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Maßlos und leider unerfüllbar

Kolumne "Unterm Strich" vom 28. September Maßlos und leider unerfüllbar

Lars Grote schreibt schon im September seinen Wunschzettel für Weihnachten. Doch weil Erwachsene den Hals nicht voll kriegen, fallen seine Wünsche leider völlig maßlos und im Grunde unerfüllbar aus.

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Die Weihnachtswünsche unseres Kolumnisten fallen in diesem Jahr etwas maßlos aus.

Quelle: dpa

Es wird jetzt kühler, und wer glaubt, da helfe eine Heizung, täuscht sich. Die Heizung wärmt nur äußerlich. Nach innen bringt das nichts, da greift man besser zu den alten Hausrezepten: Wunschzettel für Weihnachten schreiben. Leider gilt das immer noch als ausgemachte Kindersache. Weil Erwachsene den Hals nicht voll kriegen (wer wäre noch mit einem Ponyhof von Barbie glücklich?), fallen meine Wünsche leider maßlos und im Grunde unerfüllbar aus.

1) Wichtig wäre, dass immer Sommerzeit ist. Es geht nicht um die Temperatur, sondern um die eine Stunde, die alle halbe Jahre hin- und hergedreht wird. Wenn es abends später dunkel wird, fühle ich mich um gute 20 PS vitaler. Mal ehrlich, die Dunkelheit am Morgen fällt nicht ins Gewicht – welche fruchtbare Arbeit außer Zähneputzen findet zwischen sechs und neun Uhr statt? Eben.

2) Ich wünsche mir, dass ich mit meiner Freundin wieder ein Glas Wein zusammen trinke. Erst war sie schwanger, jetzt stillt sie. Wir haben seit über einem Jahr keine Flasche miteinander geleert. Nein, Alkohol ist wirklich nicht der Kitt, der uns zusammen hält, aber eine kernige Flasche über den späten Abend, dabei schönen Unsinn zu reden, welche Haarfarbe die kleine Tochter kriegt und wessen Nase, das wäre sehr entspannend. Abenteuerlich! Am nächsten Morgen stillen wir wieder und wickeln, ohne uns zu beschweren.

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3) Gut wäre ein Chauffeur, der mich am Abend von der Arbeit heim fährt. Morgens geht alles tadellos, ich lese Zeitung. Doch nach Feierabend fällt die Klappe, ich will nicht sprechen, bis zum Abendbrot. Und wende mich für eine Stunde von den Menschen ab. Nach dieser Stunde und zwei reich belegten Broten nehme ich es wieder mit der Menschheit auf. Also, es müsste ein Chauffeur sein, der die Klappe halten kann. Er sollte ein schwarzes Auto mit Beinfreiheit fahren, leichtem Dieseltuckern und gutem CD-Player. Diese Autos mag ich. Sitze aus Leder, das wäre fast zu schön.

4) Ich möchte eine undressierte kleine Tochter, die Unsinn macht (Möhrenbrei an mein Hemd schmieren), aber ohne Diskussionen einsieht, dass man die Blätter von Zierbäumen nicht essen kann. Und die nicht an den Schrauben vom Cello dreht, mit denen man stimmt. Mit Katzenmusik ist keinem geholfen, das sollte sie akzeptieren. Beinahe habe ich so eine Tochter jetzt schon, doch eben nur fast. Ich muss das Kleingedruckte nochmal durchgehen mit ihr.

5) Notwendig wäre ein Vorkoster für Bücher und CDs. Er sollte mir präzise die Lektüre und Alben raussuchen, die mir gefallen. Was würde das für Reinfälle ersparen!

Ließen sich diese Wünsche erfüllen? Ich bin auch brav bis Weihnachten. So brav, wie es mir in diesen Zeiten zu Gebote steht.

Von Lars Grote

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