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50 Schattierungen von Schwarz

MAZ-Konzerttipp 50 Schattierungen von Schwarz

Amenra gehen dorthin, wo es wehtut. Ein Auftritt der Post-Metal-Band aus Kortrijk gerät meist zu einer nahezu physischen Grenzerfahrung. Vom Kopfkino mal ganz zu schweigen. Am Sonnabend präsentieren die Belgier um Colin H van Eeckhout die Schönheit und Zerbrechlichkeit ihres Albums „Afterlife“ akustisch.

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Extrem, ambient und metallisch – Amenra aus Belgien.

Quelle: Promo

Potsdam. Schwarz, ja schwarz sind alle meine Farben – so könnte ein Lied von Amenra beginnen. Was die Freunde abwegiger Ton-Erzeugung, man könnte auch sagen lieblich brutaler Grenzerfahrungen, sicher gern bestätigen würden. Diese Belgier um den schonungslosen Stimmband-Malträtierer Colin H van Eeckhout (CHVE) tragen so manche Bürde, so scheint es.

Es beginnt ganz langsam, Töne, deren Herkunft nicht so leicht auszumachen ist, schwellen an und ab. Eine von waberndem Nebel verhangene Szenerie. In diese brechen - kaum vorhersehbar - monolithische Riffs und die getriebene Stimme von CHVE. Der aufgeschichtete Sound wird dermaßen dicht und schwer, dass er die Zuhörer beinahe zu Boden drückt, ihm jede Luft herausquetscht. Wie auf dem Live-Album „Amenra II“. Eine äußerst physische Erfahrung.

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Folgende Szene: Ein berittener Astronaut hält einen zähnefletschenden Saurier mit seiner Laserwaffe in Schach – im Hintergrund der Saturn mit seinen Ringen. Wo sind wir da nur hingeraten? Auf irgendeinen nackten Fels im Kosmos. Entdecke die Möglichkeiten – rufen uns die Schweden von Saturn zu. Denn jenseits dieses Planeten liegen andere Welten. Nicht alle sind Lichtjahre entfernt, die Erde ist gleich links um die Ecke. Das muss man nur richtig wahrnehmen – wie das zweite Album der Jungs. Sie lieben ganz einfach die Pionierzeit des Hardrock. Die Siebziger samt früher Formen des Doom und psychedelischer Ausflüge. Also: Dinos? Ja, bitte!

Saturn: Beyond Spectra. Rise Above/Soulfood.

Dann legt sich plötzlich der Sturm, ebbt für milde Momente ab, um schließlich mit noch größerem Getöse wie ein Biest, das niemandem Gnade gewährt, loszubrechen. Amenra – vor 18 Jahren in Kortrijk in Westflandern gegründet – versteht sich auf die listig verschachtelte Abfolge von Spannung und Entspannung, auf eine ausgeklügelte Struktur der Lärmschübe, auf böse Drones, die sich im Kreis drehen, auf ein Raunen - riesig und aufstrebend wie eine Kathedrale.

Es verwundert nicht, dass sich Scott Kelly vor dem Werk der Band verneigt. Auf dem Live-Album wirkt der Kopf von Neurosis sogar mit. Ohne das frühe Werk dieser Band wäre Amenra sicher nicht denkbar. Deren Mitglieder und weitere Artisten stehen zusammen in der Church of Ra, der Kirche des Ra. Musik ist nur ein Ausdruck vielschichtiger künstlerischer Betätigung, die metaphernreiche Themen aufgreift. Durch mindesten 50 Schattierung von Schwarz schreiten sie – durch Dämmerung, komplette Dunkelheit und abgrundtiefe Finsternis.

Konzert: Amenra gastieren am Sonnabend, dem 18. Februar, um 19.30 Uhr im Lido in Berlin-Kreuzberg.

Von Ralf Thürsam

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