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Achim Mentzel mit 69 Jahren gestorben

Überraschender Tod des Unterhaltungskünstlers Achim Mentzel mit 69 Jahren gestorben

Der Unterhaltungskünstler Achim Mentzel ist im Alter von 69 Jahren völlig überraschend gestorben. Der herbeigerufene Notarzt konnte der Stimmungskanone und Vollblut-Entertainer nicht mehr helfen. Er starb in einem Cottbuser Krankenhaus. Die Trauer bei Fans, Freunden und Weggefährten wie Oliver Kalkofe ist groß.

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Achim Mentzel
 

Quelle: dpa

Potsdam.  „Mir fehlen gerade die Worte“ - sonst ist Satiriker Oliver Kalkofe kaum um einen Spruch verlegen. Am Montag war er es bei Facebook zunächst schon, als er vom plötzlichen Tod des Stimmungssängers und Schlagermoderators Achim Mentzel erfuhr. Er starb völlig überraschend im Alter von 69 Jahren in Cottbus.

Viele Westdeutsche lernten den schwergewichtigen Mentzel (“Achims Hitparade“) erst durch den Spott von Kalkofe kennen, der den Volksmusiker auch mal “das zottelige Zonenmonster“ nannte.

Auch im Lied “Brandenburg“ spießte Rainald Grebe Mentzel auf. Mentzel bewies angesichts der Lästereien viel Humor und freundete sich zum Beispiel mit Kalkofe an. Vielen Ostdeutschen war der DDR-Star, der in den 70ern mit Nina Hagen zusammenarbeitete, lange vorher ein Begriff.

“Alles Achim oder was?“ hieß Mentzels Autobiografie, in der der rundliche Entertainer mit dem krausen Haar und dem Schnäuzer sein bewegtes Leben zwischen Rock und Volksmusik beschrieb. Ohrwürmer der Stimmungskanone waren zum Beispiel das Spreewald-Gurken-Song “Sauer macht lustig“ oder ein Lied wie “Gott sei Dank ist sie schlank“.

Beliebt, aber verboten

Kurz nach dem Krieg 1946 in Ost-Berlin geboren, wuchs er im Stadtteil Prenzlauer Berg auf. Auf Rat seiner Eltern lernte er erstmal das Handwerk des Polsterers. Allerdings musizierte er früh. Mit 15 Jahren rockte er mit dem Diana-Schau-Quartett durch Ostberliner Kneipen. Die Songs der Beatles und der Rolling Stones, gepaart mit Mentzels exzessiven Auftritten, waren beim Publikum beliebt. Bei den SED-Genossen nicht - es folgte ein Spielverbot mit 17 Jahren.

Mit 18 ging er als Versorgungsfahrer zur Armee und spielte mit der Transportbataillon-Kombo in Dorfdiskos. Mentzel entschied sich für die Stimmungsmusik, “weil ich niemandem meine Texte vorlegen wollte“. Die politisch unverfänglichen Lieder ermöglichten auch Engagements in Westberlin, so 1973 mit dem Alfons-Wonneberg-Orchester, als er plötzlich im Westen blieb.

“Vor einem Auftritt dort holte der Schlagzeuger plötzlich seine Klamotten aus der Pauke und seine Papiere aus der Trommel. Ich fragte, was er macht und er sagte, „Na ich bleibe hier““, erzählte Mentzel mal. Er schloss sich spontan an und wohnte kurzzeitig bei Verwandten im Saarland. Nach wenigen Monaten zog es ihn aber wieder heim.

Nach der Heimkehr in den Knast

Zehn Monate Gefängnis auf Bewährung kostete ihn der Ausflug in den Westen. Zurück in der DDR, lernte Mentzel in Berlin die Sängerin Nina Hagen kennen, die ihn während seines Westausflugs in der Band vertreten hatte. Gemeinsam mit ihr gründete er 1974 Fritzens Dampferband.

Zwei Jahre später begann Mentzels Solokarriere als Volks- und Stimmungsmusiker. Es folgten Auftritte im DDR-Fernsehen, die erste LP, und mit der Wende 1989 hatte er noch einmal Glück: “Ich war gefragt im Westfernsehen und hatte mit “ Achims Hitparade “ am 23. November 1989 meine erste eigene TV-Sendung.“ Immerhin 17 Jahre lang war er damit auf dem Bildschirm zu sehen.

Zu seinem 65. Geburtstag vor viereinhalb Jahren sagte Mentzel: “Ich hatte richtig Glück, privat und beruflich.“ Es liege nun mehr hinter ihm als vor ihm, sagte er damals, «das macht nachdenklich, aber ich würde alles wieder genauso machen».

In einem Interview sagte Mentzels Freund Oliver Kalkofe im Jahr 2012 anerkennend: “So was wie Achim Mentzel wird heute leider nicht mehr hergestellt. Früher ließ man noch Charakterköpfe auf den Sender, egal was für bescheuerte Quadratschädel das waren. Heute gibt es fast nur noch Moderatoren, die gleich und nett aussehen, problemlos funktionieren und sprechen können ohne hinzufallen - dafür aber völlig austauschbar.“

Einsatz bei den Psychobillys

Auch bei der jüngeren Generation genoss der Entertainer großes Ansehen. So unterstützte Mentzel die Potsdamer Psychobillyband Thee Flanders bei der Platte „Graverobbing II“. Der Schlagerbarde wollte sogar am 10. Dezember 2016 zum 25. Jahrestag des Dessauer Punklabels “Halb 7 Records“ in Berlin auftreten. „Ich glaube, der wird alle an die Wand spielen“, sagte Sänger Norman noch im Oktober gegenüber der MAZ. „Eine Band ist nach ihm dran. Die hat es ganz sicher nicht leicht.“

Trauer um einen „Brandenburger Kopf“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich betroffen vom plötzlichen Tod des Sängers und Moderators. “Achim Mentzel war Kult. Als vielseitiger Künstler war er sehr beliebt“, erklärte der SPD-Politiker.

Die Potsdamer Staatskanzlei hatte Mentzel auch in den Kreis der «Brandenburger Köpfe» aufgenommen. Das sind Prominente, deren Lebenswege in Brandenburg begannen oder die märkische Geschichte über lang oder kurz querten.

Von MAZonline

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