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22 Heisigs kommen nach Brandenburg

DDR-Kunst in Potsdam und Cottbus 22 Heisigs kommen nach Brandenburg

Es ist eine Dauerleihgabe der Sammlung Vera Schreck. Im Juli kommen 22 Werke des berühmten Malers Bernhard Heisig für zehn Jahre nach Brandenburg. Sie werden in dieser Zeit im Potsdam-Museum und im Museum Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen sein. Es sind Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers.

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Bernhard Heisig, 2005 in seinem Atelier in Strodehne (Havelland).

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Eine packende Lektüre muss es sein. Handfest zumindest hat der Leser die Zeitung gepackt, in der er die Informationen verschlingt. Oder ist es eher die rapportierte Realität, die den Leser verschlingt. Bei Bernhard Heisig weiß man das nie so genau. „Der Zeitungsleser“ heißt das Bild, das er 1995 malte und in dem er, wie so oft in seinen Gemälden das Trauma des Krieges verarbeitet.

„Der Zeitungsleser“ ist eine verzögerte Reaktion Heisigs auf den ersten Irak-Krieg von 1990/91. Es ist eines von 22 Gemälden, die im Juli nach Brandenburg kommen – und hier zumindest für die kommenden zehn Jahre bleiben werden. Die Erben der verstorbenen Kölner Kunstsammlerin Vera Schreck haben die Werke aus ihrem Nachlass als Dauerleihgaben zu gleichen Anteilen an das Potsdam-Museum und das Museum Dieselkraftwerk Cottbus vergeben.

Ulricke Kremeier, die Direktorin des Dieselkraftwerkes, strahlt, wenn sie auf die elf neuen Bilder, die sie demnächst in Cottbus zeigen kann, angesprochen wird. „Es sind außergewöhnliche Bilder aus fast allen Schaffensperioden des Künstlers“, so Kremeier. Das älteste Werk („Fensterausblick in Bulgarien“) stammt aus dem Jahr 1969 und wird in Cottbus hängen. Das Jüngste, ein Selbstbildnis von 2010 kommt nach Potsdam. Die Offerte aus dem Westen sei ein weiterer Beitrag, um Brandenburg als wichtigsten Standort für DDR-Kunst zu profilieren, findet Kremeier.

DDR-Kunst in der Mark

Brandenburg gilt als einer der wichtigsten Standorte für DDR-Kunst.

Das Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) verfügt über einen Bestand von rund 11 000 Werken.

Das Dieselkraftwerk Cottbus hat etwa 23 000 Arbeiten von DDR-Künstlern im Depot.

 

Im Potsdam-Museum befinden sich derzeit etwa 5000 Kunstwerke aus DDR-Zeiten.

Das Kunstarchiv Beeskow beherbergt 23 000 Objekte aus dem ehemaligen Bestand von Parteien, Massenorganisationen und Staatsorganen der DDR.

Im geplanten Museum Barberini in Potsdam will Kunstmäzen Hasso Plattner ab 2017 seine 80 Werke umfassende DDR-Kunstsammlung zeigen.

Gesammelt wurden die Bilder von der Kölner Industriellengattin Vera Schreck. Der gebürtige Hallenserin, die ihre Heimatstadt bereits 1949 verließ, hatten es die Bilder schon immer angetan. 1968 kaufte sie den ersten Heisig. Nach ihrem Tod kehren die Bilder nun zumindest als Leihgabe in den Osten zurück. In Museen, die bereits einen bedeutenden Bestand an DDR-Kunst auf Lager haben. Im Depot des Dieselkraftwerks Cottbus, 1977 als Bergmann-Museum gegründet, befinden sich bereits knapp 23 000 Kunstwerke aus DDR-Zeiten – darunter Plakate, Fotografien aber auch Gemälde und Drucke. In Potsdam, wo 1976 die Galerie für Sozialistische Gegenwartskunst entstand, lagern heute etwa 5000 Arbeiten von DDR-Künstlern, davon allein 1500 Gemälde. „Wir bleiben den Künstlern treu, die in der Region arbeiten und sammeln sie weiter“, sagt Anna Havemann, die den Bestand im Potsdam-Museum betreut.

Bernhard Heisig kann mittlerweile zu den Künstern der Region gezählt werden. Von 1992 bis zu seinem Tod 2011 lebte der in Breslau geborene Maler in dem kleinen Dorf Strodehne im Havelland. Doch sein Ruf weist freilich weit über Brandenburg hinaus. Heisig gilt zusammen mit Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer als führender Vertreter der sogenannten Leipziger Schule, deren Bilder heute weltweit zu Höchstpreisen gehandelt werden. Sein an Max Beckmann geschulter expressiver Malstiel durchbrach schon zu DDR-Zeiten konsequent die Vorgaben des Sozialistischen Realismus. Berühmt sind seine Historienbilder, etwa über die Pariser Kommune. Zeitlebens trieb den Maler, der als Kriegsfreiwilliger der Hitler-Jugend den Zweiten Weltkrieg erlebt hatte, das Thema Krieg um.

Von Mathias Richter

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