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Kultur 750 Jahre Kloster Neuzelle
Nachrichten Kultur 750 Jahre Kloster Neuzelle
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00:37 20.05.2018
Die katholische Stiftskirche im Kloster Neuzelle, rechts ist ein Teil des Klostergartens zu sehen. Quelle: Joke-Air
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Neuzelle

Tilman Schladebach hat eine Handvoll Zettel unterm Arm, er soll die letzten 750 Jahre in das Hier und Heute holen. Er will die Gegenwart im Kloster Neuzelle (Kreis Oder-Spree) bespielen und die Zeit bis tief ins Mittelalter feiern. Doch zunächst muss er entscheiden, ob er stilles Wasser oder Kohlensäure trinkt. Er hält die Flaschen hoch, als wolle er sie wiegen, und schaut dann aus dem Fenster: diese Pracht!

Das Kloster Neuzelle wurde in den letzten 25 Jahren mit 60 Millionen Euro restauriert. Das Geld liegt nicht dezent im Fundament versteckt und wurden nicht versenkt in Kellern, wo das Tageslicht nicht hingelangt. Es ist für jeden greifbar, es wurde investiert in pure Schönheit. 60 Millionen im Dienste des Barock, der Zeit, die Gott gefeiert hat, gerne mit Kirchenliedern, die aufs Ganze gingen, weil ihre Melodien nicht die Emotion des Augenblicks einfangen, sondern zeitlos von den Grundlagen des Glücks erzählen.

Im Moment aber herrscht Andacht im katholischen Kirchenschiff. Wer etwas hören möchte, geht vor die Tür. Hinten, am Klostergarten entlang, fährt die Bahn von Frankfurt (Oder) nach Cottbus. Eine sehr weltliche Verbindung. Wenn auch eine ausgesprochen schöne.

Höhepunkte des Neuzeller Jubiläumsjahres

Das Kulturland Brandenburg steht unter dem Thema „Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa“, es eröffnet seine diesjährige Saison an diesem Freitag im Kloster Neuzelle. Beginn ist um 14 Uhr, freier Eintritt. Details unter www.kulturland-brandenburg.de

Der Gartentag im Kloster Neuzelle wird am 2. Juni gefeiert: Musik, Kunst, Lichtspiele und ein Feuerwerk setzen den barocken Klostergarten festlich in Szene.

Das Filmorchester Babelsberg spielt am 9. Juni ein Open-Air-Konzert auf dem Kloster-Areal, das Brandenburgische Staatsorchester /Frankfurt (Oder) folgt am 30. Juni.

Die Oper „Jedermann“ nach Hugo von Hofmannsthal hat in Neuzelle am 19. Juli Premiere, weitere Termine am 20., 21., 26., 27., 28. Juli.

Das Landesjugendjazzorchester und die Young Voices geben am 1. September ein Open-Air-Konzert mit Stücken von Duke Ellington.

Das 15. Brandenburger Dorf- und Erntefest findet am 8. September in Neuzelle statt.

Infos unter www.stift-neuzelle.de

Tilman Schladebach ist Koordinator der Kulturprojekte im Kloster Neuzelle, er hat viel zu erzählen, er vergisst darüber nahezu das Trinken. Wie soll das Jubiläumsjahr des 750 Jahre alten Klosters gefeiert werden? „Wir dürfen nicht auf den Zug der Mittelaltermärkte aufspringen, das reicht für Neuzelle nicht.“ Denn das Kloster ist die größte Barockanlage in Brandenburg, wenn auch nicht die älteste. Das Kloster Lehnin schaut auf eine längere Tradition zurück.

„Wir wollen den Ort mit ins Boot holen, das ist nicht immer leicht, weil wir verschiedene Partner haben, die mitreden: eine selbstbewusste katholische Kirche, die evangelische Kirche und die Amtsgemeinde“, erläutert Schladebach. Einig sind sich die Akteure darin, dass Neuzelle ein Ort ist, der sich nicht mit krachenden Festen und Feuerspuckern begnügen kann.

Die Balance zwischen Historie, Erholung und Unterhaltung will permanent neu ausgehandelt werden, denn das Kloster-Areal ist nicht nur ein bestürzend schönes Ensemble, dem die Kronen, Dächer und Putten poliert wurden, sondern auch ein Wirtschaftsunternehmen. „Bisher hatten wir jährlich gut 100 000 Besucher, im aktuellen Jubiläumsjahr sollen es 200 000 Gäste werden. Im Folgejahr möchten wir nicht unter 150 000 zurückfallen.“

Das Einzugsgebiet reicht von Potsdam bis Dresden

Das sind ehrgeizige Zahlen, wenn man bedenkt, dass Neuzelle in einer Randlage ruht, nahe der Oder, doch fern der großen Orte. „Wir sprechen Menschen von Potsdam bis Dresden an – individuell ist die Anfahrt nicht immer leicht, weil der Autobahnanschluss fehlt. Darum sind die Busunternehmer wichtige Ansprechpartner für uns als Stiftung.

1268 wurde das Kloster von Markgraf Heinrich der Erlauchte aus Meißen gestiftet. 1650 erfuhr die spätgotische Anlage eine prachtvolle barocke Umformung. Das Kloster wurde 1817 aufgelöst, es blieben zwei Kirchen, eine wird heute katholisch, die andere evangelisch genutzt. Hinzu kommt der Klostergarten und der gotische Kreuzgang.

Derzeit prüfen vier Mönche aus dem österreichischen Stift Heiligenkreuz, ob im Kloster Neuzelle ein dauerhaft mönchisches Leben möglich ist. Die Prüfung ist ein formaler Akt, am 2. September soll das Priorat für dauerhaft acht Mönche in Neuzelle gegründet werden.

Von Lars Grote

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