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Überlebende des Infernos berichtet von der Tragödie

Busunglück auf der A 9 Überlebende des Infernos berichtet von der Tragödie

Der Platz in der zweiten Reihe rettete ihr das Leben: Einem Zufall hat es eine 66-Jährige aus Sachsen zu verdanken, dass sie das tragischen Busunglück auf der A 9 überlebt hat. 18 Mitreisende konnten dem Inferno nicht entkommen. Deshalb stellt sich die Überlebende vor allem eine Frage immer wieder: „Warum gab es im Bus keine Sicherheitseinweisung?“

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Todesfalle Reisebus: 18 Menschen kamen bei dem Busunglück in Münchberg ums Leben.

Quelle: dpa

Dresden. Es ist dieser enorme Krach, der Gabriele Schneider (Name geändert) noch immer in den Ohren dröhnt. Die 66-Jährige saß am Montag in dem Reisebus, der auf der Autobahn 9 bei Münchberg in Oberfranken verunglückte und in dem 18 Menschen starben. Die Sächsin hat das Inferno bei überlebt.

Gabriele Schneider wollte eigentlich mit ihrer Freundin vier entspannte Tage am Gardasee verbringen. Zum Busstopp kamen sie auf den letzten Drücker. „Als wir zustiegen, waren nur noch die Plätze in der erste Reihe frei“, berichtet die Rentnerin. Der Bus war um 0.30 Uhr in Weißwasser gestartet und sammelte dann auf seiner Route weitere Reisende ein. Vor ihr saß der zweite Busfahrer. Er hatte in Dresden um 4.30 Uhr seinen Kollegen hinters Lenkrad gelassen. Was die Frau noch nicht ahnt: Der Platz auf der rechten Seite, direkt hinter der Tür, hat ihr wohl das Leben gerettet.

Schneider war nicht angeschnallt

Schneider nickte zur frühen Stunde immer wieder ein. Irgendwann löste sie auch ihren Sicherheitsgurt. Noch eine halbe Stunde sollte die Reisegesellschaft bis zur ersten Rast fahren, da war es 7 Uhr. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen.

„Ich wurde durch den Riesenkrach geweckt“, sagt die 66-Jährige, die immer wieder mit den Tränen kämpft. Es ging alles so schnell. Die Rentnerin erinnert sich: „Die Frontscheibe zerbarst, und ich machte einen Satz auf die Haltestange vor mir.“ Neben dem Fahrersitz sieht sie einen Feuerball aufsteigen. Gabriele Schneider hat nur einen Gedanken: „Wie komme ich hier raus?“

Der Fahrer war sofort tot

Ihr erster Blick geht in Richtung Fahrer. „Er saß wie versteinert auf seinem Sitz und hatte einen feinen Blutstreifen im Gesicht“, sagt sie. Bei dem Anblick war ihr klar, der Mann kann nicht mehr helfen. Der 55-Jährige gehört zu den 18 Todesopfern des Unfalls.

Der zweite Busfahrer öffnet schließlich die vordere Tür. Zuerst stolpert Gabriele Schneiders Begleiterin aus dem Fahrzeug und stürzt auf die Straße. Dann rennt auch die 66-Jährige panisch aus dem nun schon brennenden Bus. Der Fahrer schreit draußen immer wieder: „Rennt alle weg“. Doch wohin sollen sie laufen? „Direkt vor uns war ein Hang mit vielen Büschen und oben einem Zaun. Da konnten wir nicht hoch“, sagt die Frau. Instinktiv rennt sie nach hinten, die Autobahn hinunter.

Der überlebende Busfahrer hilft bis zum Schluss

Im Bus selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon nichts mehr zu erkennen. „Alles war schwarz und voller Ruß“, sagt Schneider. Der zweite Busfahrer gibt trotzdem nicht auf. Ihm gelingt es, die hintere Tür von außen zu öffnen und weitere Menschen zu retten. „Ich habe dann nur noch drei ohrenbetäubende Explosionen gehört und eine riesige schwarze Rauchsäule gesehen“, sagt die 66-Jährige.

Die Feuerwehr war zwar schnell vor Ort, aber „da konnte keiner mehr etwas machen, es war eine einzige Feuersbrunst“, sagt Schneider. Immer wieder fragt sie sich: „Wie viele sitzen noch im Bus“? Am Ende können sich 30 der 48 Insassen retten.

Helfer kümmerten sich um die Überlebenden

Kurz darauf kümmern sich die Helfer aus Oberfranken um die Passagiere. „Alle waren für uns da. Sie waren so nett und freundlich“, erinnert sich die Frau. Später im Krankenhaus werden sie von einem Großaufgebot empfangen. Dort versorgen Ärzte die Prellungen und Schürfwunden von Gabriele Schneider. Am Tag darauf darf sie wieder nach Hause.

In der heimischen Wohnung schaut Schneider sich nach ihrer Rückkehr immer wieder die Berichte im Fernsehen an. Eine Frage beschäftigt sie nach wie vor: Warum gibt es vor Busreisen keine Sicherheitseinweisung wie in Flugzeugen oder auf Kreuzfahrtschiffen? Wie eine Tür von innen geöffnet und eine Seitenscheibe entfernt werde, habe niemand gewusst.

Von RND/Matthias Roth

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