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ARD und ZDF – es geht auch billiger

Debatte um Rundfunkbeitrag ARD und ZDF – es geht auch billiger

Die Öffentlichen-Rechtlichen und das Geld sind ein Dauerthema. Immer wieder gibt es den Vorwurf, ARD und ZDF würden Geld verschwenden. Tatsächlich könnten die Sender viel Geld sparen – wenn sie enger zusammenarbeiten würden. Ideen gibt es genug.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Berlin. Kaum jemand kennt Georg Greten. Und doch ist er so etwas wie der stille Star des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Denn der Mann, der in einem Büro im siebten Stock des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) in Berlin sitzt, könnte die Schlüsselfigur sein, um endlich den Finanzdschungel von ARD, ZDF und Deutschlandradio zu roden.

Die Öffentlich-Rechtlichen und das Geld. Mehr als acht Milliarden Euro bringt der Beitragszahler jedes Jahr für sie auf. In schöner Regelmäßigkeit wird Kritik an Verschwendung laut – genauso wie der Ruf, das System gleich ganz abzuschaffen oder zumindest Sender zusammenzulegen. „Wir sind der Auffassung, dass die Grundversorgung auch von einer Fernsehanstalt geleistet werden könnte“, sagte zum Beispiel vor Kurzem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Ganz praktisch würde das wohl das Aus für das ZDF bedeuten.

Abschaffung des ZDF ist zwar populär, aber unwahrscheinlich

Der Beifall der Beitragskritiker war ihm sicher, Seehofers Vorschlag traf einen Nerv. Dass er umgesetzt wird, ist aber unwahrscheinlich. Erstens, weil die Abschaffung eines ARD-Senders gegen das Föderalismusprinzip verstieße, zweitens, weil der Zuschauer mit dem ZDF auch sehr viele lieb gewonnene Angebote verlöre – und drittens, weil sich auch auf weit intelligentere Weise sparen lässt als ausgerechnet beim Programm: bei der Technik, in der Verwaltung. Hier kommt Georg Greten ins Spiel.

Greten ist Geschäftsführer einer Einrichtung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für die sich Politiker eher nicht interessieren: das Informations-Verarbeitungs-Zentrum (IVZ), eine Schnittstelle für Rechenzentrum, SAP-Anwendungen, Archiv- und Produktionssysteme. Erst wurde es nur von RBB und MDR genutzt, später auch von WDR, NDR, Radio Bremen, der Deutschen Welle und dem Deutschlandradio. „Das IVZ ist ein Beispiel einer funktionierenden Kooperation innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, sagt Greten. Er sagt aber auch: „Das IVZ ist eine Kooperation von Freiwilligen“. Was er meint ist: Einige, vor allem die Sender im Süden, machen bisher einfach nicht mit. Der Bayerische Rundfunk, der Südwestrundfunk, der Hessische Rundfunk und das ZDF sind nicht dabei. Ausgerechnet Seehofers Haus- und Hofsender ignoriert also die Sparmöglichkeiten, die das IVZ bietet.

Sender könnten ihre IT-Abteilungen auslagern

Was sich sparen ließe, belegen die Umsatzanteile des IVZ: Vom kleinen Radio Bremen sind es 300.000 Euro im Jahr, vom großen NDR 5,5 Millionen Euro. Wie viel könnte erst gespart werden, wenn auch die Südsender ihre IT-Abteilungen an das IVZ auslagern würden? Greten sagt: „Keine der ans IVZ angeschlossenen Rundfunkanstalten hätte sich die Mühe der IT-Auslagerung gemacht, hätte sie dadurch nicht mindestens 10 Prozent ihrer Kosten gespart.“

Er setzt auf Vernunft durch Technik: Bis spätestens 2025 müssen alle Sender einen neuen SAP-Standard eingeführt haben. Es wäre ein Anlass für die Verweigerer, sich dem IVZ anzuschließen. Der BR erwägt zumindest eine Beteiligung: Strukturüberlegungen seien im Gange, sagt Technikdirektorin Birgit Ulmer-Spanner. Greten hat schon alles durchgerechnet: „Wenn es nach mir geht: Wir stehen bereit.“

