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12:38 07.11.2018
„Jumpman“ von Ivan I. Tverdovskiy. Der Regisseur hat schon zwei mal den Spielfilmwettbewerb in Cottbus gewonnen. Quelle: New Europe Film Sales
Cottbus

Unter dem Motto „Cottbus baut Brücken“ zeigt das 28. Cottbuser Filmfestival vom 6. bis 11. November mit 220 Produktionen so viel Kino aus Osteuropa wie noch nie. In einem bunten Mix kommen dabei in 15 verschiedenen Festivalsektionen ganz unterschiedliche Beiträge zur Aufführung – von der bitterbösen tschechischen Komödie bis zum patriotischen Thriller in Hollywoodmanier ist dabei alles vertreten. Aber nicht nur die Macharten auch die Themen sind sehr unterschiedlich, denen sich die Regisseure von der mazedonisch-griechischen Grenze bis in die georgische Provinz in diesem Jahrgang widmen. Besonders spannend wird der diesjährige Spielfilmwettbewerb, in dem zwölf Beiträge um die gläserne Lubina konkurrieren. Die MAZ zeigt eine kleine Filmauswahl.

Platzhirsch: Korruption

„Jumpman“ von Ivan I. Tverdovskiy: Er ist 29 Jahre jung und hat 2016 mit „Zoologie“ und 2014 mit „Lenas Klasse“ schon zwei Mal den Spielfilmwettbewerb in Cottbus gewonnen: Auch in diesem Jahr präsentiert der russische Filmemacher Ivan I. Tverdovskiy sein neuestes Werk in der Lausitz. Thema ist dieses Mal die Korruption in all ihren Facetten. „Jumpman“ erzählt von einer Mutter, die ihren Sohn dazu bringt, sich vor die Autos von Oligarchen zu werfen. Ihr Ziel: Anschließend so viel Geld wie möglich herauszuschlagen. Eine sehenswerte Parabel auf eine von Geld getriebene Gesellschaft verpackt in einen Film, der bis an die Grenzen des Erträglichen geht.

Kategorie: Wettbewerb Spielfilm. Spielzeiten: Donnerstag, 22 Uhr, Stadthalle und Freitag, 12.30 Uhr, Weltspiegel. Länge: 90 Minuten.

Spielfilmdebüt: Syrien-Schleuser

„Via Carpatia“ von Klara Kochanska/Kasper Bajon: Die polnische Regisseurin Klara Kochanska hat 2016 mit ihrem Kurzfilm „Tenants“ den Studenten-Oscar gewonnen. In Cottbus präsentiert sie mit „Via Carpatia“ nun ihr Spielfilmdebüt. In dem intimen, gesellschaftskritischen Roadmovie stellt sie den Zuschauern Piotr und Julia vor. Das kinderlose Ehepaar soll Piotrs syrischen Vater nach Europa schmuggeln und bekommt für dieses Unternehmen Geld von Piotrs Mutter. Doch muss man sich wirklich um das Schicksal eines Unbekannten kümmern, wenn man auch Urlaub machen kann?

Kategorie: Wettbewerb Spielfilm. Spielzeiten: Mittwoch, 17 Uhr, Stadthalle und Donnerstag, 12.30 Uhr, Weltspiegel. Länge: 75 Minuten.

Debüt: Kosovokrieg

„Die Ladung“ von Ognien Glavonic: Düster, dialogarm und trotzdem spannend verarbeitet der Serbe Ognien Glavonic in seinem Debüt „Die Ladung“ den 20 Jahre zurückliegenden Balkankrieg. Während Nato-Truppen Bomben abwerfen und im Kosovo Kriegsverbrecher ihr Unwesen treiben, fährt Vlada mit einem Laster durchs Land. Was genau er geladen hat, weiß er nicht, und es ist ihm auch egal. Schließlich braucht er das Geld. Doch eine düstere Ahnung lastet auf seiner Seele.

Kategorie: Wettbewerb Spielfilm. Spielzeiten: Mittwoch, 14.30 Uhr, Stadthalle und Donnerstag, 17 Uhr, Weltspiegel. Länge: 98 Minuten.

Slowakische Lovestory: Streetdance

„Backstage“ von Andrea Sedlacková: Wie Jugendliche versuchen, ihren Platz in der Welt zu finden, mit Ängsten kämpfen und mit Lebensentwürfen experimentieren, zeigen neun Beiträge aus Polen, Deutschland und der Tschechischen Republik im „U18 Wettbewerb Jugendfilm“. Eine Produktion spielt in der slowakischen Provinz: Dort dreht sich das Leben von Mary und Buddy, die in einem Wohnwagen leben, vor allem um ihr gemeinsames Hobby Streetdance. Mit den Freunden aus ihrer Tanz-Crew träumen sie vom großen Erfolg. Und der scheint eines Tages tatsächlich während eines Tanzwettbewerbs zum Greifen nah. Die dynamische Lovestory besticht vor allem durch tolle Tanzeinlagen und die Musik.

Kategorie: U18 Wettbewerb Jugendfilm. Spielzeiten: Freitag, 19 Uhr, Glad-House. Länge: 94 Minuten.

Oscarbewerber: Aufwachsen mit Heilquellen

„Namme“ von Zaza Khalvashi: Die georgische Filmindustrie boomt dank zahlreicher Koproduktionen mit dem Ausland. Wie lebendig, inspirierend und philosophisch dieses Kino sein kann, beweist Zaza Khalvashis „Namme“ in der Reihe „Spotlight: Georgien“. Der mystische Film zeigt eine Familie, die eine Quelle mit Heilwasser in ihrem Garten hat. Während die drei Brüder aufbrechen, um ihr eigenes Glück zu finden, bleibt die Schwester als Hüterin der Tradition zurück. Doch eines Tages versiegt die Quelle. Und nur ein Opfer soll das Sprudelnd zurück bringen können. Dank der exzellenten Kamera-Arbeit wird die Coming-of-Age-Geschichte zu einem berührenden poetische Bilderreigen, der übrigens für Georgien ins Rennen um den Oscar als bester Fremdsprachiger Film geht.

