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Millionen Analphabeten ziehen sich aus Alltag zurück

Bildung Millionen Analphabeten ziehen sich aus Alltag zurück

Jeder siebte Erwachsene in Deutschland kann nicht richtig lesen und schreiben. Viele Betroffene ziehen sich deshalb aus dem Alltagsleben zurück. "Neueste Studien haben gezeigt, dass es in Deutschland circa 7,5 Millionen Erwachsene zwischen 16 und 65 Jahren gibt, die so rudimentäre Lese- und Schreibkenntnisse haben, dass sie ihr Leben nicht eigenverantwortlich gestalten können", erklärt Ralf Häder vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung.

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Eine Frau rauft sich vor einer Schultafel mit der Aufschrift «Lesen» die Haare. Foto: Jens Büttner

Nürnberg. g. Von diesem Montag an richtet der Verband in Nürnberg einen Fachkongress zum Thema aus.

"Die Betroffenen stoßen ständig an Grenzen: Bei jedem Einkauf, bei jedem Weg von A nach B. Diese Grenzen führen dazu, dass sie sich oft komplett zurückziehen", sagte Häder der Nachrichtenagentur dpa. Um den Alltag zu meistern, bauten sich viele ein regelrechtes "Schutzsystem" auf oder setzten auf die Hilfe ihrer Partner und Familien.

Häder ergänzte: "Es leben auch nicht alle schlecht damit, viele haben einen Job und eine Familie. Aber es gibt mindestens genau so viele, die darunter leiden und selbst den Ausweg nicht finden." Betroffene gebe es in allen Altersgruppen, unter Männern und Frauen ebenso wie unter Einwanderern und Deutschen.

Hilfsangebote werden unter der kostenlosen, anonymen Hotline 0800 53334455 vermittelt. In spezialisierten Kursen können auch Ältere noch lesen und schreiben lernen. "Schon nach kurzer Zeit hat man andere Menschen vor sich, die wieder aufrecht gehen und an Selbstbewusstsein gewinnen", schilderte Häder seine Erfahrungen.

Ein großes Problem bestehe jedoch darin, dass Analphabetismus erst langsam aus der Tabu-Ecke herauskomme. Betroffene ernteten häufig Unverständnis und bekämen die Schuld für ihr Unvermögen zugeschoben, berichtete Häder. Er würde deshalb nie pauschal allen Betroffenen raten, ihr Umfeld einzuweihen. Umgekehrt empfiehlt Häder, Menschen bei einem entsprechenden Verdacht anzusprechen und Hilfe anzubieten - etwa wenn der Kollege immer gerade dann keine Brille zur Hand hat oder dringend weg muss, wenn es ein Formular auszufüllen gilt.

dpa

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