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Rechtsmediziner: "Der Leichengeruch ist schon manchmal hässlich"

Kriminalität Rechtsmediziner: "Der Leichengeruch ist schon manchmal hässlich"

Lange ist der Chef der Mainzer Rechtsmedizin, Reinhard Urban, schon im Geschäft. Dennoch sagt er, für seinen Job sei ein stabiles soziales Umfeld nötig. Wenn im Fernsehen Leichen seziert werden, findet er das oft nicht realistisch.

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Reinhard Urban promovierte in München in Chemie und Medizin. In Hannover begann er als Rechtsmediziner und wechselte 1991 an die Unimedizin Mainz. Dort war er von 2001 bis 2013 Wissenschaftlicher Vorstand.

Quelle: Andreas Arnold

Mainz. Der Leiter der Mainzer Rechtsmedizin, Reinhard Urban, hält manche Fernseh-Krimis für unrealistisch. "Viele der Serien sind angelsächsischen Ursprungs, da kommt der Rechtsmediziner von der Polizei und ist nicht von der Polizei unabhängig", sagt Urban (67) im Interview.

 Beim ARD-"Tatort" aus Münster mit Jan Josef Liefers als Professor Boerne ist das aus seiner Sicht anders - bis auf einen Punkt: "Wir frotzeln auch manchmal, aber ein paar Bemerkungen, die Boerne so macht, da wären meine Polizeibeamten schon ziemlich beleidigt."

 Frage: Was halten Sie von den Rechtsmedizinern in Fernsehserien, zum Beispiel von Professor Boerne im ARD-"Tatort"? Sind sie realistisch dargestellt?

 Antwort: Ich hab' das live, aber ich schaue es mir hin und wieder mal an. Viele der Serien sind angelsächsischen Ursprungs, da kommt der Rechtsmediziner von der Polizei und ist nicht von der Polizei unabhängig. Bei Professor Boerne ist das anders. Wir sind auch in engem Kontakt zu den Polizeibeamten, aber wir gehen viel freundlicher miteinander um. Wir frotzeln auch manchmal, aber ein paar Bemerkungen, die Boerne so macht, da wären meine Polizeibeamten schon ziemlich beleidigt. Wir haben ein freundschaftliches, kollegiales Verhältnis. Jeder profitiert vom anderen. Professor Boerne ist mir aber nicht unähnlich, weil er auch Fliege trägt. Das finde ich vernünftig. Wäre es eine Krawatte, wäre das äußerst hinderlich, wenn ich mich vorn überbeuge. Abgesehen davon glaube ich, dass sie mir besser steht. Wenn wir am Fundort der Leiche sind, geben wir eine erste Stellungnahme ab. Wir sagen aber nicht: Um 12.30 Uhr von hinten erschossen. Das ist Unsinn.

Wie gut können Sie nach Ihrem Arbeitstag oder nach einem Einsatz im Bereitschaftsdienst abschalten?

 Antwort: Man braucht ein stabiles soziales Umfeld. Ich erzähle nicht alle Fälle meiner Frau zu Hause, aber wenn ich ihr von einem Fall erzähle, dann holt sie mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Der Leichengeruch ist schon manchmal hässlich. Das macht mir schon was aus, aber ich kann das ausblenden und arbeiten. Ich bin seit 1981 in der Rechtsmedizin. Am 1.4.2017 soll mein Nachfolger in Mainz anfangen.

Sie sind gefragt worden, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) zu werden, der alljährlich den Rosenmontagszug ausrichtet. Geht das: Ein Bayer als Chef der Mainzer Fastnachter?

 Antwort: Klar ist: Dort, wo ich herkomme, gibt’s dieses sehr bodenständige und heimatverbundene Fest nicht in dieser Art. Ich bin schon sehr lange Mitglied der Prinzengarde und fühle mich da sehr wohl und bin schon eine ganze Reihe an Zeit im MCV - erst im Großen Rat, dann im Vorstand. Ich bin halt "Ausländer". Als ich in den Vorstand gewählt wurde, haben sich viele enthalten, weil sie mich nicht kannten. Das empfand ich als die Haupthürde. Ich glaube, dass "Ausländer" zu sein kein Problem mehr ist. Es war jetzt eine schwierige Zeit im Verein. Man muss jetzt versuchen, die Leute wieder zusammenzuführen.

ZUR PERSON

Reinhard Urban promovierte in München in Chemie und Medizin. In Hannover begann er als Rechtsmediziner und wechselte 1991 an die Unimedizin Mainz. Dort war er von 2001 bis 2013 Wissenschaftlicher Vorstand.

Von Oliver von Riegen

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