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25 Jahre GZSZ: Dauerbrenner aus Babelsberg

Fernsehgeschichte in Serie 25 Jahre GZSZ: Dauerbrenner aus Babelsberg

Seit 25 Jahren wird in Deutschlands ältester Daily Soap nun schon geliebt, gestritten und gestorben: „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ feiert Geburtstag. Das ist nicht nur fürs Privatfernsehen ein Grund zur Freude. Der ganze Filmstandort Babelsberg profitiert von der Fließband-Produktion. Wenn es nach den GZSZ-Machern geht, soll das auch noch lange so bleiben.

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Für den Standort Babelsberg ist die Produktion ein Glücksfall.

Quelle: MAZ

Potsdam. Was ist denn?“ Mit dieser wegweisenden Frage begann vor 25 Jahren eine der größten Erfolgsgeschichten des deutschen Fernsehens. Clemens Richter, gespielt von Frank Thomas Mende, stellte sie am 11. Mai 1992 seiner Ehefrau Vera (Angela Neumann). Die beiden Schauspieler sind längst nicht mehr dabei, doch Deutschlands älteste Daily Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ist ein Quotendauerbrenner am Vorabend. Gut drei Millionen Zuschauer schalteten im ersten Quartal 2017 von montags bis freitags von 19.40 bis 20.15 Uhr RTL ein, um den Protagonisten Sunny, Chris und Co. beim Leben, Streiten, Lieben und Hassen zuzusehen.

Das war nicht immer so. „Das erste Jahr war eine Katastrophe“, sagt der damalige RTL-Chef Helmut Thoma. Kaum 800.000 Zuschauer wollten GZSZ anfangs sehen. Thoma hatte sich die Rechte an der aus-tralischen Soap „Restless Years“ gesichert und die Bücher ins Deutsche übertragen lassen. Doch die Känguru-raus-Schäferhund-rein-Strategie kam beim Zuschauer nicht an. „Die Einschaltquoten der ersten Folgen ließen zu wünschen übrig, es hagelte Kritik und die Branche prophezeite nur wenig Chancen“, erinnert sich Ufa-Ko-Chef Wolf Bauer. Ohne das Durchhaltevermögen des RTL-Bosses, sagt Bauer heute, wäre es für GZSZ schnell vorbei gewesen. Der Wendepunkt kam, als man sich nach rund 50 Folgen, die damals noch in Berlin entstanden, von der Vorlage entfernte und heimische Drehbuchautoren engagierte. Die Bücher wurden besser, die Quoten stiegen und im Oktober 1995 zog man schließlich auf das Babelsberger Studiogelände.

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85 Stühle, 400 Gürtel, 2250 Drehorte, 15.000 Wattestäbchen und 1,6 Millionen Fans: Wir haben die wichtigsten Zahlen aus 25 Jahren GZSZ gesammelt.

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Das brandenburgische Wirtschaftsministerium hat damals die Errichtung eines Fernsehzentrums, in dem GZSZ bis heute von der Ufa Serial Drama produziert wird, gefördert. „Es ist von Anfang an auf die Produktion von Serienformaten wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ optimiert worden“, so Ministeriumssprecherin Andrea Beyerlein. Neben dem Filmbereich sollte auch die Fernsehsparte am Medienstandort gezielt entwickelt werden. „Der dauerhafte Erfolg der Serie hat den Standort gestärkt und wesentlich dazu beigetragen, dass Babelsberg auch im Fernsehbereich ein gutes Image hat“, resümiert Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber. Mit GZSZ kam schließlich auch die Ufa-Gruppe nach Babelsberg, die neben Studio Babelsberg und dem RBB das Schlüsselunternehmen am Standort ist. „Es ist nicht nur wichtiger Arbeitgeber, sondern auch als Auftraggeber für viele kleinere Unternehmen am Standort relevant. Das Unternehmen ist außerdem Innovationstreiber“, sagt Beyerlein. Eine tägliche Fernsehserie über Jahrzehnte zu produzieren, verlange eine hohe zeitlich Präzision und Rationalisierung bei den Produktionsabläufen.

„Nur hier trifft Brad Pitt auf Joe Gerner“

Für eben jene Präzision sorgen rund 150 Angestellte. Sie stellen die Endlosserie – mittlerweile liefen mehr als 6250 Episoden – täglich auf die Beine. Wie am Fließband arbeiten sechs Autoren parallel an einer Drei-Strang-Dramaturgie: eine Liebesgeschichte, ein humoriger Plot und noch eine Drama-Erzählung ist im Idealfall die Mischung in einer 25-minütigen GZSZ-Folge. Bei den Dreharbeiten dürfen Fans nicht dabei sein, das Studiogelände ist tabu. Sie können sich im benachbarten Filmpark aber die Original-Kulisse ansehen. Seit der Eröffnung im Jahr 2006 besuchten mehr als eine Million Fans das Set, schätzt Filmpark-Geschäftsführer Matthias Voß. „Nach Stuntshow und Actionkino ist das GZSZ-Außenset das wichtigste Highlight für unsere Besucher“, sagt Voß. Es gebe Fans, die sich wegen der regelmäßig stattfindenden Autogrammstunden alljährlich eine Saisonkarte für den Filmpark leisteten. „Von GZSZ profitieren wir alle“, so Voß, „Filmpark, Filmstudios und die Region.“

