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Warum wieder über Eltern gelästert wird

Sarah Kuttner und die Pipi-Debatte Warum wieder über Eltern gelästert wird

Über Eltern und ihre Kinder mit den komischen Namen zu lästern hat Konjunktur. Zuletzt hat die Autorin Sarah Kuttner mit einem Tweet dazu beigetragen. Es ging ihr um pinkelnde Kinder im öffentlichen Raum. Es zeigt, dass Familien und insbesondere Müttern immer häufiger Unverständnis entgegenschlägt. Das liegt vor allem an einer Entwicklung.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. „Kackdreiste Mütter“ und „Bälger“ – zimperlich geht es nicht gerade zu, wenn Kinderlose im Internet gegen Eltern und deren Nachwuchs wettern. Anlass für diese jüngst verfassten Tiraden war ein Facebook-Post der Autorin Sarah Kuttner (37) über Kinder-Pipi. Sie schrieb: „Mütter, die mitten im Kiez, nahezu eingekesselt von Cafés und somit Klos, ihre Kinder zum Pullern an Bäume halten: nö!“ – und trat damit eine Lawine von teils hasserfüllten Kommentaren los.

Sarah Kuttner

Sarah Kuttner...

Quelle: dpa-Zentralbild

Von Kinderurin an Bäumen kann man natürlich halten, was man will. Fest steht aber: Das Lästern über Eltern hat Konjunktur. Genüsslich wird sich über Nachwuchs namens Karl-Emil, Iphigenie oder den kleinen „Fritz-Dinkeldoof“ mokiert. Bücher über antiautoritäre oder überbesorgte Eltern verkaufen sich bestens. Ein Cafébetreiber, der in seinem Laden im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg Kinderwagen mit einem Betonpoller aussperrt, bekommt Zuspruch.

Mütter sind bei Geburt ihres Kindes im Schnitt 29,5 Jahre alt

Aber woher kommt diese Lust am Eltern-Bashing und die Überzeugung, Erziehung besser zu können? Laut den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts sind Mütter in Deutschland bei der Geburt ihres ersten Kinds im Schnitt 29,5 Jahre alt. Seit Anfang der Achtzigerjahre hat sich damit der Eintritt in das Leben mit Kind um mehr als vier Jahre nach hinten verschoben, im Vergleich zu Frauen in der ehemaligen DDR sogar um mehr als sieben. Jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 hat heute kein Kind.

Doch ist das fehlende Verständnis für Eltern der einzige Grund für die verhärteten Fronten? Die Autorin Anja Maier hat noch eine andere Antwort. In ihrem Buch „Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ ließ sie sich vor einiger Zeit über „Macchiato-Eltern“ aus, die mit ihren Kindern die deutschen Innenstädte eroberten und dort Kinderlosen das Leben schwer machten.

Heute ist Maier erschrocken über die Feindseligkeit in der Debatte. Die Eltern seien aber nicht schuldlos. Sie schürten teils Aggressionen – zum Beispiel mit veränderten „Erziehungskoordinaten“. „Jede Familie ist heute eine kleine Debattengruppe“, sagt Maier. „Muss man wirklich alles diskutieren? Muss alles öffentlich stattfinden?“ Pinkelnde Kinder gehören für viele Menschen offenbar nicht dazu.

Von Violetta Kuhn

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