Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Taifun hinterlässt Tod und Trümmer

Naturkatastrophe auf den Philippinen Taifun hinterlässt Tod und Trümmer

Der Taifun "Haiyan" hat Millionen Menschen auf den Philippinen in Not und Verzweiflung gestürzt. Auch zwei Tage nach seinem Durchzug konnte die Zahl der Toten nur geschätzt werden – Behörden gehen jedoch bereits von mindestens 10.000 Totesopfern aus. Die Überlebenden suchen verzweifelt nach Angehörigen und Nahrung.

Voriger Artikel
Krankheitswelle: MittelrheinBahn weiter in Personalnot
Nächster Artikel
Drei Menschen sterben bei Wohnhausbrand in Koblenz

Plünderer stürmen aus einem Geschäft in Tacloban.

Quelle: Francis R. Malasig

Manila. Nach dem Taifun "Haiyan" mit mehr als 10.000 Toten regiert im Katastrophengebiet der Philippinen das Chaos.  Zerstörte Flughäfen, Häfen und Straßen erschwerten die einsetzende Hilfe.  Weil diese nur schleppend anlief, standen Hunderttausende Menschen auch am Sonntag noch in Trümmerwüsten. Viele Verzweifelte plünderten in der zerstörten Stadt Tacloban Geschäfte.

"Verzweifelt nicht, die Hilfe ist auf dem Weg", beschwor Präsident Benigno Aquino seine Landsleute bei einem Besuch in Tacloban. Tausende Tonnen Hilfsgüter seien auf dem Weg.

Die Lokalbehörden fürchten inzwischen tausende Tote durch den gewaltigsten Taifun, der je Land erreicht hat. Der Polizeichef in Tacloban nannte 10 000 Todesopfer, aber die Regierung wollte das nicht bestätigen. "Die Zahlen sind alarmierend" sagte Aquino. "Unsere Priorität sind aber die Überlebenden."

 


Die Katastrophenbehörde aus Eastern Samar östlich von Tacloban meldete 300 Tote und 2000 Vermisste. Auch auf den Inseln weiter westlich war die Zerstörung verheerend, wie Fotos zeigten. Ganze Ortschaften waren dem Erdboden gleichgemacht, etwa in Concepcion und Sara in der Provinz Iloilo. "Wir haben die Bergung der Leichen angeordnet und werden sie in Massengräbern beisetzen", sagte der Präsident. "Weil sie ein Gesundheitsrisiko darstellen."

Die Katastrophenhelfer stehen vor einer gigantischen Aufgabe: Flughäfen sind zerstört, Hafenanlagen beschädigt, Straßen verschüttet oder mit entwurzelten Bäumen übersät. Kilometerlange Trümmerwüsten machen das Vorankommen fast unmöglich. Abgelegene Ortschaften waren auch am Sonntag noch von der Außenwelt abgeschnitten. Von dort lagen keine Informationen vor. Am Abend ein erster Lichtblick: Ein Funkturm für Handy-Signale wurde in Tacloban repariert und machte erste Kommunikation möglich, wie Einwohner per Twitter berichteten.

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-131108-99-00402_large_4_3.jpg

Der Taifun "Haiyan" hat Millionen Menschen auf den Philippinen in Not und Verzweiflung gestürzt. Die Zahl der Toten wird bereits auf mehr als 10.000 geschätzt.

Zur Bildergalerie

In Tacloban mit 220 000 Einwohnern hatte der Taifun am Freitag eine meterhohe Sturmflut verursacht, die riesige Frachtschiffe hunderte Meter weit ins Land spülte. Das Hochwasser riss alles mit: Hütten, Container, Ölkanister, Autos, Dächer, Häuserwände. Nachdem das Wasser abgelaufen ist, zeigt sich ein Bild des Grauens: inmitten der trostlosen Geröllhaufen weht ein rosafarbener Sonnenhut im Wind, ein orangefarbenes Sofakissen liegt zwischen Holzlatten. Überall sind Plastikteller verstreut, und jede Menge Gummilatschen.