Kategorie: Spotlight Georgien. Spielzeiten: Freitag, 10 Uhr, Glad-House. Länge: 91 Minuten.

Close Up Ukraine: Nationale Identität

„Kaffee im Kreis“ von Olkesandr Soldatov Quelle: UP UA Studio

„Kaffee im Kreis“ von Olkesandr Soldatov: Seit der Maidan-Proteste befindet sich die Ukraine auf der Suche nach ihrer Nationalen Identität. Die Reihe „Close up Ukraine“ lädt zu einer cineastischen Entdeckungsreise in ein spannendes Filmland ein. Gezeigt wird dabei auch der Kurzfilm „Kaffee im Kreis“ von Olkesandr Soldatov: Darin will der junge Taras mit seiner Familie verreisen. Doch am Vorabend holt ihn das Militär Zuhause ab. Was zählt mehr: Die eigene Familie oder das Heimatland? Und kann man überhaupt in den Urlaub fliegen, während ein paar Kilometer weiter Menschen sterben?

Kategorie: Close Up UA. Spielzeiten: Samstag, 12.30 Uhr, Glad-House. Länge: 18 Minuten (Anschließend „Krieg der Chimären“ von Anastasia und Maria Straozhytska, 94 Minuten).

Freund als Feind: Spitzel in der Ehe

„Der Riss“ von Michal Rosa: Wie es ist, von Freunden oder Verwandten bespitzelt zu werden, zeigen Spiel- und Dokumentarfilme in der diesjährigen Sektion „Freund als Feind“. Ein spannender und zugleich aufwühlender Beitrag aus der Reihe ist Michael Rosas kritisches Drama „Der Riss“. Der Film hatte vor zehn Jahren in der Lausitz den Preis für das beste Drehbuch erhalten. Und ist jetzt noch einmal zu sehen: Ähnlich wie in „Das Leben der Anderen“ gerät darin ein Ehemann in den Verdacht, den späteren Schwiegervater bespitzelt zu haben. Die Frage der Gattin, ob die vielen glücklichen Ehejahre nur ein Schwindel waren, zieht sich bald wie ein Riss durch die Beziehung. Und die gesamte Familie.

Kategorie: Freund als Feind. Spielzeiten: Sonntag, 14 Uhr, Glad-House. Länge: 95 Minuten.

Schlesien: Generationenclash

„Dukla 61“ von David Ondricek: Ähnlich wie in der Lausitz sind auch in Schlesien die Tage des Bergbaus als identitätsstiftender Wirtschaftsfaktor gezählt. 13 Filme werfen in der Reihe „Region: Schlesien“ einen Blick auf Vergangenheit und Gegenwart in diesem Landstrich. So auch der tschechische Regisseur David Ondricek. In seinem TV-Zweiteiler „Dukla 61“ seziert er mittels eines Vater-Sohn- Generationenkonflikts auch gleich ein nahezu vergessenes Grubenunglück von 1961 in Mähren. Eine gelungene, viel gelobte dramatische Erzählung aus einer Zeit, in der sozialistisch gelebt und kapitalistisch gearbeitet wurde.

Kategorie: Region Schlesien. Spielzeiten: Samsatg, 19 Uhr, Obenkino. Länge: 150 Minuten (Original mit englischen Untertiteln).

Russischer Tag: Rockband „Kino“

„Leto“ von Kiril Serebrennikov: Traditionell ist während des Cottbuser Filmfestivals der Mittwoch der Tag für Fans des russischen Films. Gezeigt werden die gegenwärtigen Höhepunkte aus der größten Produktionsstätte des osteuropäischen Kinos. In diesem Jahr kommt mit Kiril Serebrennikovs „Leto“ ein wundervoller Rock-Musikfilm in schwarzweiß auf die Leinwand: Im Sommer 1980 hilft der erfolgreiche Sänger Mike in Leningrad dem Newcomer Viktor Tsoi dabei, ein Star zu werden. Dabei versuchen die jungen Männer, ein Stück Rockrebellion zu importieren. Doch das immer noch repressive Umfeld zeigt ihnen dabei auch Grenzen auf: Stimmungsvolles Vorwendeporträt von Kiril Serebrennikov, dem die russischen Regierung seit August 2017 einen Hausarrest auferlegt hat.

Kategorie: Russkiy Den (Russischer Tag). Spielzeiten: Mittwoch, 21.30 Uhr und Sonntag, 17.30, Weltspiegel. Länge: 128 Minuten.

Nationale Hits: Peinliche Geheimnisse

„Panikattacke“ von Pawel Maslona: Die aktuellen Überraschungserfolge des osteuropäischen Kinos präsentiert die Reihe „Hits“. Aus dem Nachbarland Polen kommt in diesem Jahr Pawel Maslonas schwarze Komödie „Panic Attack“ zur Aufführung. Darin geht es rasant zu: Ein Spieler wird mit Drohanrufen unter Druck gesetzt, eine Frau, die Erotikaufnahmen fürs Internet macht, bekommt plötzlich Besuch und neben einem Ehepaar in einem Flugzeug sitzt plötzlich eine Leiche. Stück für Stück treten viele peinliche Geheimnisse ans Licht und massieren die Bauchmuskeln: Nur keine Panik!

Kategorie: Hits. Spielzeiten: Donnerstag, 19 Uhr Kammerbühne. Länge: 100 Minuten.

Von Barbara Breuer

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