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Acrepearls nehmen neues Album auf

Jazz Acrepearls nehmen neues Album auf

Das Elektro-Jazztrio Acrepearls läss sich bei der Arbeit zuschauen. An diesem Mittwoch und Donnerstag nehmen die drei Musiker vor Publikum im Potsdamer Kulturzentrum „Freiland“ ihr neues Album auf. 25 Funkkopfhörer werden an Zuhörer verteilt, der Sound wird von fein ausgesteuerten Mikrofonen übertragen. Vier Sessions sind geplant, die Musik entsteht beim Spielen.

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Acrepearls: Thomas Leisner (Schlagzeug), Nico Schulze (Piano) und Kai Mader (Saxofon, v. l.).

Quelle: Lars Grote

Potsdam. Kai fuhr hinter einem Laster auf der Autobahn, der dicke Wagen vollgeladen mit Kartoffeln, und auf der Plane stand groß „Ackerperlen“. Das Wort hat Kai im Kopf gedreht, zerlegt und übersetzt, auf Englisch kriegte es auf einmal einen Sound, der wie ein Loblied auf das Landleben geklungen hat. Seither nennt sich die Band, in der er spielt, Acrepearls. Ein Wort, das es im Englischen nicht gibt – doch die Musik, die Kais Band spielt, gibt es im Grunde auch nicht. Nicht zumindest nach den Maßstäben des Radios, das zwischen sechs und 20 Uhr Musik verabreicht, die wie Gutelaunepillen wirken sollen.

Die Stücke der Acrepearls sind zu leichthändig, um sie zu greifen, sie verlassen sich nicht auf Noten, sondern auf „Kopf, Herz, Bauch“, wie Kai Mader das nennt. Auf Stimmung und Intuition. Für solche Töne gibt es keinerlei Kategorie. „Die Musik ist eine Art Gespräch, wir unterhalten uns. Ohne Worte. Während wir reden, stellt sich heraus, worüber“, sagt Kai.

Ein Whisky, ein Kuss oder ein anderer Grund, wach zu bleiben

Acrepearls mischen Jazz und Elektronik, in der Summe klingt das nach Musik für Mitternacht, für jene Stunde also, in der man einen Whisky braucht. Einen Kuss. Oder einen anderen Grund, noch nicht ins Bett zu gehen. Der Zauber liegt in der Gemengelage aus akustischer und elektronischer Musik. Hier Saxofon, Klavier und Schlagzeug, dort Loops, Synthesizer, Chips und Halbleiter.

„Wir suchen nach der Schnittmenge aus Maschine und Mensch“, sagt Kai, der schon lange mit Thomas Leisner zusammenspielt, beide sind sie Mitte 40. Vor einem Jahr kam Nico Schulze dazu. Kai zog nach Potsdam, wohnt nun zwei Etagen über Nico, die Kinder lernten sich kennen. Dann auch die Väter. Kai und Nico merkten: Wir haben beide Musik studiert. Wir mögen beide Jazz. Nico ist Ende 30. Mit Kai und Thomas bildet er nun ein Trio. „Als Menschen sind wir drei vollkommen verschieden“, glaubt Kai. „Thomas am Schlagzeug zieht die Kraft aus dem Kopf, Nico am Klavier aus dem Herzen, ich mit meinem Saxofon aus dem Bauch.“ Für elektronische Zusätze sind sie am Ende alle drei zuständig.

25 Funkkopfhörer für die öffentliche Session

Die Aufnahmen zum neuen Album der Acrepearls finden an diesem Mittwoch und Donnerstag im Spartacus-Club des Potsdamer Kulturzentrums „Freiland“ statt (Friedrich-Engels-Straße 22). Beginn der Sessions je um 20 und 22 Uhr, Einlass 15 Minuten vorher.

Zuhörer bei den Aufnahmen sind erwünscht, es stehen 25 Funkkopfhörer pro Session zur Verfügung. Um Anmeldung wird unter Angabe von gewünschtem Tag und Uhrzeit gebeten. Mails an Kai Mader: office@lalonova.de

Kai ist vor einem Jahr aus einer Landkommune ausgezogen, er lebte 20 Jahre dort, Kanin bei Beelitz. Gerade erkundet er den Konzertsaal vom „Freiland“, einem Potsdamer Kulturzentrum – in der Ecke ein Tisch zum Kickern, schwarze Vorhänge vorm Fenster, ein Mirrorball unter der Decke, so ein Ball aus kleinen Spiegeln, der das Licht als Punkte in den Saal zurückwirft. Hier wollen sie an diesem Mittwoch und Donnerstag ihr neues Album aufnehmen. Bis zu 25 Menschen können in den Saal, sie kriegen Funkkopfhörer, bekommen alles über hochauflösende Mikrofone mit. Es gibt drei kleine Bühnen, auf denen die drei Musiker stehen, eines mit Konzertflügel. Wohin die Reise geht, wissen sie noch nicht. „Einer fängt an, die anderen setzen ein“, sagt Kai. Thomas, der Schlagzeuger, ein großer, ruhiger Kerl, ergänzt: „Wir werden leise beginnen und uns langsam in Schwung spielen, auch das Publikum sollte zunächst Ruhe bewahren. Später kann es gerne umherlaufen. Durch die Kopfhörer erfährt es selbst auf der Toilette, was auf der Bühne läuft.“

Wie kann man diesen Abend vorbereiten, der so spontan verlaufen soll? „Wir proben, aufeinander zu hören, uns nicht ins Wort zu fallen. So entwickeln wir Gewürze und Farben.“ Das Beste daran: Die Acrepearls lassen sich bei der Arbeit live belauschen. Quasi bei ihrer Kartoffelernte. Nur die schönsten Perlen des Ackers kommen aufs Album.

Von Lars Grote

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