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Polizei jagt Bombenbauer - auch Brandenburg im Fokus

Anti-Terror-Einsatz Polizei jagt Bombenbauer - auch Brandenburg im Fokus

Ist Deutschland nur knapp einem schweren Anschlag entkommen? Die Polizei fahndet deutschlandweit nach dem mutmaßlichen Islamisten Jaber Albakr. Es fehlt jede Spur. Dafür tauchen immer mehr Fragen zum Einsatz auf. In Brandenburg wird die Polizeipräsenz hochgefahren.

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Auch am Flughafen Schönefeld sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.
 

Quelle: dpa

Chemnitz/Leipzig/Hannover/Schönefeld.  Die Polizei fahndet mit Hochdruck bundesweit nach Jaber Albakr. Der 22-jährige Mann aus Syrien wird verdächtigt, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant und vorbereitet zu haben. Das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen veröffentlichte ein Foto des Mannes und bat um Hinweise. Doch auch am frühen Sonntagmorgen hat die Polizei noch keine heiße Spur zu Albakr. Über 80 Hinweisen gingen die Beamten nach, heißt es von der Polizei Sachsen. Die Präsenz im Stadtgebiet ist nach wie vor hoch. Auch in Brandenburg ist die Polizei verstärkt unterwegs. Am Flughafen Schönefeld sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.

„Sollte die Person von irgendjemanden gesehen werden: Seien Sie vorsichtig, informieren Sie die Polizei – keine Heldentaten“,  sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt auf Facebook. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Person gefährlich ist.“ Auf  Twitter warnte die Polizei die Menschen: „Seid vorsichtig.“

Terror-Experte Elmar Theveßen warnte im ZDF eindringlich: „Er ist auf der Flucht, er hat nichts mehr zu verlieren, das macht ihn besonders gefährlich.“

Polizei stürmt Wohnung in Chemnitz

Am Sonnabend hatte die Polizei die Wohnung des mutmaßlichen Islamisten in Chemnitz gestürmt. Vom Bundesamt für Verfassungsschutz habe es den Hinweis gegeben, dass der Syrer einen Sprengstoffanschlag vorbereite und „es zu einer ernsthaften Gefährdung kommen könnte“, sagte LKA-Sprecher Bernhardt. Ermittlungen zufolge plante der 22-Jährige einen Anschlag auf einen deutschen Flughafen. Er stand schon länger unter Beobachtung.

Mutmaßlicher Bombenbauer Die Polizei sucht den 22 Jahre alten Jaber Albakr (alternative Schreibweise

Mutmaßlicher Bombenbauer Die Polizei sucht den 22 Jahre alten Jaber Albakr (alternative Schreibweise: Dschaber al-Bakr).

Quelle: Polizei Sachsen

Daher die Frage: Wieso lief der Einsatz schief. Die Polizei weiß weder wo sich der Flüchtige aufhält noch wissen sie, was er bei sich trägt. Medienberichten zufolge entkam er knapp seiner Verhaftung, bei der Erstürmung soll auch ein Warnschuss abgegeben worden sein. Ein LKA-Sprecher erklärte dem Spiegel: „Wir waren dabei, den Zugriff vorzubereiten, als der Verdächtige das Haus verließ.“

In Tegel wurde ein Verdächtiger aus einem Flugzeug geholt

Der Anti-Terror-Einsatz wirkt sich auch auf die Region Berlin/Brandenburg aus. Der Polizei in der Hauptstadt war am Sonntag weiterhin mit zusätzlichen Kräften im Einsatz, wie eine Sprecherin sagte. Die Beamten sind mit dem Fahndungsbild des 22-jährigen Syrers unterwegs. Einsatzkräfte seien „maximal sensibilisiert“, hieß es bereits am Samstag vonseiten der Polizei.

Auf dem Flughafen Tegel holten Bundespolizisten am Sonntag einen Mann aus einer Eurowings-Maschine, der dem Verdächtigen ähnelt. Die Beamten wollten nach einem Hinweis am Morgen „auf Safe gehen“, wie Bundespolizeisprecher sagte. Die Verwechselung bestätigte sich schnell.

Besonders Flughäfen und Bahnhöfe werden nach Angaben der Bundespolizei deutschlandweit stärker bewacht. Am Flughafen Schönefeld sollten die Extra-Maßnahmen zunächst bis Montagmorgen aufrecht erhalten werden, sagte ein Sprecher des Potsdamer Polizeipräsidiums. Dann werde neu darüber entschieden.

