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Was wir über die Silvesternacht in Köln wissen

Mehr als 100 Anzeigen Was wir über die Silvesternacht in Köln wissen

Vor einer Woche haben sich vor dem Hauptbahnhof in Köln in der Silvesternacht unfassbare Szenen abgespielt. Dutzende Frauen wurden von Männern sexuell belästigt. Der Polizei liegen dazu bereits über 100 Anzeigen vor. Politik und Polizei sind entsetzt. Aber die Ermittlungen sind schwierig. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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Quelle: dpa

Köln. Fast eine Woche nach den massiven Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg wird das ganze Ausmaß der dramatischen Silvesternacht bekannt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Opfer gab es in der Silvesternacht in Köln?

Mehr als 100 Strafanzeigen sind bei der Kölner Polizei eingegangen – „und es werden sicher mehr werden“, sagte am Mittwoch eine Sprecherin. Drei Viertel der Anzeigen beruhen auf sexueller Belästigung.

Was ist über die Täter bekannt?

Wenig. Die Polizei hat vier Tatverdächtige ermittelt – zwei von ihnen sitzen offenbar seit Sonntag in Untersuchungshaft. Details zu ihrer Identität gab das nordrhein-westfälische Innenministerium nicht bekannt. Man prüfe in alle Richtungen, heißt es vage bei der Polizei. Unklar sei bisher, ob die Männer womöglich aus Frankreich nach Köln gekommen waren – Zeugen schilderten, dass die Männer auf dem Domplatz arabisch und französisch sprachen. Aber auch Verbindungen zu einer rund 2250 Verdächtige umfassenden Räuberbande aus Düsseldorf würden geprüft. Die zum Großteil aus Marokko stammenden Mitglieder dieser Gruppe fallen immer wieder durch koordinierte Diebstähle in der Öffentlichkeit auf; die Düsseldorfer Polizei hat im vergangenen Jahr unter dem Aktentitel „Casablanca“ die Taten ausgewertet. Wie ein Sprecher der Behörde auf Anfrage mitteilte, stehen die Ermittler noch am Anfang ihrer Recherchen. Über Bezüge der Gruppe in andere Städte sei bisher nichts bekannt.

Kölner Oberbürgermeisterin wehrt sich gegen Kritik

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich gegen die Kritik an ihren Verhaltenstipps für Frauen nach den Übergriffen von Köln verteidigt. „Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken“, erklärte sie am Mittwoch.

Davon könne keine Rede sein. Vielmehr habe sie versucht, auf vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen. Vorrang habe natürlich, die Sicherheit auf Straßen und Plätzen herzustellen. Reker hatte bei einer Pressekonferenz auf die Frage, wie sich Frauen schützen können, unter anderem gesagt, es gebe „immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“.

Warum sind die Ermittlungen in Köln so schwierig?

Immer wieder ist von Männern „mit nordafrikanischem Aussehen“ die Rede, doch trotz der Anzeigen und Zeugenschilderungen fällt es der Kölner Polizei schwer, sich ein Bild von den Tatverdächtigen zu machen. „Zwar decken sich die Beschreibungen, aber es ist sehr schwer, auf dieser Grundlage die Täter zu ermitteln“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Täterbeschreibungen sind offenbar nicht präzise genug: „Im Moment der Panik ist die Wahrnehmung der Opfer getrübt, da merkt man sich nicht viele Details.“ Erschwerend komme hinzu, dass zwei Drittel der Frauen außerhalb Kölns wohnen, eine persönliche Vernehmung daher nur mit einigem Aufwand möglich sei.

Gibt es Verbindungen zu den Übergriffen in Hamburg?

Auch in der Hansestadt gab es Silvester sexuelle Übergriffe auf Frauen – dort wurden mehr als 50 Anzeigen erstattet. Auf der Reeperbahn wurden junge Frauen laut Polizei von Männern umringt und bedrängt. Die Ermittler haben bisher keine Anhaltspunkte für Verbindungen der Täter in beiden Städten. Im Gespräch ist nun eine Videoüberwachung im Kiez.

Welchen Aufenthaltsstatus haben Menschen aus Nordafrika?

Bislang ist ungeklärt, ob es sich bei den Kölner Tätern, wie vielfach behauptet, um Nordafrikaner handelt, etwa um Marokkaner, Tunesier oder Algerier. Zudem gibt es laut Polizei und Kölner Stadtverwaltung keine Hinweise darauf, dass die übergriffigen Männer Flüchtlinge sind. Menschen aus Nordafrika leben inzwischen in zweiter und dritter Generation legal in Deutschland. Die Bundesrepublik schloss in den Sechzigerjahren Anwerbeabkommen mit Marokko und Tunesien, die DDR mit Algerien ab. Zurzeit nimmt die Zahl der Flüchtlinge aus Marokko und Algerien deutlich zu, ihre Chance auf Asyl ist jedoch gering.

Von Marina Kormbaki

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