Für den IT-Bereich geben die Sender im Jahr 400 Millionen Euro aus

An diesem Freitag haben sich die ARD-Vorsitzende Karola Wille (MDR), die Intendanten von ZDF, NDR, BR und des Saarländischen Rundfunks mit Fritz Jäckel (CDU), dem Chef der sächsischen Staatskanzlei, und Heike Raab (SPD) aus Rheinland-Pfalz getroffen. Jäckel und Raab leiten die Arbeitsgruppe Auftrag und Strukturoptimierung, die die Ministerpräsidenten ins Leben gerufen haben, um bis zu ihrer Herbstkonferenz Vorschläge zu bekommen, wo der öffentlich-rechtliche Rundfunk sparen kann. Würde er nämlich weitermachen wie bisher, müsste der Rundfunkbeitrag von 17,50 Euro pro Monat und Haushalt 2021 auf mehr als 19 Euro steigen. Das hat die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Frühjahr errechnet und schlug vor, die IT-Bereiche der Rundfunkanstalten zu zentralisieren. Allein dafür geben ARD, ZDF und Deutschlandradio pro Jahr 400 Millionen Euro aus. Ein Gutachten attestierte Sparmöglichkeiten von mindestens 10 Prozent.

Ein Problem liegt im uneindeutigen Wesen der ARD

Tatsächlich ließe sich mit weiteren Maßnahmen sogar noch mehr sparen, sagt ein Intendant aus der Gruppe der Willigen. Er spricht von mehreren Hundert Millionen Euro – pro Jahr.

Da wäre zum Beispiel Kobra. Das Kürzel steht für „Koordinierte Beschaffung der Rundfunkanstalten“. Gemanagt wird der zentrale Einkauf von Barbara Massing, der Verwaltungsdirektorin der Deutschen Welle, die bei gemeinsam organisierten Einkäufen von Büromaterial über PCs bis zu Netzwerkkomponenten Rabatte von bis zu 50 Prozent aushandelt. Summen in dreistelliger Millionenhöhe werden hier bewegt. Auch das ist eine Kooperation der Freiwilligen, auch hier gibt es Sparmöglichkeiten. Allerdings zeigen sich hier auch die Grenzen des Modells: Die geballte Einkaufsmacht zu nutzen ist reizvoll – und heikel. Massing plädiert daher für neue Regeln: „Wir bräuchten mit Blick auf kartellrechtliche Beschränkungen politisch mehr Klarheit. Begrüßenswert wären rundfunkspezifische Ausnahmen, die uns beim gemeinsamen Einkauf und Aushandeln von Rabatten mehr Möglichkeiten eröffnen.“

Das Problem liegt im uneindeutigen Wesen der ARD: Agiert sie wirtschaftlich wie ein Konzern, könnte das Kartellamt einschreiten. Agiert sie organisatorisch wie eine Arbeitsgemeinschaft, die sie formal ist, versickert Geld in autonomen Strukturen.

Wenn sich dieses Problem lösen ließe: Wie viel mehr Geld könnte man dann ins Programm stecken, wenn Buchhaltung, Mailsysteme, Prozesse und Arbeitsabläufe vereinheitlicht, Reisekosten- und Honorarabteilungen zentralisiert würden?

Was spräche dagegen Auslandsstudios zusammenzulegen?

Bemühungen gibt es. So haben sich die Anstalten vor Jahren auf drei Standardmodelle für Übertragungswagen geeinigt. Leider hält sich kaum eine daran und hat doch wieder Sonderwünsche. Ein einzelner Ü-Wagen kostet übrigens, je nach Ausstattung, mehrere Millionen Euro.

Und wenn man schon alles neu denken dürfte: Was spräche dagegen, einige der 31 Auslandsstudios der ARD mit den 18 des ZDF räumlich und technisch bei weiterhin getrennter journalistischer Arbeit zusammenzulegen? Was dagegen, Sendernetze von der Telekom anzumieten, statt sie selbst zu betreiben? Oder sich die 160 Millionen Euro aus dem jährlichen Rundfunkbeitrag für 14 Landesmedienanstalten zu sparen und die Aufsicht über den Privatfunk anders zu regeln?

Die ARD-Vorsitzende Wille sagt: „Es gibt eine große Bereitschaft, die Kooperation bei ARD und ZDF in aller Konsequenz voranzutreiben.“ Noch klingt es so, als habe man sich lediglich darauf verständigt, sich verständigen zu wollen.

Georg Greten immerhin sieht Licht am Horizont. Der Vorschlag der Finanzbedarfskommission zur Zentralisierung der IT, sagt er, habe seinem Institut neuen Aufwind gegeben. Früher sprach er mit den Sendern ausschließlich auf der Ebene der Abteilungsleiter. Inzwischen redet er mit den Direktoren – und neuerdings, von Fall zu Fall, sogar mit Intendanten.

Von Ulrike Simon

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