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25 Jahre Westberliner Eventkultur auf dem Land

Brandenburgische Sommerkonzerte 25 Jahre Westberliner Eventkultur auf dem Land

Der Westberliner Rechtsanwalt Werner Martin kam 1990 auf eine glorreiche Idee. Um die Fremdheit zwischen Westlern und Ostlern sowie zwischen Stadt und Land zu überwinden, gründete er die Brandenburgischen Sommerkonzerte. In Ministerpräsidenten Manfred Stolpe fand er einen Partner. Beide legen nach 25 Jahren eine gemeinsame Bilanz vor.

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Organist Matthias Heisenberg in Neuruppin.

Quelle: Foto: Peter Geisler

Berlin. Ihre Sehnsuchtsorte waren nicht Rom, Paris und Mykonos, sondern Herzberg, Chorin und Ribbeck. Sie hatten alle ein Abonnement bei den Berliner Philharmonikern. Und als der Dirigent Herbert von Karajan im Sommer ’89 starb, machte sich ein Gefühl der Leere breit. Dann fiel die Mauer und eine Welle der Euphorie erfasste auch sie. Ihr idyllisches Westberlin war aber plötzlich keine Insel mehr in einem fremden, feindlichen Meer ...

Vor 25 Jahren gründeten Werner Martin und die High Society von Berlin-Charlottenburg die Brandenburgischen Sommerkonzerte. „Weil das Mittagessen in der Paris-Bar damals recht preiswert war, saß ich oft hier und verhandelte mit Sponsoren und Künstlern bei einem Glas Rotwein“, erzählte der Rechtsanwalt am Mittwoch. Gemeinsam mit einem aufgeräumten Manfred Stolpe präsentierte Martin stolz einen druckfrischen Bildband, der dem Engagement seines Freundeskreises ein Denkmal setzt. Das visuell sehr pathetisch gestaltete Album ist weniger eine kulturhistorische Chronik als ein Geschenkebuch für Mitstreiter. Einige Wortbeiträge, vor allem von Martin selbst, erzählen, welche Erfahrungen die Organisatoren der Eventkultur machen konnten.

Anfang 1990 beschloss das Netzwerk den „Aufbruch Richtung Brandenburg“. Das Konzept nannten sie „Gemeinsam Kultur machen“, gab es doch „so wenig Gemeinsamkeiten nach den Jahrzehnten der Teilung“.

Hochkarätige Musiker wurden raus in die Kleinstädte und Dörfer gelockt. Schon verloren geglaubtes Kulturland wurde zurückgewonnen. Viele Westberliner verbanden mit märkischen Orten sentimentale Kindheitserinnerungen.

Beim ersten Sommerkonzert im Frühjahr ’90 in der Klosterkirche Neuruppin stach den Gästen nicht nur der ruinöse Zustand der Gebäude ins Auge, sondern auch die grausige Gastronomie. Die Städter gewannen deshalb Kirchgemeinden und Frauenzirkel vor Ort, die für eine reiche Kuchentafel sorgten. Der Erlös kam auch den Baudenkmälern zugute. Alle Konzerte wurden konsequent privat finanziert, ohne den Staat.

Mit seinen schicken Autos legte Martin auf den schlechten Straßen tausende Kilometer zurück. „Wir konnten nicht telefonieren, Internet gab es noch nicht. Wir mussten viel rausfahren“, erzählt er. 1990 war er einer der ersten, der sich einen „Handy-Koffer“ anschaffte, der aber noch keine verlässlichen Dienste leistete. Und so passierte es auch, dass er einmal im falschen Wolfshagen landete. Nicht in dem Wolfshagen, wo er mit Manfred Stolpe verabredet war.

Werner Martin/Manfred Stolpe: Geh aus mein Herz...       25 Jahre Brandenburgische Sommerkonzerte. Nicolai, 320 Seiten, 29,95 Euro.

Von Karim Saab

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