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Unwetter hinterlassen Schneisen der Verwüstung

Wetter Unwetter hinterlassen Schneisen der Verwüstung

Gewitterstürme haben die Hitze in Deutschland jäh beendet und Millionenschäden angerichtet. Besonders schlimm traf es den 1600-Einwohner-Ort Framersheim in Rheinland-Pfalz.

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Durch Framersheim in Rheinland-Pfalz zog eine Windhose. Innerhalb von Sekunden wurden mehrere Häuser schwer beschädigt.

Quelle: Boris Roessler

Offenbach. Womöglich ein Tornado zog dort am Dienstagabend eine Schneise der Verwüstung.

"Es sah aus wie nach einem Bombenangriff", schilderte eine Anwohnerin am Mittwoch die Minuten nach dem Unwetter. Der Gewittersturm beschädigte bis zu 100 Häuser, einige Gebäude wurden fast völlig zerstört. Bei dem Sturm selbst wurden in Framersheim keine Menschen verletzt, einige erlitten dann aber bei den Aufräumarbeiten leichte Blessuren.

Nachdem bereits am Sonntag in Deutschland Bäume umstürzten und Keller vollliefen, brachten die schweren Gewitter nun zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage Abkühlung. Neben Framersheim wurden auch in anderen Regionen Tornados als Ursache für heftige Schäden vermutet, etwa in Sachsen-Anhalt. Die Meteorologen konnten das aber nicht abschließend bestätigen.

Im Seegebiet Mansfelder Land knickten drei Hochspannungsmasten um. 1800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Nach Polizei-Angaben zerstörten faustgroße Hagelkörner Dächer, Straßen wurden überflutet. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) handelte es sich bei dem Unwetter in Sachsen-Anhalt um eine sogenannte Superzelle. Das sei eines der "räumlich und zeitlich größten und gefährlichsten Gewittergebilde".

Auch in vielen Teilen Bayerns fiel in der Nacht zum Mittwoch zeitweise der Strom aus - mindestens 60 000 Haushalte waren betroffen. Störungen im Bahn- und Straßenverkehr gab es etwa in Baden-Württemberg. An der vielbefahrenen A5 bei Heidelberg stürzten Bäume um, von denen einige weit in die Fahrbahn hineinragten. Die Autobahn wurde mehrfach kurzzeitig gesperrt. Die Polizei berichtete von drei Verletzten bei dem Unwetter in Baden-Württemberg.

Im niedersächsischen Ferienort Bad Sachsa im Südharz wirbelte ein Sturm auf einer 500 Meter breiten Schneise. "Das war unglaublich, welche Kräfte da gewirkt haben", sagte Augenzeuge Detlef Schulz, der auf einem Spaziergang von der Unwetterfront überrascht wurde. Neben ihm stürzten Bäume um, Dachteile wirbelten durch die Luft. Menschen wurden nicht verletzt. Die Feuerwehr schätzt den Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

In Hessisch-Lichtenau richtete ein Blitzeinschlag der Polizei zufolge in einem Wohnhaus 150 000 Euro Schaden an. Ebenso hoch war der Schaden im niedersächsischen Harsum, wo ein Feuer den Dachstuhl eines Hauses zerstörte. Verletzt wurde niemand: Die Familie war im Urlaub.

Wie durch ein Wunder blieben auch die Anwohner in Framersheim bei dem schweren Sturm unverletzt. "Da hat Glück mitgespielt", sagte Ortsbürgermeister Ulrich Armbrüster. Offenbar seien die Menschen zur fraglichen Zeit alle im Haus gewesen. Der Sturm zog Augenzeugen zufolge sehr schnell auf. "Da waren wir plötzlich eingehüllt wie in einer Nebelwand", berichtete Armbrüster. Wie hoch die Schäden in Framersheim insgesamt sind, soll ihm zufolge erst in ein paar Tagen klar sein. Erste Schätzungen liegen zwischen fünf und zehn Millionen Euro. Die rheinland-pfälzische Landesregierung sicherte ihre Unterstützung zu.

Ob ein Tornado oder eine extreme Fallböe in dem Ort gewütet hat, stand am Tag danach nicht fest. "Es kann beides gewesen sein", sagte DWD-Tornadoexperte Andreas Friedrich der Deutschen Presse-Agentur. Vorerst wurde der Sturm in Framersheim als Verdachtsfall geführt.

Das Unwetter hinterließ noch in einem weiteren Ort in Rheinland-Pfalz seine Spuren: Im etwa 60 Kilometer von Framersheim entfernten Waldsee gebe es an möglicherweise 100 Hausdächern Schäden unterschiedlichen Ausmaßes, sagte Verbandsgemeinde-Bürgermeister Otto Reiland (CDU). Der Sturm riss nach seinen Angaben Ziegel von den Dächern; einige seien auf Autos gefallen. Hagel habe Jalousien zerstört.

Auch in Tschechien und Polen wüteten Unwetter. Ein Mann kam ums Leben, als in Polen ein Baum auf sein Auto stürzte, teilte der Rettungsdienst am Mittwoch mit. Auch am Tag hielten die Gewitterstürme in weiten Teilen Polens an. Die Feuerwehr musste fast 1000 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume zu entfernen und vollgelaufene Keller auszupumpen. Auch Stromleitungen wurden unterbrochen. Am Nachmittag waren rund 100 000 Haushalte in Schlesien ohne Strom.

Mehrere teils überschwemmte Straßenabschnitte vor allem in der Region Schlesien waren blockiert. Auch der Bahnverkehr war dort schwer beeinträchtigt. Bis zum Nachmittag mussten nach Angaben eines Bahnsprechers 100 Zugverbindungen gestrichen werden, 80 weitere Züge erreichten ihr Ziel nur mit teilweise erheblichen Verspätungen.

Am Mittwoch warnte der DWD nur noch vor vereinzelten Gewittern. Ansonsten beruhigte sich das Wetter in Deutschland. An diesem Donnerstag sollen sich im Südwesten vermehrt heitere Abschnitte durchsetzen - laut Vorhersage bleibt es dort trocken. "Die Tageshöchsttemperaturen erreichen in der Nordhälfte 16 bis 19 Grad, Richtung Süden 20 bis 25 Grad", hieß es von den Meteorologen.

dpa

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