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Adolph von Menzel: Klein und impulsiv

Ausstellung „Ich.Menzel“ im Märkischen Museum Berlin Adolph von Menzel: Klein und impulsiv

Im Märkischen Museum Berlin kann man sich die Ausstellung „Ich.Menzel“ anschauen. Es wird versucht, hinter die Fassade des berühmten Berliner Künstlers Adolph von Menzel zu schauen. Er war klein und fühlte sich deshalb zeitlebens als Außenseiter. Am liebsten malte er Hinterhöfe, Menschenmengen und Tiere von oben. Nicht selten stieg er dazu auf Leitern.

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Perspektivisch ungewöhnlich: Adolph von Menzels Gemälde „Am Kreuzberg“ von 1847.

Quelle: epd

Berlin. Adolph von Menzel wirkte kleiner als er war. „1,50 Meter“ steht in seinem Reisepass. Der große Kopf auf dem kleinen Körper ließ ihn noch kleiner erscheinen. Menzel fühlte sich dadurch zeitlebens als Außenseiter. Doch mit Feder und Pinsel eroberte er sich die Welt, machte sie zu seiner eigenen. Am liebsten malte er Hinterhöfe, Menschenmengen, Zimmer, Stühle und Tiere von oben. Nicht selten stieg er dazu auf Tische und Leitern. Heute gilt Menzel als der bedeutendste Berliner Künstler seiner Epoche – zu Recht.

„Ich.Menzel“ nennt das Märkische Museum eine Ausstellung, die seit heute in Berlin zu sehen ist. In vier kleinen Räumen soll der Besucher herausfinden, welcher Mensch sich hinter der Fassade dieses Malers verbirgt, der niemals lächelte. Sein berühmtes „Flötenkonzert“ von 1852 ist hier nicht zu sehen, auch nicht sein politisch mutiges „Eisenwalzwerk“ von 1875, nicht einmal seine Ölskizzen aus den 1840er-Jahren, die den Einbruch der Moderne stärker spiegelten als die Bilder seiner Pariser Zeitgenossen.

Ein berühmtes Bild ist dann doch zu sehen: „Am Kreuzberg“. Menzel malte das perspektivisch ungewöhnliche Bild 1847, ein Höhepunkt der Ausstellung. Hier ist nichts geordnet, oben und unten geraten durcheinander, Haus und Landschaft suchen Halt. So ähnlich wirken auch seine Briefe dieser Jahre. Die schulmeisterliche Schönschrift hat er abgelegt, stattdessen fliegen die Buchstaben in großem Schwung über das Papier, wild und ornamental zugleich. Dagegen wirkt die Handschrift seines Zeitgenossen Theodor Fontane, der ebenfalls mit einem Jubel-Gedicht über Menzel vertreten ist, ausgewogen und langweilig.

Wer war also Menzel? Die ausgestellten Drucksteine, Zeichnungen, Radierungen und Gemälde zeugen von ungeheurem Fleiß. Nach dem Tod seines Vaters musste er mit 16 Jahren für seine Mutter und zwei jüngere Geschwister sorgen. Er führte die Lithografie-Werkstatt seines Vaters weiter und konnte dank seines Zeichentalentes genug Geld mit Gebrauchsgrafik verdienen. Leidenschaftlich illustrierte Menzel Kinderbücher, er gestaltete auch Gesellenbriefe reichhaltig. Ein Experte demonstriert an bestimmten Tagen sogar das Drucken mit den alten Originalsteinen.

„Ich.Menzel“ im Märkischen Museum

Die Ausstellung: „Ich.Menzel“ ist
vom 3. Dezember bis zum 28. März
im Märkischen Museum Berlin,
Am Köllnischen Park 5, zu sehen.

Öffnungszeiten: Di – So, 10 – 18 Uhr,

Eintritt: 5,-/3,- Euro, bis 18 Jahre frei

Im Begleitprogramm: Lithografie live – ein Fachmann druckt Originalplatten von Menzel sowie eine Offene Druckwerkstatt im Advent.

Adolph Friedrich Erdmann Menzel (1815–1905) wurde in Breslau geboren. 1830 siedelte er nach Berlin um.

1855 und 1867 nahm er an den Weltausstellungen in Paris teil. Geadelt wurde er 1898.

Ein schöner Einfall ist auch der Nachbau eines großen Transparents, das Menzel 1851 in der Akademie malte. Jedes Jahr trafen sich die Maler der Berliner Akademie, um für bedürftige Künstler Geld zu sammeln. Dazu malten sie drei mal

Auf die großen Widersprüche in Menzels Leben wird wenig eingegangen. Einerseits zeigen ihn seine frühen Werke als Vorreiter ei­nes republikanischen Realismus, andererseits hielt er an der monarchistischen Historienmalerei fest. Seine Bilder von Friedrich dem Großen sollten ein Kompromiss sein. Doch in Berlin reagierte man verhalten. Der flötende König wirkte zu menschlich, der Freund von Voltaire zu aufgeklärt. Um so größer war die Begeisterung vieler Franzosen, die sich ein aufgeklärtes und keineswegs militantes Preußen wünschten. Das Hause Hohenzollern machte sich dieses Missverständnis zu nutze.

Als Menzel den Missbrauch seiner Bilder erkannte, überlegte er nach Paris ins Exil zu gehen. Ein Vokabelhaft von 1856 bezeugt die Ernsthaftigkeit dieses Planes. Das Museum hat jene Seite aufgeschlagen, in der er das Verb souffrir konjugiert: „Ich litt, du littst .“

Von Nathalie Wozniak

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