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Weil Worte mehr zählen als Geschenke

Es ist Muttertag Weil Worte mehr zählen als Geschenke

Heute ist Muttertag. Es ist Zeit für Dankbarkeit, für Liebe und Aufrichtigkeit. Blumengeschäfte nehmen Millionen an diesem Tag ein, Pralinen sind hoch im Kurs und viel Kitschiges ist im Umlauf. Doch können sie wirklich ein Gefühl transportieren, einen Menschen ehren? Oder sind es vielmehr Worte und Augenblicke, die zählen?

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Manchmal zählt nur ein Augenblick.

Quelle: dpa

Brandenburg. Eigentlich sollte es etwas ganz Besonderes sein. Irgendwas Bleibendes. Irgendwas Individuelles. Doch was am Ende bleibt ist irgendwas. Unzählige Prospekte mit Angeboten. Blumenläden, die länger und sogar sonntags öffnen. Das Café um die Ecke, das plötzlich mit Kleinigkeiten aufwartet. Es ist Muttertag.

Ich hab mir  schon lange durch den Kopf gehen lassen, was besonders ist. Was überdauert. Was ausdrückt: Mama, ich hab dich lieb. Und immer wieder hab ich es weggeschoben. Noch zwei Wochen. Noch eine Woche. Noch ein Tag. Heute.

Doch ich habe weder eine Blume, noch Hunderte. Ich habe auch keine Pralinen oder eine kitschige Fotokugel, die mitten im Frühjahr Herzen schneit. Kurz kam mir der Gedanke etwas zu basteln. Unzählige Anleitungen gibt es dafür im Netz, die Google-Liste ist lang. Teelichter, Schmuckdosen, Karten. Langweilig. Und das Gefühl, dass der Wille zählt, täuscht darüber nicht hinweg.

Ein Ritus der Vergangenheit

Ich habe mal gelesen, der Ritus vom Ehren der Mutter geht auf die Antike zurück. Ein Kult um die Mutter im alten Griechenland, in dem die Menschen Thea und Hera verehrten. Ein Kult um die Mutter im alten Rom, in der Kabele und Juno als Beschützerinnen der Familie wirkten. Es sind Götter. Und tatsächlich ist die Mutter heute etwas Gottähnliches. Wer, wenn nicht sie, ist auch ein Schöpfer? Irgendwie.

Dann gibt es da noch Ann Marie Reeves Jarvis. Sie ist die Tochter der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Julia W. Howe. Die forderte 1872 einen offiziellen Feiertag für amerikanische Mütter. Mehr als 40 Jahre später, am 8. Mai 1914, hat sie ihn bekommen. Jarvis hatte die Idee wieder aufgegriffen und am zweiten Todestag ihrer bedeutenden Mutter, an einem zweiten Sonntag im Mai, 500 weiße Nelken vor einer Kirche in Philadelphia an andere Mütter vergeben. Zum Ausdruck ihrer Liebe. Zum Ausdruck der Anerkennung für mütterliche Liebe. Ein symbolischer Akt.

Nur ein lukratives Geschäft

Heute ist der Muttertag ein umsatzreicher Anlass. Er ist sogar wichtiger als der Valentinstag. Lukrativ. Laut Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle erzielen Blumenhändler allein mit Schnittblumen an diesem Wochenende jedes Jahr bis zu 130 Millionen. Nur ein symbolischer Ausdruck für die Liebe. Ein teurer.

Nicht verwunderlich also, dass Blumenhändler kurz nach dem ersten Weltkrieg in Deutschland das große Geschäft witterten. Rolf Knauer etablierte den Feiertag. Jeden zweiten Sonntag im Mai. Ganz nach amerikanischem Vorbild. Knaller war Florist. Geschäftstüchtig, seinerzeit sogar Vorsitzender des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber. Er sollte Recht behalten, die Mutter zieht. Das Geld sitzt locker. Jedenfalls lockerer als sonst.

Eigentlich möchte man meinen, es sei eine gute Sache. Schließlich muss auch mal gezeigt werden, wie viel Wert die Frau besitzt, die das Leben schenkte. Die sich mühevoll sorgte. Jahrelang. Doch Materielles kann kaum ein Gefühl transportieren. Materielles kann kaum das jahrzehntelange Wirken einer Mutter ehren. Ein Tag, der völlig sinnentleert scheint.

Was zählt ist jeder Augenblick

Noch zwei Wochen. Noch eine Woche. Noch ein Tag. Heute. Ich komme mit leeren Händen, doch mit aufrichtiger Liebe. Mit Dankbarkeit. Ich erinnere mich an viele Kleinigkeiten, an denen mich meine Mutter aufgeheitert hat. An Situationen, in denen sie mich vor Fehlern bewahrte. Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem ich meine erste Beziehung beendete. Meine Mutter war da - als Freundin. Und dann war da der Tag, an dem meine Abschlussarbeit in der Universität sein sollte. Abgabe nach nächtelangem Durcharbeiten. Sie nahm sich frei und fuhr mich. Noch im Auto schrieb ich das Fazit. Falsches Zeitmanagement, sagte sie. Aber vorwurfsvoll war sie nicht. Gelassen, wie immer. Für mich da. Nun ist der Tag, an dem ich ihr alles zurückgeben soll. Doch das muss ich gar nicht, sie verlangt es nicht. Es ist auch nicht dieser eine Tag der wichtig ist. Es ist das große Ganze. Es ist jeder Augenblick. Und es sind nur wenige Worte, die bewirken, was kein Geschenk schafft: Mama, ich hab dich lieb.

Von Christin Iffert

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