Dazwischen laufen Menschen herum, teils barfuß, die nach Verwertbarem suchen: Konservendosen, Trinkwasserflaschen oder Holzleisten und Planen, um sich für die Nacht ein Dach über dem Kopf zu bauen. Entlang der Straßen liegen Leichen, mit Planen oder Betttüchern abgedeckt. Familien mit Kleinkindern kauern unter Zeltplanen, die sie notdürftig als Dach aufgespannt haben. Tausende Menschen suchen verzweifelt nach Familienmitgliedern.

Wirbelstürme, Regionen und Saisons

Tropische Wirbelstürme haben je nach Region unterschiedliche Namen: Hurrikan im westlichen Atlantik und im östlichen Pazifik, Zyklon im Indischen Ozean und Taifun im westlichen Pazifik. Taifune gibt es in der Regel von Mai bis November. Die Zyklon-Saison an der Ostküste Afrikas, im Südpazifik und Australien dauert von November bis April. Im Golf von Bengalen und dem Arabischen Meer dauert sie von April bis Juni und September bis November. Die Hurrikan-Saison beginnt im Pazifik Mitte Mai und im Atlantik Anfang Juni. Sie geht jeweils bis Ende November.  

Rund 20 Kilometer südlich der Stadt wird ein Lasterwagenkonvoi mit Versorgungsgütern gestoppt und geplündert, berichtete Rotkreuz-Chef Richard Gordon im Fernsehen. Die Notpakete hätten 5000 Familien versorgen sollen. "Da sind Gangster am Werk", sagte Gordon im Fernsehen. "Die Polizei muss sie festnehmen." Ein Ladenbesitzer steht mit gezückter Pistole vor seinem Laden, um Plünderer abzuschrecken. "Es ist chaotisch in Tacloban", sagte Roger Marcado, Gouverneur der Nachbarprovinz Southern Leyte, im Fernsehen.

Präsident Benigno Aquino machte sich in der Region ein Bild von der Verwüstung und den Hilfsmaßnahmen. Er zeigte sich verärgert, dass die Katastrophenschutzbehörden trotz Wetterwarnungen nicht mehr Menschen besser geschützt haben, wie ein lokaler Radiosender berichtete. Die Katastrophenhilfe lief zwar an, aber zerstörte Flughäfen, beschädigte Häfen und kaputte oder verschüttete Straßen machten die Verteilung der Hilfsgüter zu einem logistischen Alptraum. Hunderttausende Menschen warteten dringend auf Hilfe.

Nach Angaben der Regierung brauchen 4,3 Millionen Menschen Hilfe. 800 000 waren geflüchtet, viele von ihnen dürften ihr Hab und Gut verloren haben. 330 000 harrten in Notunterkünften aus. Die Regierung bekam Hilfsangebote aus aller Welt. Aus Duisburg schickte unter anderem die Organisation I.S.A.R. Germany (International Search and Rescue) 24 Ärzte, Pfleger und Rettungsassistenten. Auch ein Vorausteam des Technischen Hilfswerkes (THW) war unterwegs.

Auf dem Weg nach Vietnam schwächte der Taifun sich am Sonntag deutlich ab. Er drehte zudem Richtung Norden. Er sollte nun am Montag die Küste erreichen, allerdings nur noch als tropischer Sturm. Hunderttausende Menschen, die bereits in Sicherheit gebracht worden waren, durften in ihre Häuser zurückkehren.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Rund 147.900 Euro bei MAZ-Sammelaktion für Taifun-Opfer

Die Märkische Allgemeine ruft alle Brandenburger auf, den Opfern der verheerenden Katastrophe auf den Philippinen zu helfen. Die Schirmherrschaft für die Aktion übernahm Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe. Bisher gingen bei der Spendenaktion, die die MAZ und das Deutsche Rote Kreuz nach dem Taifun ins Leben gerufen haben, bereits 147.900 Euro ein.

mehr
Mehr aus Buntes

Soll der Hundeleinenzwang ausgeweitet werden?

e652a6a8-85a9-11e7-8a9d-ecf16cf845db
Der Ascot-Renntag auf der Neuen Bult

Very british! Mehr als 10000 Besucher kommen trotz besten englischen Wetters nach Langenhagen und erleben Promis, elegante Kleider und spektakuläre Hüte.