Am Terminal werden Sichtkontrollen durchgeführt, Autos und Busse werden angehalten und kontrolliert, ob sich der gesuchte Verdächtige darin befindet. Bislang gab es keine konkreten Hinweise darauf, dass der Mann in Schönefeld sein könnte. Busse fuhren nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe wegen der Sicherheitsvorkehrungen auch am Sonntag nicht mehr bis zum Terminal.

In einer Wohnung wurde Sprengstoff gefunden

In der Wohnung fanden die Einsatzkräfte tatsächlich „Hunderte Gramm hochexplosiven Sprengstoff“. Der mutmaßliche Bombenbauer war allerdings geflüchtet. Die Polizei nahm jedoch drei syrische Bekannte des Mannes fest, zwei von ihnen am Hauptbahnhof. „Das sind Kontaktpersonen unseres Tatverdächtigen“, erklärte LKA-Sprecher Bernhardt. Die mutmaßlichen Komplizen würden vernommen. “Ergebnisse stehen noch aus.“ Das Gepäck der Syrer sei überprüft worden, es habe sich als ungefährlich herausgestellt.

Am Sonntag wurden zwei Männer aber wieder freigelassen. Einzig bei dem dritten Syrer bestehe der Verdacht einer Mittäterschaft, heißt es. Die Haftprüfung läuft, berichtet eine Sprecherin. Vorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Eine Spur führt zur Terrormiliz IS

Weitere Angaben machte die Polizei zunächst nicht. „Hintergrund, Motivation – das wissen wir noch nicht“, sagte Bernhardt. „Wir hoffen, das ergibt sich aus den Vernehmungen.“ Das Magazin „Focus“ berichtete, Anschlagsziel sei ein deutscher Flughafen gewesen.

„Solche Gerüchte kann man nicht dementieren, denn traditionelle Ziele von Sprengstoffanschlägen sind natürlich solche Knackpunkte in unserer Infrastruktur“, sagte Bernhardt. Sicherheitskreise berichteten der Deutschen Presse-Agentur, es gebe eine Spur zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

Sprengstoff war „gefährlicher als TNT“

Der sichergestellte Sprengstoff wurde am Abend vor Ort unschädlich gemacht. Er sei „nicht ohne weiteres transportfähig“ gewesen, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt in einem Statement auf der Facebook-Seite der Polizei Sachsen. „Es war ein hochbrisanter Sprengstoff, weit gefährlicher als das weithin bekannte TNT“. Selbst eine geringe Menge hätte „extremen Schaden“ anrichten können.

Bei dem Sprengstoff soll es sich um den gleichen gehandelt haben, der schon bei den fürchterlichen Anschlägen von Brüssel im März dieses Jahres zum Einsatz gekommen ist. Damals starben 35 Menschen, 300 wurden verletzt. Auch in Paris wurde der TATP genannte Sprengstoff, der von den Terroristen „Mutter des Teufels“ genannt wird, eingesetzt.

Beamte hoben am Abend mehrere Löcher aus, um das explosive Material kontrolliert zu sprengen

Beamte hoben am Abend mehrere Löcher aus, um das explosive Material kontrolliert zu sprengen.

Quelle: Polizei Sachsen

Von den Einsatzkräften wurden im Wohngebiet Löcher ausgehoben. „In diesen Gruben wurde der Sprengstoff entsorgt“, erklärte Bernhardt. „Wenn Sie hier vor Ort waren, haben Sie die Detonation und die Druckwelle mitbekommen.“ Es sei aber niemand verletzt worden.

Die Polizei kam im Morgengrauen

Der Einsatz hatte am frühen Morgen begonnen. Eine Bewohnerin des Viertels berichtete dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), dass sie von der Polizei geweckt worden sei. Sie und ihre Nachbarn seien aufgefordert worden, ihre Wohnungen schnell und leise zu verlassen. Anwohner seien mit Bussen aus dem Gebiet gebracht worden.

Wie das LKA mitteilte, wurden zunächst etwa 80 Personen vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Nachdem der Sprengstoff gefunden wurde, seien weitere sechs Wohnungen evakuiert worden. Die meisten Bewohner kamen bei Freunden und Verwandten unter, einige auch im Hotel.

Von RND/wer/cab

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