werde gegen die 22 Jahre alte Mutter des Kindes und ihren 26 Jahre alten Lebensgefährten, der nicht der Vater sei.

Medienberichten zufolge wurde die Familie vom Jugendamt betreut. Nur einen Tag bevor das Kind am 12. Dezember ins UKE gebracht wurde, hatte demnach eine sozialpädagogische Familienhilfe die Familie besucht. Die Fachkraft habe blaue Flecken dokumentiert, dies aber nicht an den Allgemeinen Sozialen Dienst weitergemeldet, hieß es.

"Das ist nach unserem Kenntnisstand so gewesen", sagte am Sonntag ein Sprecher des Bezirksamts Altona. Die Jugendhilfeinspektion sei eingeschaltet worden, um dem nachzugehen. Die Bezirksamtsleitung werde alles dafür tun, um aufzuklären, wie es dazu kommen konnte. "Wir untersuchen den Gesamtkomplex", kommentierte Rinio.

Am Tag der Klinikeinweisung des Jungen seien Taylers Mutter und ihr Lebensgefährte vorläufig festgenommen, dann aber wieder auf freien Fuß gelassen worden, sagte Rinio. "Die Voraussetzungen eines Haftbefehls lagen nicht vor." Der Oberstaatsanwalt bestätigte, dass die 22-Jährige ein weiteres Kind hat, das in Obhut genommen worden ist. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um einen sechs Jahre alten Jungen, der in einem Kinderschutzhaus untergebracht ist.

Leonhard kündigte an, dass die Jugendhilfeinspektion Unterstützung durch den Experten Prof. Christian Schrapper von der Universität Koblenz-Landau bekommen werde. "Wir brauchen Klarheit darüber, welche Maßnahmen der Allgemeine Soziale Dienst zum Kinderschutz ergriffen hat und warum es trotz der Hilfen zum Tod des Jungen kam."

Nach Medienberichten, die der Deutschen Presse-Agentur bestätigt wurden, war Tayler bereits im Sommer wegen eines Schlüsselbeinbruchs im Krankenhaus. Das Jugendamt wurde demnach eingeschaltet und Tayler von seiner Mutter getrennt. Nach wenigen Wochen wurde er aber der 22-Jährigen zurückgegeben, hieß es. Der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ließ sich nach dpa-Informationen damals nicht erhärten.

"Warum müssen Kinder trotz schwerer Verletzungen zu ihren Eltern zurückkehren und so einem hohen Risiko ungeschützt ausgesetzt werden?", will nun die Hamburger CDU-Fraktion wissen. Sie hat daher eine Sondersitzung des Familienausschusses beantragt und eine Kleine Anfrage an den Senat eingereicht. Es müsse geklärt werden, wie es sein könne, "dass in Hamburg immer wieder Kinder durch Misshandlung oder Vernachlässigung zu Tode kommen", sagte der familienpolitische Sprecher Philipp Heißner.

In Hamburg waren in der Vergangenheit immer wieder Fälle von schwerer Kindesmisshandlung bekanntgeworden. Erst Ende November hatte das Landgericht einen 27-Jährigen wegen schwerer Kindesmisshandlung zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts seinen drei Monate alten Sohn so heftig geschüttelt, dass dieser seit der Tat Ende April schwerstbehindert ist.

dpa

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