Im Studio Babelsberg sieht man das genauso. „TV-Serienformate sind aufgrund ihrer längerfristigen Produktionslaufzeit für Studio Babelsberg wirtschaftlich sehr wichtig. Wir freuen uns, dass eine seit 25 Jahren so erfolgreiche Konstante der deutschen Fernsehlandschaft im Studio Babelsberg hergestellt wird. Sie ist die am längsten durchlaufende Produktion in der Medienstadt“, sagt Studio-Babelsberg-Chef Christoph Fisser, Und: „Nur hier kann man neben Brad Pitt eben auch auf Jo Gerner treffen.“

Product Placement längst kein Tabu mehr

Auch für den ausstrahlenden Sender RTL ist die Serie ein Goldesel. Die Produktionsfirma bestätigt keine Zahlen, doch Branchenkenner sprechen von äußerst geringen Produktionskosten. Zwischen 3000 und 4000 Euro pro Minute soll die Herstellung einer Folge GZSZ kosten, pro Ausgabe macht das einen Spottpreis von rund 80.000 Euro. Zum Vergleich: Ein Werbespot mit 30 Sekunden Länge in der sogenannten Access Primetime zwischen 19 und 20 Uhr bringt dem Sender rund 60.000 Euro ein. Bei RTL spricht man von „Guten Zeiten für Werbekunden“. Product Placement ist längst kein Tabu mehr, im Gegenteil: RTL spricht große Firmen offensiv auf solche früher verpönten Produktplatzierungen an. Zu den Kunden solcher neuer Strategien gehören der Moderiese S.Oliver und die Sparkasse – beide teilen sich die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit der Serie. Dennoch, betont GZSZ-Produzentin Petra Kolle, ordne sich die Handlung der Werbung nicht unter. „Selbstverständlich steht die Unterhaltung an erster Stelle“, sagt Kolle. „Wir erzählen Geschichten, die die Menschen berühren. Deshalb haben wir so gute Einschaltquoten, über die sich dann wiederum die Vermarktung freut.“ Andersherum würde es, so Kolle, nicht funktionieren.

Die Vermarktung geht indes mit dem Zeitgeist. Vor allem während der 1990er- und frühen 2000er-Jahre legten findige Werber zahlreiche Merchandiseprodukte auf. Neben 60 Büchern zu einzelnen Aspekten erschienen Musik-CDs, mehrere Hörspiele und zwei Parfüm-Serien, es gab Bettwäsche mit dem markanten lila-blauen Serienlogo zu kaufen, Lavalampen und den Sessel aus dem Jugendzimmer der Figur Cora Hinze; PC- und Brettspiele testeten das Wissen der meist jungen Fans rund um ihre Serienlieblinge. Sogar ein eigenes GZSZ-Magazin – Verkaufspreis der ersten Ausgabe: 3,90 DM – erschien 15 Jahre lang, letztmalig im Dezember 2010 im Dino-Verlag.

Geschichten, die das Leben schreibt

Heute sind diese Produkte allesamt eingestampft. RTL sieht seine Serienstars im Youtuber-Zeitalter lieber als „Influencer“, als Personen, die aufgrund ihrer starken Präsenz Einfluss auf Kaufentscheidungen nehmen können. Hauptrollen-Besetzung Valentina Pahde etwa unterstützt immer wieder die Karriere ihrer Zwillingsschwester Cheyenne, besucht medienwirksam die Dreharbeiten anderer Serien und präsentiert in einem Online-Modehaus ihre Lieblingskleider und wirbt für eine Kosmetik- und Modeschmuckmarke.

„Die Herausforderung besteht darin, auch die nachwachsenden Generationen für das Programm einzunehmen“, sagt Wolf Bauer, Ko-CEO der Ufa. „Das heißt, die Geschichten und Charaktere, die wir erzählen, so darzustellen, dass die Lebensrealität der Zuschauer gespiegelt wird.“ Clemens und Vera Richter waren damals, 1992, noch keine „Influencer“. Sie waren ein zerstrittenes Ehepaar, das häufiger vor der Scheidung als vor guten Zeiten stand. „Unsere Figuren haben ihre Alltagsfreuden und -sorgen wie unsere Zuschauer auch, dies ist die Folie, auf der wir erzählen“, sagt Produzentin Petra Kolle. Letztlich trennte sich das Ehepaar Richter, Vera wanderte spontan mit ihrem Ziehkind Kevin nach Sri Lanka aus.

„Was ist denn?“, fragte Clemens Richter seine Frau in der ersten Folge. Das sind eben Geschichten, die das Leben schreibt. Und von denen soll es noch viele geben, prophezeit Ufa-Ko-Chef Bauer: „Das 25-jährige Jubiläum ist vielleicht gerade einmal die Hälfte von dem, was das Programm erreichen kann.“

Info: Die Jubiläumsfolge 6255 wird am 17. Mai um 19.40 Uhr auf RTL in Spielfilmlänge ausgestrahlt. Im Anschluss, um 21.35 Uhr, gibt es ein Spezial „25 Jahre GZSZ – Stars, Stories & Geheimnisse“ mit einem Blick hinter die Kulissen.

Von Saskia Kirf und Claudia Palma

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