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Wie es zum Zugunglück von Bad Aibling kam

Ursache: menschliches Versagen im Stellwerk Wie es zum Zugunglück von Bad Aibling kam

Es ist eines der schlimmsten Zugunglücke der vergangenen Jahre. Am Dienstag sind Bad Aibling mindestens zehn Menschen getötet worden. Ausgelöst worden ist es offenbar durch menschliches Versagen, die Fehlentscheidung eines Mitarbeiters im Stellwerk. Am Mittwoch laufen die Ermittlungen und Aufräumarbeiten weiter.

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Auf einer eingleisigen Strecke krachten zwei Züge frontal zusammen.

Quelle: dpa

Bad Aibling. Der Verdacht ist so schrecklich wie plausibel: Eine tragische Fehlentscheidung im Stellwerk von Bad Aibling ist mutmaßlich der Grund für das Zugunglück mit mindestens zehn Toten. Das hat das RedaktionsNetzwerk Deutschland aus Ermittlerkreisen erfahren. Den entscheidenden Hinweis gab allerdings Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ganz öffentlich. Während der Pressekonferenz am Dienstagmittag erwähnte er, dass es vor dem Zusammenprall eine „Abweichung vom Fahrplan“ gegeben habe. Damit bestätigte Herrmann indirekt, dass sich die Ermittlungen vor Ort schon wenige Stunden nach dem Unglück auf das Stellwerk in Bad Aibling konzentrierten. Denn von dort war die acht Kilometer lange, zumeist eingleisige Strecke offenbar freigeschaltet worden – was bedeuten würde, dass alle technischen Sicherungsvorkehrungen außer Kraft gesetzt wurden, die eine Kollision auf der nur eingleisigen Strecke verhindern sollten.

Sehr wahrscheinlich hat sich das Unglück so zugetragen: Der Zug in Rosenheim startete pünktlich Richtung Westen. Verspätung hatte allerdings der Zug aus der Gegenrichtung, auf den sich offensichtlich auch Minister Hermanns Hinweis auf die „Abweichung vom Fahrplan“ bezog. Dieser von Bad Aibling nach Osten fahrende Triebwagen sollte dem Zug aus Rosenheim planmäßig im zweigleisig ausgebauten Begegnungspunkt Kolbermoor begegnen. Doch er schaffte es nicht rechtzeitig dorthin. Die Ermittler gehen von mindestens drei Minuten Verspätung aus, die auch bis zum Unglückszeitpunkt nicht mehr aufgeholt wurden. Damit rückte gestern das Stellwerk Bad Aibling ins Zentrum der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Denn die hochmoderne Sicherheitstechnik, die entlang der Strecke verbaut ist, hat dem verspäteten Zug die Weiterfahrt per Signal untersagt – die Strecke war ja noch durch den entgegenkommenden Zug blockiert.

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09. Februar 2016: Bei einem der schlimmsten Zugunglücke der vergangenen Jahre sind am Dienstag in Bad Aibling mindestens 10 Menschen ums Leben gekommen. Auf einer eingleisigen Strecke krachten zwei Züge frontal zusammen. Den Helfern boten sich vor Ort schreckliche Bilder. Viele Verletzte mussten mit einem Hubschrauber geborgen werden.

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„Der verspätete Gegenzug Richtung Rosenheim fuhr auf Ersatzsignal“, formuliert es ein Ermittler. Das hieße, dass im Stellwerk ein Fahrdienstleiter das automatische Signal außer Kraft gesetzt und den Zug quasi von Hand durchgewunken haben müsste. Ob es tatsächlich so war, ist nun Gegenstand der Ermittlungen. Der Lokführer, der Richtung Osten unterwegs war, musste also auf Weisung des Stellwerks weiterfahren, obwohl das reguläre Signal Halt zeigte. Nichtsahnend fuhr er aus dem zwei- wieder in den eingleisigen Streckenabschnitt – und steuerte geradewegs in die Katastrophe: Westlich des vorgesehenen Begegnungspunktes in Kolbermoor stießen die beiden Züge frontal zusammen.

Aufräumarbeiten und Ermittlungen laufen weiter

Nach dem schweren Zugunglück bei Bad Aibling haben die Retter am Mittwoch die Suche nach einem vermissten Insassen fortgesetzt. Eine Polizeisprecherin dementierte am Morgen Berichte, wonach ein elftes Todesopfer aus den Trümmern geborgen worden sei. Das Opfer werde weiter „in den Trümmern vermutet“, sagte die Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Es bestehe „nicht viel Hoffnung“, es lebend zu bergen.

Die Annahme, dass das Unglück genau so abgelaufen ist, wird auch durch die Aussage von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gestützt. Er erklärte am Dienstag, dass die im Unglücksgleis verlegte Sicherheitstechnik erst in der vergangenen Woche überprüft und für einwandfrei befunden worden sei. Damit könnten Fehler in der Signal- oder Sicherheitstechnik am Gleis, so betonten Experten am Dienstag, „schon heute als unwahrscheinlich“ bezeichnet werden.

Von Hartmut Reichardt

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