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Mutmaßlicher Verkäufer der Münchener Amok-Waffe in U-Haft

Kriminalität Mutmaßlicher Verkäufer der Münchener Amok-Waffe in U-Haft

Ermittler hatten ihm im Darknet eine Falle gestellt: Gut drei Wochen nach dem Amoklauf von München wurde gegen den mutmaßlichen Verkäufer der Tatwaffe Haftbefehl erlassen. Mit Waffenhandel soll er seinen Lebensunterhalt finanziert haben.

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Das Zollfahndungsamt Frankfurt präsentiert die sichergestellten Schusswaffen.

Quelle: Arne Dedert

Frankfurt/Main/München. Der mutmaßliche Verkäufer der Amok-Waffe von München sitzt in Untersuchungshaft. Gegen den 31-Jährigen aus Marburg wurde Haftbefehl wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz erlassen.

Der mutmaßliche Waffenhändler war bei einem Scheingeschäft am Dienstag in Marburg von einer Spezialeinheit des Zollkriminalamts überführt worden, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Alexander Badle, mitteilte.

Gegen die gleichaltrige Lebensgefährtin des Beschuldigten werde wegen Beihilfe zum Verstoß gegen das Waffengesetz ermittelt, sagte Badle. Die Frau war am Dienstag ebenfalls festgenommen worden, sei aber wieder auf freiem Fuß. Es habe keine konkreten Anhaltspunkte gegeben, dass sie unmittelbar in das Waffengeschäft eingebunden war.

Bei dem 31-Jährigen stellten die Ermittler noch andere Waffen sicher. Er habe in einer ersten Vernehmung auf eine in einem Waldstück an einer Autobahn bei Köln vergrabene Kiste hingewiesen, sagte Badle. Zunächst war von einer Verkehrsinsel die Rede, diese Angabe korrigierten die Ermittler jedoch später. In der Kiste seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Die Pistole, die der 31-Jährige bei seiner Festnahme auf einem Parkplatz bei sich trug, war illegal. Der arbeitslose Verkäufer habe nach ersten Erkenntnissen seinen Lebensunterhalt mit den illegalen Waffengeschäften finanziert, teilten die Ermittler mit. Zu einem möglichen Strafmaß äußerten sie sich mit Blick auf die laufenden Ermittlungen zu dem Amoklauf in München nicht. Der Amokläufer hat den Angaben zufolge dem Marburger für die Pistole Modell Glock 17 und Munition insgesamt 4350 Euro gezahlt. Die Munition soll er vier Tage vor dem Amoklauf in Marburg gekauft haben.

Der 18-Jährige hatte am 22. Juli neun Menschen und sich selbst getötet. 36 Menschen wurden bei dem Amoklauf an einem Einkaufszentrum verletzt. Inzwischen ist den Angaben zufolge niemand von ihnen mehr im Krankenhaus.

Der Amokschütze hätte nach Angaben der Polizei noch mehr Menschen umbringen können. "Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts am Mittwoch. Der 18-Jährige war den Ermittlungen zufolge am Tatabend unter anderem in ein Wohnhaus gegangen und hatte dort im Treppenhaus mehrere Bewohner getroffen. "Es hätte mehr Opfer geben können", sagte der Sprecher. Der Schütze habe seine Waffe zu dem Zeitpunkt jedoch nicht mehr in der Hand gehabt.

Nach Einschätzung der Ermittler verlagert sich der illegale Handel mit scharfen Waffen zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, im Darknet (englisch für "dunkles Netz") anonym tätig sein zu können, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Günter Wittig. "Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist", sagte er mit Blick auf die Festnahme in Marburg.

Ausgangspunkt für das Ergreifen des mutmaßlichen Waffenlieferanten waren Ermittlungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus dem Regierungsbezirk Arnsberg in Nordrhein-Westfalen und gegen einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen. Beide werden beschuldigt, bei dem dem 31 Jahre alten Marburger Schusswaffen und Munition erworben zu haben.

Das Geschäft zwischen dem mutmaßlichen Waffenhändler und dem 17-Jährigen wurden laut Staatsanwaltschaft über Gitarrenkoffer abgewickelt. Die Freundin des mutmaßlichen Waffenverkäufers habe den Gitarrenkoffer mit den Waffen abgestellt - im Tausch gegen einen leeren Instrumentenkoffer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass der Jugendliche die Waffen, die bei ihm gefunden wurden, habe einsetzen wollen. Er habe in einem normalen sozialen Umfeld gelebt.

dpa

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