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10:02 13.08.2018
Die Stimme von CCR: In nur vier Jahren des Erfolgs mit Creedence Clearwater Revival schrieb John Fogerty eine ganze Serie von Rockklassikern. Das Bild zeigt den kalifornischen Sänger und Songwriter 2008 auf der Parkbühne im Zetkinpark in Leipzig. Quelle: Andre Kempner
San Francisco

Der Rockherbst 2018 soll Creedence Clearwater Revival gehören. Jedenfalls wenn es nach Universal Music und Craft Recordings geht. 50 Jahre nach dem Durchbruch der kalifornischen Band (46 Jahre nach ihrem Ende) rufen sie den „Creedence-Clearwater-Revival-Herbst“ aus. Mit neuen (Wieder-)Veröffentlichungen und einem neuen Video zum Klassiker „Fortunate Son“. Eine glatte Verspätung, denn die Band, die zu den erfolgreichsten der Rockgeschichte zählt, legte schon im späten Frühling 1968 los. Am 15. Juni erschien damals die Single „Suzie Q.

Der Rocksommer gehörte damals in den USA jener Dame. Und der Mann, der sich sorgte, ob diese tolle Frau ihm auch treu bleiben würde, besaß die Stimme eines heiseren Werwolfs. Sänger John Fogerty hatte die muntere Rockabilly-Nummer von Dale Hawkins mit seiner Band psychedelisch eingefärbt – traumartig verlangsamt, auf 8 Minuten und 37 Sekunden gestreckt, so dass der Song für die Single in zwei Hälften zerlegt werden musste.

Nach erfolglosen Jahren klappte plötzlich alles

Start der Karriere einer Rockgruppe, die fortan für vier Jahre die Charts der ganzen Welt dominieren sollte – mit unglaublichen acht Alben und 25 Hitsingles. In Deutschland starteten CCR - so die bald gängige Kurzform des Bandnamens – dann erst im Winter darauf durch: Mit „Proud Mary“, der zu schaukelndem Countryrockrhythmus vorgetragenen Ballade einer armen Dienstmagd, die viele Deutsche lange Zeit für die Geschichte eines Mississippidampfers hielten: „Rollin‘,rollin‘, rollin‘ on the River.“

Die Brüder John und Tom Fogerty, Doug Clifford (Schlagzeug) und Stu Cook (Bass) waren schon lange unter verschiedenen Bandnamen erfolglos unterwegs gewesen. Jetzt aber klappte plötzlich alles.

Vieles an der Lyrik von CCR war dabei comichaft überzogen: „It came out of the Sky“ handelte von Ufosichtungen und „Bad Moon Risin‘“ war ein Song über etwas Unheilvolles in der Nacht, der bis heute immer dann in Horrorfilmen angespielt wird, wenn der Werwolf naht. Klassische Dreiminutensongs mit Countryflair und Groove – Swamprock wurde der nach sumpfigem Süden klingende Stil der vier Kalifornier bald genannt.

Nicht nur eine Partyband: CCR hatten auch etwas zu sagen

Und wenn CCR coverten, dann unvergleichlich – ihre Version von „The Midnight Special“ brachte den uralten Song über schwarze Gefangene im amerikanischen Süden in die amerikanische Gegenwart der Bürgerrechtsbewegung, die 1969 noch immer von der Ermordung Martin Luther Kings erschüttert war. Die Partyband wurde nicht von ungefähr Headliner des Woodstock-Festivals. Sie hatten auch etwas zu sagen.

Auch in „Fortunate Son“, einem Lied über die soziale Kluft in den USA. Die Millionärskinder und Senatorensöhne führten 1969 ein unbekümmertes, abgesichertes Leben, die unglücklicheren Söhne aus den Unterschichten und Minderheiten starben dagegen in Vietnam. Der US-Regisseur Ben Fee hat den Song jüngst mit einem Filmchen unterlegt, das eine heutige Reise zu den Underdogs des Landes zeigt.

„Ich wollte das Gemeinschaftsgefühl ausdrücken, das wir alle teilen“, sagt er. „Ich wollte zeigen, wie Amerika ist, wenn man sich wirklich ins Auto setzt und durch die einzelnen Staaten fährt.“ Harley-Ritter, Cowboys, Indianer, kleine Farmer und Trailerparkbewohner singen den Refrain „It ain’t me, I’m no fortunate son (ich bin’s nicht, ich bin kein Glückskind)“, und schreiben die Worte in den Staub ihrer Heckscheiben, auf Pappteller und Handflächen.

Alle CCR-Songs sind bis heute immer noch großartige Launebeflügler für lange Autobahnfahrten, immer noch Evozierer von Traumbildern über das mythische Amerika, immer noch in der Rotation zahlloser Musiksender.

Kaum zu glauben, dass es kein einziger dieser Golden Oldies je die Spitzenposition der US-Billboard-Charts erreicht hat. In Deutschland schafften sie es 1972 mit „Hey Tonight“ – quasi auf den letzten Drücker. „Ich jage die Zukunft heute nacht!“ schrie Fogerty ins Mikrofon. Diese Zukunft hat gerade erst begonnen.

Universal will die nächste Generation an CCR-Musik heranführen

Jedenfalls wenn es nach Universal Music geht. Veröffentlichungen sind im CCR-Herbst geplant, so – das wurde am Donnerstag, 9. August, vermeldet - am 26. Oktober Rereleases von John Fogertys Soloalben „Eye of the Zombie“ (1986) und „Deja Vu“ (2004).

Auch von einem ganz besonderen „special release“ von CCR wird gemunkelt. Alles ganz geheim. Man will die Band einer neuen Generation ans Herz legen – 28 Jahre nach Rhythmusgitarrist Tom Fogertys Tod infolge einer mit HIV infizierten Bluttransfusion.

Die verbliebenen Bandmitglieder sind zerstritten

Dass die verbliebenen Drei im Zuge der großen CCR-Kampagne noch einmal für eine Tour zusammenfinden, ist freilich unwahrscheinlich. 1993 verweigerte John Fogerty nach langen Rechtsstreitigkeiten einen gemeinsamen Auftritt bei der Aufnahme in die Rock’n’Roll Hall of Fame. Clifford und Cook gingen dann ab 1995 mit Fogertys Songs und einem ähnlich klingenden Sänger unter dem Fakenamen Creedence Clearwater Rev. (für „Revisited“) getourt. Die letzte und unverzeihlichste in einer langen Serie von Unverzeihlichkeiten.

Von Matthias Halbig

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