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3500 Besucher kamen, hörten und schwitzten

Bilanz des Literaturfestivals LIT:potsdam 3500 Besucher kamen, hörten und schwitzten

Das Literaturfestival LIT:potsdam zieht eine positive Bilanz. Laut Angaben des Veranstalters besuchten 3500 Besucher am Wochenende die Veranstaltungen in der Landeshauptstadt. Und das trotz der tropischen Hitze. Am Samstag kamen auch die Freunde der Spannungsliteratur auf ihre Kosten und konnten den Unterschied zwischen Krimi und Thriller studieren.

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Volker Kutscher, Marc Raabe und Moderator Uwe Madel (v. l.) in der Potsdamer Reithalle.

Quelle: Foto: Dirk Bleiker

Potsdam . „Lieber Freund! Welch ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch.“ Mit diesem Nietzsche-Bonmot, das die Latte des Humors recht hoch hängt, begrüßte der CDU-Politiker Christian Ehler am Samstagnachmittag für den Trägerverein des Festivals LIT:potsdam etwa 50 Zuhörer in der Landesbibliothek. Die Temperatur im Saal war erstaunlich runtergekühlt und die beiden Schriftstellerinnen Adriana Altaras und Lizzie Doron schnatterten so vergnügt und selbstverliebt über ihre jüdisch-deutsche Identität, als säßen sie irgendwo an einem Pool und wollten die eigentlichen Probleme dieser Welt ausblenden oder wegwitzeln. Die Kostproben ihrer kolumnenartigen Unterhaltungsliteratur schickten sie dann auch noch völlig unnötig durch eine viel zu laut eingestellte Lautsprecher-Anlage.

Die Kriminacht am Samstagabend in der Reithalle des Hans-Otto-Theaters erwies sich dagegen als echtes Highlight und das trotz wirklich tropischer Raumtemperaturen. RBB-Moderator Uwe Madel zeigte großes Geschick, Volker Kutscher und Marc Raabe sowohl als Menschen wie auch als Autoren den etwa 120 Krimi-Freunden näherzubringen. Beide leben in Köln und schreiben Bücher, die in Berlin spielen.

Schon zum fünften Mal schickt Volker Kutscher mit Gereon Rath einen Kommissar ins Rennen, der das Erstarken der Nazi-Partei in den 1930er Jahren ohne Erschrecken hinnimmt. „Rath ist nicht nur ein Arschloch, aber auch“, erklärt Kutscher, dem es nicht nur darum geht, am Schreibtisch lebhafte Figuren und Spannung zu erzeugen. Er rekonstruiert auch ein gründlich recherchiertes historisches Panorama. In einer Szene durften die Zuhörer einem Serienmörder folgen, der vom Potsdamer Hauptbahnhof kommend die Kaiser-Wilhelm-Brücke überquert, das trostlose Potsdamer Stadtschloss rechts liegen lässt, in dem damals ein Arbeitsamt untergebracht war, um im Lustgarten einen Mann zu treffen, dem er ein Messer von unten in den Kopf stößt. Übertönt wird das grausame Geschehen „vom Schnellzug von Magdeburg und dem Glockenspiel ,Üb’ immer Treu und Redlichkeit’“, heißt es.

Tom Tykwer hat die Filmrechte am Rath-Stoff erworben und plant ein teueres Großprojekt im Stile der US-amerikanischen Fernsehserie „Die Sopranos“. Die Krimis könnten sogar in Babelsberg gedreht werden.

Worin der Unterschied zwischen einem Krimi und einem Thriller besteht, das wurde dann bei der Lesung von Marc Raabe deutlich. Auch für ihn ist die Darstellung von Gewalt kein Selbstzweck. „Die innere Landkarte des Menschen liegt mir mehr am Herzen als äußere Örtlichkeiten, über die ich mich meistens im Internet informiere“, bekannte er. Zwei seiner drei Bücher beginnen mit einem Kindheitserlebnis, das als Trauma fortwirkt und später wieder aufbricht. „Ich habe immer so ein Was-wäre-wenn-Ding laufen und eine Vorstellungskraft, die sehr weit geht“, sagt er über sich selbst. Als Raabe nach 90 Minuten zum Stehpult schreitet, um noch zwei Kapitel aus „Heimweh“ zu lesen, sind die Besucher schon ziemlich erschöpft. Aber die Szene, in der ein Mann ein Paket mit einer Tupperschale öffnet, in der eine abgetrennte Männerhand liegt, ist sehr eindringlich. Zumal dann auch noch das Telefon klingelt und der unbekannte Absender um ein Treffen bittet, um dem Empfänger einmal kräftig die Hand zu schütteln.

Von Karim Saab

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